Lenzburg
Ein 2000-Watt-Quartier erhält seine eigene App

Das 2000-Watt-Areal «Im Lenz» in Lenzburg erhält eine eigene App – analog zur Basler Erlenmatt. Erstaunlich: Offenbar fördere die App die Offline-Kommunikation. Und sie soll ein Beschleuniger, nicht ein Ersatz für den Austausch untereinander sein.

Markus Christen
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Der nachhaltige Lenzburger Stadtteil «Im Lenz» bekommt eine ähnliche App wie hier die «erlenapp» des Basler Quartiers.

Der nachhaltige Lenzburger Stadtteil «Im Lenz» bekommt eine ähnliche App wie hier die «erlenapp» des Basler Quartiers.

ZVG

Die Bewohner des Basler Stadtquartiers Erlenmatt-West waren die ersten der Schweiz, die mit ihrer Wohnumgebung in digitalen Kontakt treten konnten. Möglich machten dies die Applikationsentwickler der Firma qipp, einem Spin-off der ETH Zürich, sowie die Totalunternehmung Losinger Marazzi, die für den Bau des nachhaltigen Quartiers verantwortlich zeichnete.

Entstanden ist aus der Zusammenarbeit eine App für Smartphones, Tablets und Computer. Darauf stehen den Nutzern verschiedene Dienste zur Verfügung. Unter der Rubrik «Meine Wohnung» lassen sich umfassende Informationen zu allen Geräten finden, die in den eigenen vier Wänden im Einsatz sind. Über das Service-Center besteht ein direkter Draht zur Hausverwaltung und dem Hauswart.

Die Rubrik «Community & Nachrichten» macht beispielsweise auf anstehende Quartierfeste aufmerksam. Das Schwarze Brett ist eine quartiereigene Tausch-, Leih- und Verkaufsbörse.

Und da es sich beim Quartier Erlenmatt-West um ein umweltschonendes 2000-Watt-Areal handelt, informiert die App auch über den eigenen Energieverbrauch der Bewohner.

Für die «erlenapp» wurden die Entwickler vor zwei Monaten in Zürich zum Innovationsweltmeister im Bereich Internet der Dinge gekürt.

Zurzeit arbeiten die Informatiker der Firma qipp am Feinschliff für die «lenzapp». Denn auch das von der Losinger Marazzi AG verantwortete 2000-Watt-Areal «Im Lenz», das in Lenzburg auf dem ehemaligen Hero-Gelände entsteht, wird seine eigene App erhalten.

Hilfe für erste Kontakte

Nun lässt sich der Einwand formulieren, dass mit der Quartiers-App der real-menschliche Kontakt zugunsten einer digitalen Kommunikation verdrängt werde, dass im Zuge der zur Verfügung gestellten Dienstleistung die Bewohner sich selbst nur noch als Serviceanbieter und Dienstleistungserbringer wahrnehmen.

Doch gerade das Gegenteil sei der Fall, antwortet Stefan Zanetti von qipp, dies beweise der Pionierfall in Basel. «Die App fördert die Offline-Kommunikation und kann helfen, einen ersten Kontakt überhaupt herzustellen.»

Die Entwickler der App, so sagt Zanetti weiter, seien entschieden der Meinung, dass die Online-Kommunikation den direkten Kontakt nicht ersetzen kann. «Wir stellten fest, dass die Bewohner interessiert sind am Geschehen im Quartier. Die App dient diesbezüglich als Beschleuniger für den Austausch, nicht als Ersatz.»

Heikel kann dem aussenstehenden Beobachter auch der Umstand erscheinen, dass Daten zum Energiebereich gesammelt und über die Quartiers-App übermittelt werden. Es handle sich hierbei tatsächlich um einen sensiblen Bereich, bestätigt Stefan Zanetti und sagt: «Die eigenen Daten gehören dem Nutzer und niemand sieht die Daten des Nachbarn.»

Es gelte aber auch zu bedenken, so führt Zanetti weiter aus, dass es sich bei den entsprechenden Wohnquartieren um Areale mit festgelegten Zielwerten bezüglich der Umweltbelastung handle. «Über die Zielerreichung soll auch informiert werden.» Die erhobenen Daten sollen aber stets den Quartierverbund zur Messgrösse erheben und nicht den einzelnen Verbraucher isolieren.

Hohe Akzeptanz

Für das Basler Quartier erwies sich die «erlenapp» als voller Erfolg. 84 Prozent der Bewohner machten bereits am ersten Tag der Lancierung Gebrauch von der digitalen Kommunikationsplattform und im Schnitt nutzen die Bewohner die Applikation jeden zweiten Tag. Man darf gespannt sein, wie viele Nutzer die «lenzapp» finden wird.

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