dürrenäsch
«Wir müssen ein eingespieltes Team sein»: Der Hüne und die grossen Pferde

Christian Weissenbacher arbeitet mit seinen Pferden im Forst. Damit die riesigen Tiere ihm auch in steile Hänge folgen, braucht es viel Vertrauen.

Anja Suter
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Christian Weissenbacher arbeitet seit seiner Jugend mit Pferden .

Christian Weissenbacher arbeitet seit seiner Jugend mit Pferden .

Sandra Stutz / Knipserei.ch

Wer den Stall von Christian Weissenbacher betritt, wird zuerst von Fado begrüsst. Der 1,76 Meter grosse Percheron - eine französche Kaltblutpferderasse - knabbert Besuchern gerne an der Jacke. «Bei mir würde er es nicht probieren, weil er weiss, dass er nicht darf. Aber bei Fremden versucht er sein Glück immer gerne», sagt Weissenbacher.

Fado steht nicht alleine im Stall in Dürrenäsch. Weiter hinten warten die Shire Horses Primeli und Joshua sowie Iton, ein weiterer Percheron. Die drei stehen dem 6-jährigen Fado in Sachen Grösse in nichts nach; und sie sind ebenso verschmust.

Christian «Chrigel» Weissenbacher ist das, was viele wohl als einen Pferdeflüsterer bezeichnen würden. «Das hört er ganz und gar nicht gern», sagt Geschäftspartnerin Sandra Stutz schmunzelnd. «Ich rede ja auch nicht gross mit den Pferden», erwidert Weissenbacher. Meist beschränkt er sich auf einzelne Worte. Wie zum Beispiel: «wiah » (loslaufen), «wüscht» (nach links) oder «hott» (nach rechts).

Schäden am Waldboden werden durch Holzbringung minimiert

Der 48-Jährige stammt ursprünglich aus Bayern. «Ich hab schon als junger Bursche mit Pferden gearbeitet», sagt er. Später absolvierte Weissenbacher eine Ausbildung als Holzer. Die Arbeit mit Pferden im Wald gehörte da selbstverständlich dazu und ist ihm auch bis heute geblieben. Weissenbacher ist «Berufsrösseler» und arbeitet auch heute, Jahre später, noch mit seinen Pferden im Wald. «Die Holzbringung ist in der Zeit mit Maschinen ein wenig verloren gegangen», sagt er. Anstatt dass die gefällten Bäume mit einer Maschine aus dem Wald transportiert werden, übernimmt Weissenbacher diesen Job zusammen mit einem Pferd. «Die Holzbringung hat einige Vorteile», erklärt er. Sie minimiert die Schäden am Waldboden. Ausserdem kommen Pferde auch mit schwierigem Gelände zurecht. «Doch wer denkt, dass die Waldarbeit nur von Pferden und ohne Maschinen erledigt werden kann, ist ein Träumer», fügt Weissenbacher an. Am besten sei eine Zusammenarbeit von Pferd und Maschine. «Wir schleifen die Baumstämme aus dem Gelände auf die Waldstrasse, und von dort aus werden sie von Maschinen transportiert.»

Vier Hufe anstelle einer Maschine: Weissenbacher und sein Pferd im Wald bei der Arbeit.

Vier Hufe anstelle einer Maschine: Weissenbacher und sein Pferd im Wald bei der Arbeit.

Sandra Stutz / Knipserei.ch

Christian Weissenbacher scheut sich auch nicht davor, mit seinen Tieren in steilen Hängen zu arbeiten. «Doch dafür muss mir das Pferd bedingungslos vertrauen, wir müssen ein eingespieltes Team sein», sagt er. Aus der Ruhe bringen lässt er sich nie:

«Es bringt ja nichts, wenn ich hektisch werde, das färbt nur aufs Pferd ab.»

Damit ein Pferd zur Holzbringung bereit ist, braucht es viel Training. «Zuerst gewöhnt man das Pferd ans Geschirr, dann gebe ich die Stimmbefehle. Erst, wenn das klappt, üben wir das Ziehen mit einem Traktorpneu», sagt er. Das alles passiert auf dem sicheren Platz in Dürrenäsch. Erst später geht es in den Wald. «Da haben die Pferde dann alles wieder vergessen.»

Weissenbacher bildet nicht nur seine eignen Pferde für die Holzbringung aus. Er gibt auch Kurse im Holzrücken und bringt Pferden das Kutschenziehen bei. Für den Erfolg sei vor allem eines nötig:

«Man muss immer konsequent sein mit dem Pferd.»