«Woher weiss ich, wie die Wirtschaft funktioniert und wie ich eine Rede halten muss? Das alles habe ich dem KV hier zu verdanken.» Jeton Ramiqi ist am KV Lenzburg zur Schule gegangen. Jetzt steht er am Rednerpult in der Aula des KV-Schulhauses, vor ihm sitzen ehemalige Schülerinnen und Schüler, die ebenfalls in Lenzburg die KV-Schulbank gedrückt haben.

Vorgestern Abend haben sich die Ehemaligen an ihrem früheren Schulort zusammengefunden und protestierten gemeinsam gegen die im Raum stehende Aufhebung ihres KV, die wie ein Damoklesschwert in der Luft hängt. Sie basiert auf der Absicht des Regierungsrats, den vorhandenen Schulraum besser auslasten zu wollen.

Drei Varianten stehen zur Diskussion, wie das Vorhaben umgesetzt werden soll. Zwei davon planen in Zukunft ohne den Standort Lenzburg Reinach. Dagegen war bereits vor zwei Wochen auf politischer Ebene eine Unterschriftensammlung für eine Petition gestartet worden (die az berichtete).

Lob für die Lehrerschaft

Mit ihrer Kundgebung wollten nun die ehemaligen Schülerinnen und Schüler ebenfalls ein Zeichen setzen. In verschiedenen Plädoyers brachten sie unter anderem ihre emotionale Verbundenheit mit der Institution zum Ausdruck. Die persönliche Atmosphäre wurde beschwört und der gute Geist, der an der Schule herrsche.

Hier unterrichteten Lehrer, denen die Schüler am Herzen lägen, die sich über die reine Schulstoffvermittlung hinaus einsetzten, war man sich einig. Ein Votum, das später von einer Teilnehmerin der Erwachsenen-Matur gestützt wurde. Sie sagte: «Die Lehrerschaft an dieser Schule ist hochkompetent. Ich wünschte, ich hätte bereits während der Lehre in Lenzburg zur Schule gehen dürfen. Diese habe ich an einem andern Standort im Aargau absolviert.»

Regional ist persönlicher, war ebenfalls eine der vorherrschenden Parolen zum infrage gestellten Standort. Hier kamen ganz persönliche und alltägliche Anliegen ins Spiel: «Weshalb sollte ein Lernender für den Schulweg viel mehr Geld ausgeben und erst noch viel mehr Zeit investieren müssen?», fragte ein Redner und erntete grosse Zustimmung für seine Aussage: «Die Schule schliessen ist eine Schande.»

Unter den Argumenten gegen eine Schliessung fanden sich aber auch ganz handfeste Fakten. Mit dem Wachstumsboom, der in der Region herrscht, dürfte die Raumauslastung der KV-Schule Lenzburg Reinach weiter ansteigen, hiess es. Schon heute weist sie mit 94 Prozent die zweithöchste Auslastung aller Aargauer Berufsschulen auf.

Teilnehmerzahl enttäuschte

Trotz leidenschaftlicher Voten, einen Tolggen im Reinheft hatte die Veranstaltung der Ehemaligen. Der Anzahl Partybrote auf den Apérotischen nach beurteilt, war mit einem erheblich höheren Aufmarsch gerechnet worden. Schulleiter Andreas Schmid bestätigte dies. Nach dem Aufruf hätten viele Ehemalige versprochen, an der Kundgebung teilzunehmen, sagte er.

Doch im entscheidenden Moment haben diese ihre an vorderster Front kämpfenden Kollegen im Stich gelassen. Dass keine aktuellen Schülerinnen und Schüler der KV-Schule Lenzburg Reinach am Anlass teilnahmen, war laut Schulleiter Schmid so geplant. Diese Kundgebung sei eine reine Ehemaligen-Angelegenheit, sagte er. Dabei unterstrich er, dass man mit der Unterschriftensammlung auf gutem Weg sei.