Seetal

Dürrenäsch hat jetzt eine «lebende Gendatenbank»

Projektleiter Victor Condrau (Stiftung KLAS), Gemeindeammann Andrea Kuzma, Landstatthalter Markus Dieth, Gabi Lauper (Präsidentin Stiftung KLAS) und Gertrud Burger (Mitglied der Geschäftsleitung ProSpeciaRara, v.l.).

Projektleiter Victor Condrau (Stiftung KLAS), Gemeindeammann Andrea Kuzma, Landstatthalter Markus Dieth, Gabi Lauper (Präsidentin Stiftung KLAS) und Gertrud Burger (Mitglied der Geschäftsleitung ProSpeciaRara, v.l.).

In einer vollen Turnhalle eröffnete Landstatthalter Markus Dieth das Wildobst-Arboretum, einer national einzigartigen Sammlung an raren Wildobst-Sorten.

Bis auf den letzten Platz füllte sich die Dürrenäscher Turnhalle: Trotz regnerischen Wetters sind am Sonntag die Seetaler zahlreich an der Eröffnung der national einzigartigen Wildobst-Sammlung erschienen.

Es sei ihm eine Ehre, sagte Landstatthalter und Finanzdirektor Markus Dieth, dass im Kanton Aargau das alte Kulturgut Wildobst erhalten und weitervermehrt werde. Und zwar «als lebende Gendatenbank, statt es wie auf Spitzbergen im Permafrost zu lagern».

Wenige 100 Meter von der Turnhalle entfernt gedeiht am Waldrand der öffentlich zugängliche Schaugarten mit 1000 Pflanzen, 100 Arten und 420 Sorten (Schweiz am Wochenende vom 27. 4.). Unmittelbar neben der vor 15 Jahren entstandenen nationalen Hochstammsammlung mit 63 Sorten. «Mann kann schon fast sagen, Dürrenäsch wird zum Mekka der alten Obstsorten», sagte Markus Dieth vor rund 150 Personen.

Im Seetal gibt es die grösste Wildobst-Sammlung

Im Seetal gibt es die grösste Wildobst-Sammlung

Wildobst-Früchte wie zum Beispiel die Kornelkirsche oder die Felsenbirne kann man in keinem Nahrungsmittelladen kaufen. Im Seetal jedoch kann man sie und viele andere bestaunen und sogar verkosten.

In Hallwil befindet sich der zweite Standort des gestern eröffneten Arboretums: eine Erwerbsanlage, wo die «Gmüeser» das Wildobst zu Konfitüren, Säften oder Schnaps verarbeiten, sowie das Heckenrosen- oder Hagenbutten-Arboretum mit allen 27 Schweizer Sorten. Ziel sei, so der CVP-Regierungsrat, das Arboretum auf 1200 Pflanzen auszudehnen und Stecklinge zu produzieren, um diese an Gärtnereien und Privatpersonen weiterzugeben.

«Chruselbeeri» entdeckt

Dieth machte auf die zahlreichen Vorteile des Wildobstes aufmerksam, beispielsweise als Alternative zu den eher monoton wirkenden Hecken-Exoten wie Kirschlorbeer und Thuja in Privatgärten. Sie würden zudem einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität beitragen und zu allen Jahreszeiten das Landschaftsbild bereichern.

Mit der viertgrössten Obstbaufläche der Schweiz sei der Kanton Aargau ein zentrales Obstanbaugebiet der Schweiz. «Als Landwirtschaftsdirektor setze ich mich für eine nachhaltig produzierte Landwirtschaft ein.» Dazu gehöre auch, dass bei Neuzüchtungen jederzeit auf alte Sorten zurückgegriffen werden könne, unter anderem aufgrund der Resistenzgenen.

Dass so viele Wildobst-Sorten existieren, habe sie überrascht, sagte Frau Gemeindeammann Andrea Kuzma an der Eröffnungsfeier. Sie nannte das Beispiel der Stachelbeere. «Die ‹Chruselbeeren› kenne ich noch aus meiner Kindheit», sagte sie. Doch heute seien sie fast ganz aus den Gärten verschwunden. Dank des Arboretums würden sie aber erhalten bleiben. Und sie wisse jetzt, dass die Stachelbeere in vielen Varianten vorkomme. «Es gibt sie sogar in süss!»

Für musikalische Unterhaltung sorgte der Brugger Musiker Frank Powers, mit bürgerlichem Namen Dino Brandão. Er gehört zu den zahlreichen Zivildienstleistenden, die beim Pflanzen der Wildobst-Sträucher halfen. «Ohne deren Hilfe hätten wir es nicht geschafft», sagte Projektleiter Victor Condrau von der Trägerstiftung Kultur Landschaft Aare-Seetal (KLAS), die zusammen mit ProSpeciaRara das Arboretum aufgebaut hat.

Eine grosse Unterstützung sei auch Bauer Hans Bertschi gewesen, der nicht nur zusammen mit seiner Frau Pia das Land in Dürrenäsch verpachtete, sondern auch immer zur Stelle sei, um die Pflanzen mit Wasser zu versorgen. Sein Namensvetter habe zudem die Felder in Dürrenäsch und Hallwil von Mäusen befreit. «188 Mäuse fing ‹Schwinger-Häusi› bis jetzt ein», sagte Condrau.

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