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Duell der Kandidaten: Mann, die schmecken beide gleich gut!

Mosimann und Steinmann schärften ihr Stadtammann-Profil am Gewerbestamm kaum. Wissen denn die Lenzburger, welchen Mann sie sich wünschen: Mosimann oder Steinmann als Stadtammann?

Thomas Röthlin
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Wer wird neuer Stadtammann von Lenzburg? Altstadt Lenzburg
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Moderatorin Ruth Steiner hatte das Podium im Griff.
Wer soll Lenzburgs Stadtammann werden?
Kandidat Mosimann, 54, SP, Schulheimleiter.
Bauknecht-Chef Eric Freienstein war der Gastgeber.

Wer wird neuer Stadtammann von Lenzburg? Altstadt Lenzburg

Bauknecht weiss, was Frauen wünschen. Den Slogan von 1954 bekam der Politstammtisch des Gewerbevereins Lenzburg im Festzelt zum 60-Jahr-Jubiläum des Schweizer Ablegers eines deutschen Haushaltgeräteherstellers mit amerikanischem Mutterhaus zu hören. CEO Eric Freienstein zitierte ihn im Wissen, dass heute auch Männer kochen. Zum Beispiel Daniel Mosimann, der am 23.September sozusagen Chefkoch von Lenzburg werden will. Er braucht nur ein Rezept gegen Martin Steinmann.

Wissen die Lenzburger, welchen Mann sie sich wünschen: Mosimann oder Steinmann als Stadtammann? Nachdem Freienstein seine neusten Innovationen wie einen Esstisch mit eingebautem Kochherd angepriesen hatte, versuchte Moderatorin Ruth Steiner den Wahlkampf um das «Stadtätti»-Amt zu befeuern. Eine schwierige Aufgabe: Die erste organisierte Konfrontation der Kandidaten (zweites az-«Duell» am Freitag, 7.September, 18 Uhr in der Rathausgasse) war – vegetarisch. Ein bekömmliches Buffet zwar, aber ohne Fleisch am Knochen. Und ein Abbild der Wahlplakate, auf denen zwei Herren mittleren Alters mit Brille und markanten Gesichtszügen, Zwillingen gleich, die Lenzburger anlächeln.

Hobbykoch Mosimann holt vielleicht mehr Stimmen bei den Bauknecht-Mitarbeitern. Modelleisenbähnler Steinmann ist möglicherweise glaubwürdiger, wenn er für die verkorkste Bahnhofplatz-Neugestaltung eine Denkpause verlangt. Aber Mosimann ist ihm mit dem Wunsch nach einer schnellen Lösung mit Fokus auf die Velo- und Busfahrer auf den Fersen. Wobei Steinmann wiederum die automobilen Wähler anspricht mit seinem Vorschlag, den Seetaler Verkehr via Hunzenschwil auf die Autobahn zu führen und die geplante Spange Hornerfeld fürs Freiamt zu reservieren.

Eine Prise schärfer wurde der Ton beim Thema Fusionen. Steinmanns Vision einer grossen Verwaltungsfirma, die mehreren Gemeinden Dienstleistungen verkaufen würde, stiess bei Mosimann auf wenig Begeisterung: Ohne Verwaltung im Dorf könne man gleich fusionieren. Er äusserte Verständnis dafür, dass ein Stadtrat in erster Linie für die eigene Bevölkerung schauen müsse. Aber auch Bedauern darüber, dass beim «Lebensraum Lenzburg Seetal» und dem Altersheimbau nicht alle Wunschpartner mitmachen.

Ins Stocken geriet er, als Ruth Steiner von ihm wissen wollte, was ihn als Stadtammann besonders auszeichnen würde. Offene Ohren für alle Bevölkerungsschichten und mehr familienergänzende Tagesstrukturen, antwortete Mosimann schliesslich. Um später seinen Konkurrenten, der sich auf dieselbe Frage hatte vorbereiten können, für etwas zu kritisieren, das ähnlich tönte. Steinmann versprach eine Stadtammann-Sprechstunde und angesichts des Bevölkerungswachstums eine Arbeitsgruppe «Lenzburg 10000 plus». Die verschiedenen Befindlichkeiten seien bereits repräsentiert und erst demokratisch legitimiert, erinnerte Mosimann an den Einwohnerrat.

Bei Würstchen und Salat gewöhnten sich die beiden anschliessend aneinander. Ab 2013 werden sie sowieso zusammensitzen im Stadtrat, in den Steinmann quasi jetzt schon gewählt ist. Tischnachbar Hans Huber, der scheidende Stadtammann, dürfte ebenso gerätselt haben, wers wohl schaffen und dafür sorgen wird, dass Lenzburg seine «Liebenswürdigkeit» (Steinmann) behält.