Seengen
«Ehrlicher, einen Schlussstrich zu ziehen»: Unternehmer schliesst «art cigar» im «Bären»

Die Champagnerlaune der Eröffnungsfeier im Frühling dieses Jahres ist verflogen und hat einer gewissen Ernüchterung Platz gemacht. Zumindest für Christoph Nyfelers «art cigar» hat sich der Betrieb im Aparthotel Bären in Seengen nicht wunschgemäss entwickelt.

Ruth Steiner
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Nach einem halben Jahr zieht sich Betreiber Christoph Nyfeler aus dem «art cigar» im Seenger «Bären» zurück. Das Lokal bleibt jedoch bestehen.

Nach einem halben Jahr zieht sich Betreiber Christoph Nyfeler aus dem «art cigar» im Seenger «Bären» zurück. Das Lokal bleibt jedoch bestehen.

Alex Spichale

Zwar sei der Start «über Erwarten gut gewesen», blickt Nyfeler zurück. Doch hat sich die Euphorie relativ rasch gelegt. «Es ist ehrlicher, einen Schlussstrich zu ziehen», wenn dieser auch schweren Herzens erfolge, sagt Nyfeler nur ein halbes Jahr nach der Eröffnung des Lokals. Die Betriebseinrichtung hat er dem «Bären»-Besitzer Rolf Kasper verkauft.

Noch bis Ende dieses Monats läuft das «art cigar» im Aparthotel Bären unter Nyfelers Führung; am Samstag, 27. Oktober, findet das letzte Live-Konzert statt, am Tag darauf werden die letzten Gläser getrunken und die letzten Zigarren geraucht.

Whiskyhandel boomt

Christoph Nyfeler sucht nicht nach langen Erklärungen für den Schritt, gibt sich durchaus auch selbstkritisch. Seine Präsenz vor Ort wäre gefragt gewesen, sagt er. Doch die Eröffnung in diesem Frühling kam für den 35-jährigen Whisky- und Zigarrenunternehmer zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Ursprünglich war diese ein Jahr früher vorgesehen, im Frühling 2017. Verzögerungen bei der Sanierung der Liegenschaft verunmöglichten dieses Datum aber. In der Zwischenzeit haben sich für Nyfeler die Dinge bei der Langatun Whisky-Distillerie in Aarwangen, deren Mitinhaber und Verlaufsleiter er ist, überschlagen. «Die Entwicklung bei ‹Langatun› hat alle unsere Erwartungen übertroffen. Innerhalb von anderthalb Jahren haben wir den Umsatz vervierfacht», erzählt er.

Mittlerweile werden die Whisky-Erzeugnisse aus dem Oberaargau in 18 Länder exportiert, neuerdings gar in drei Staaten der USA. Gleichzeitig hat sich der Mitarbeiterstab verdoppelt auf 16 Personen. «Als Unternehmer trage ich für diese Leute die Verantwortung und dass sie ein gutes und sicheres Umfeld haben», erklärt Christoph Nyfeler.

Als Folge davon habe er seine Kräfte bündeln und den unpopulären Entscheid treffen müssen, sich aus Seengen zu verabschieden. Seengen war der dritte Standort, an dem Nyfeler ein «art cigar» betrieb. Das Lokal in Aarau hatte er gemeinsam mit dem früheren Besitzer Otto Fischer geführt, es wurde bereits im Verlaufe dieses Jahres geschlossen.

Die Lage sei zu schwierig gewesen für einen erfolgreichen Betrieb. Die Einrichtung sei vorhanden gewesen, deshalb habe er «es probieren wollen», erklärt Nyfeler.

Diese Schritte haben jedoch keine Auswirkung auf das Lokal in der Lenzburger Rathausgasse, hält Christoph Nyfeler fest. «Das ‹art cigar› Lenzburg ist meine ‹Heimat›. Hier wurde vor langer Zeit meine Passion für Whisky und Zigarren geweckt», erklärt er und schmunzelt.

Soll Raucherlokal bleiben

Das Lokal in Seengen wird zukünftig von Rolf Kaspers Hallwilersee-Hotelgruppe betrieben. Unter dieser Dachmarke sind das Seehotel Hallwil in Beinwil am See, das Restaurant Roter Leu in Dürrenäsch und das Tagungshaus Rügel sowie das Aparthotel Bären in Seengen zusammengefasst.

Welche Pläne man dort für das «art cigar» Seengen hat, kann Rolf Kasper noch nicht sagen. «Wir haben über die künftige Ausrichtung noch nicht entschieden. Es liegen verschiedene Modelle auf dem Tisch.» Kasper betont jedoch, dass der Betrieb nicht geschlossen, sondern ab 1. November unter neuer Führung lückenlos weitergeführt werde. «Er soll auch in Zukunft ein Raucherlokal bleiben.»

Das sind die Aargauer Gault-Millau-Restaurants 2019:

Hotel Hasenberg, Usagiyama, Widen Das Restaurant Hasenberg in Widen führt die Aargauer Rangliste mit 16 Punkten an. Auf dem Bild Shingo Ozawa (Sous-Chef), Akihiko Suzuki (Grand Chef) und Geschaftsführerin Yoshiko Kurahayashi. (Archivbild)
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So sieht das «Hasenberg» von aussen aus. (Archivbild)
Rosmarin, Lenzburg «Philipp Audolensky hat mit seiner Liebe zum Detail und mit seinen lustvollen Gerichten begeistert», schreibt der Gault Millau. Sein Restaurant Rosmarin (im Hintergrund) hat 15 Punkte.
Schlossgarten, Schöftland Der Schlossgarten gehört weit über die Dorfgrenzen hinweg zu den bevorzugten Adressen. Auch der Schlossgarten kann 15 Gault-Millau-Punkte vorweisen.
Wirtshaus zur Heimat, Ehrendingen Tim Munz und seine Partnerin Melina Rychener haben das Wirtshaus im Frühling 2016 übernommen. Munz hat als Küchenchef 2018 um einen Punkt zugelegt und ist neu bei 14 Punkten.
Tim Munz vom Wirthaus zur Heimat hat 14 Punkte "Heimat"-Wirt Tim Munz und sein Team: "Jeder Gast wird bei uns so behandelt, wie ein potenzieller Gault-Millau-Tester."
Restaurant Fahr, Künten-Sulz Die jungen Wirte Alexandra von Allmen und Manuel Steigmeier sind mit 14 Punkten ausgezeichnet worden – erstmals.
Alexandra von Allmen und Manuel Steigmeier in der Gaststube.
Pfändler's Gasthof zum Bären, Birmenstorf Die Wirte haben 2018 von Gault Millau 14 Punkte erhalten - wie im Vorjahr.
Bären, Mägenwil Die Wirte haben 2018 von Gault Millau 14 Punkte erhalten - wie im Vorjahr.
Silvio's Ampère, Rupperswil Das Ampère erhielt wie im Vorjahr 14 Punkte.
Bänziger, Seon Das Restaurant erhielt wie auch schon im Vorjahr 14 Punkte.
 Martin Bänziger führt das Gourmet-Restaurant.
Zum Hirschen, Villigen Der Gastro-Kritiker verlieht dem Restaurant in Villigen 14 Punkte.
Nadja Schuler und Stephane Wirth haben den Landgasthof zum Hirschen in Villigen im Februar 2013 übernommen.
Landgasthof Ochsen, Wölflinswil Auch er erhielt wie im Vorjahr 14 Punkte.
Kettenbrücke, Aarau Ende März 2016 öffnete das Aarauer Vierstern-Stadthotel Kettenbrücke seine Tore im neuen Glanz. Nun hat es 13 Punkte erhalten und gehört neu zu den Aargauer Gault-Millau-Restaurants.
Die Küche unter der Leitung von Jörg Krölls überzeugte die Tester mit Wiener-Schnitzel und Kartoffel-Gurken-Salat.
Barracuda, Lenzburg Die Brasserie wurde im Juni 2017 eröffnet. Auch sie befindet sich neu im Gault Millau – mit 13 Punkten.
Hotel Bären, Bärenstübli, Suhr Das Restaurant erhielt wie im Vorjahr 13 Punkte von Gault Millau.
Das Ziel von Chefkoch Stephan Pletschacher ist es, den 14. Punkt zurückzuerobern.
Mürset, Aarau Das Restaurant erhielt wie im Vorjahr 13 Punkte von Gault Millau.
Pinte, Dättwil Das Restaurant erhielt wie im Vorjahr 13 Punkte von Gault Millau.
Patrick Troxler, Küchenchef und Inhaber der Restaurant Pinte Dättwil AG, vor der Dättwiler Traditionsbeiz.
Zur Mühle, Oberentfelden Das Restaurant erhielt wie im Vorjahr 13 Zähler.
Beluga, Aarau Küchenchef Robin Dürlewanger. Das Restaurant erhielt 13-Gault-Millau-Punkte, einen weniger als im Vorjahr.
Seerose, Cocon, Meisterschwanden Das Restaurant erhielt 12 Punkte von Gault Millau, einen weniger als im Vorjahr.

Hotel Hasenberg, Usagiyama, Widen Das Restaurant Hasenberg in Widen führt die Aargauer Rangliste mit 16 Punkten an. Auf dem Bild Shingo Ozawa (Sous-Chef), Akihiko Suzuki (Grand Chef) und Geschaftsführerin Yoshiko Kurahayashi. (Archivbild)

Emanuel Freudiger