Egliswil
12 Jahre nach Grossbrand: Traitafina-Brache wird überbaut

MCI-Group realisiert am südlichen Dorfrand von Egliswil eine Wohnsiedlung mit 42 Eigentums- und Mietwohnungen.

Toni Widmer
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Hier sollen die Wohnungen entstehen.

Hier sollen die Wohnungen entstehen.

Toni Widmer

Im November 2009 ist der Produktionsbetrieb der Traitafina in Egliswil durch einen Grossbrand weitgehend zerstört worden. Es entstand ein Millionenschaden. Die Feuersbrunst sorgte im Nachgang schweizweit für Schlagzeilen: 2012 wurden drei Personen vom Bezirksgericht Lenzburg zu Bussen verurteilt, weil sie nach Ansicht des Gerichts Sicherheitsvorschriften missachtet und dadurch fahrlässig den Grossbrand verursacht hatten.

AGR

Ein Jahr nach dem Brand verlagerte die Traitafina ihre Produktion ganz ins Stammhaus nach Lenzburg. Die Ruine wurde 2012 abgerissen, seither liegt das Gelände brach.

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Jetzt kehrt Leben ein auf das Areal, das direkt an der Bauzonengrenze im Grünen liegt. Demnächst soll der Spatenstich für eine Wohnüberbauung stattfinden, die von der MCI-Group realisiert wird. Die geplante Überbauung «Wilari» – der Name wird laut Bauherrschaft von der Bezeichnung Weiler abgeleitet – besteht aus vier Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 42 Wohnungen.

Angeboten werden von der mit dem Verkauf betrauten Avendo AG mit Sitz in Suhr, 27 Eigentums- und 15 Mietwohnungen. Die Eigentumswohnungen sind zweieinhalb und dreieinhalb Zimmer gross mit Wohnflächen von 67 und 88 Quadratmetern und verfügen alle über Terrassen mit Blick auf die unbebauten Wiesen. Dazu gibt es 15 Mietwohnungen mit eineinhalb und zweieinhalb Zimmern, ebenfalls alle mit Balkonen.

Überbauung Wilari Egliswil auf dem Traitafina-Areal

Überbauung Wilari Egliswil auf dem Traitafina-Areal

Zvg / Aargauer Zeitung

Das Konzept mit eher kleinen Wohnungen ist für dieses Projekt offenbar richtig gewählt worden: «Die Nachfrage ist sehr gross, über die Hälfte der Eigentumswohnungen ist bereits reserviert», erklärte Roland Schüpfer von der Avendo AG. Die Überbauung, sagte er weiter, werde über eine Tiefgarage erschlossen. Im autofreien Innenhof gibt es Spielwiesen und Spielplätze.

Die vier Häuser werden in Holzbauweise erstellt, das Tiefgeschoss in Beton. Den speziellen Bodenverhältnissen, erläutert Schüpfer, werde mit umfassenden Schutzmassnahmen, unter anderem mit Pfählungen, Rechnung getragen. Bezugsbereit sein soll die neue Überbauung im Verlauf des nächsten Jahres 2022.

Überbauung Wilari Egliswil auf dem Traitafina-Areal

Überbauung Wilari Egliswil auf dem Traitafina-Areal

Zvg / Aargauer Zeitung

Vorerst geplantes Jugendheim konnte nicht realisiert werden

Nach dem Brand und der Verlegung der Produktion ins Stammhaus, hat die Traitafina das Areal an die Bremgarter Stiftung für psychosoziale Integration von Kindern und Jugendlichen (Ikj) verkauft. Ikj ist eine privatrechtliche Institution, die im Bereich Sonderschulen und stationäre Einrichtungen tätig ist. Sie betreibt zwei Therapiestationen für Kinder und Jugendliche in Koblenz und Ennetbaden. Weiter verfügt sie über Notfallplätze für Kinder und Jugendliche und führt sozialpädagogische Wohngemeinschaften in Muri, Wohlen und Baden.

Die Fachleute der Stiftung betreuen im Bedarfsfall auch Familien in deren privatem Umfeld. In Egliswil wollte die Stiftung ein Notfallzentrum für Krisenintervention (Kuna) realisieren. Die kantonale Abteilung Sonderschulung, Heime und Werkstätten (SHW) hatte der Ikj 2008 einen entsprechenden Auftrag erteilt. 2017 zog der Kanton diesen jedoch zurück. Einerseits weil die Abteilung SHW das Projekt Kuna mittlerweile gegenüber anderen Angeboten als zu teuer erachtete, anderseits, weil sie fand, im Aargau würden aktuell genügend Plätze existieren.

Stiftung hatte bereits gegen fünf Millionen Franken investiert

Für Ikj-Geschäftsführer Franz Lötscher war das ein harter Schlag. Das Projekt war zu jenem Zeitpunkt weit fortgeschritten. Man hatte in den Landkauf sowie in ein Wettbewerbs- und ein Vorprojekt bereits gegen fünf Mio. Franken investiert. Mittlerweile hat die Stiftung das Land in drei Etappen verkaufen und laut Lötscher «einen guten Preis» lösen können. Dennoch blieb die Ikj nach dem Rückzug des Kantons auf Restkosten von mehreren hunderttausend Franken sitzen. Das war für die Stiftung schmerzlich. «Zum Glück konnten wir diesen Betrag aus unseren Reserven decken und diese dank eines guten Geschäftsgangs mittlerweile auch wieder etwas auffüllen», erklärte Lötscher. Der Stiftung, sagte er weiter, gehe es aktuell gut:

«Wir sind bestens aufgestellt und unseren rund 100 Mitarbeitenden geht die Arbeit nicht aus.»

Auch Corona hätte man bisher gut überstanden, doch die aktuelle politische Lage im Zusammenhang mit der Betreuung von Kindern und Jugendlichen lasse die Zukunftsperspektiven nicht eben in einem rosigen Licht erscheinen. «Sorgen», sagt Lötscher, «macht uns insbesondere der zunehmende Spardruck.»