Einwohnerrat Lenzburg

Drei junge Frauen feiern ein Klassentreffen – und Neu-Präsidentin präsentiert unorthodoxe Ideen

Am Donnerstagabend wurden die Lenzburger Ratsneulinge gemeinsam mit den übrigen Einwohnerräten vereidigt.

Es ist noch gar nicht so lange her, da haben Julia Mosimann, Phoebe Cueni und Bettina Hänny miteinander die Schulbank gedrückt und interessierten sich damals noch weniger für Politik. Im vergangenen Herbst waren alle drei «eher überrascht», denn keine der 20-jährigen Frauen hatte bei den Gesamterneuerungswahlen in den Einwohnerrat wirklich mit einer Wahl gerechnet. Am Donnerstagabend wurden die Ratsneulinge zusammen mit den übrigen Einwohnerräten vereidigt.

Politisch sind die drei ehemaligen Schulfreundinnen Kontrahentinnen: Mosimann sitzt in den Reihen der SP, Cueni bei der FDP und Hänny bei der CVP. Welche Rolle spielt das?

Geringes Interesse an Politik

Traditionsgemäss wurde die erste Sitzung vom Stadtammann eröffnet. «Es warten viele Herausforderungen», sagte Daniel Mosimann. Die anstehende Revision der Bau- und BNO-Revision ist eine davon.

Als frisch gewählte Ratspräsidentin machte sich Brigitte Vogel anschliessend Gedanken zur politischen Grosswetterlage in der Bevölkerung. Zwei Drittel der Stimmberechtigten in der Stadt Lenzburg hätten bei den Wahlen im letzten Jahr niemandem ihre Stimme gegeben, gab Vogel ihren Kameraden im Saal zu bedenken. «Geht es den Lenzburgern ganz einfach zu gut?», fragte sie und suchte gleichzeitig nach Möglichkeiten, um dem offensichtlich verbreiteten Desinteresse am lokalen politischen Geschehen entgegenzuwirken. «Wie können wir die Bevölkerung mobilisieren? Sollen wir sie zu einer Demonstration vor einer Einwohnerratssitzung bewegen?», fragte sie mit einem Augenzwinkern.

Das ist der neue Einwohnerrat von Lenzburg:

Die Berufsschullehrerin und Bäuerin plädierte anschliessend jedoch für friedlichere Lösungen: Die Oberstufenschülerinnen und -schüler könnten etwa einen Ausflug in den Einwohnerrat machen und Zeitgeschichte erleben. Im Kanton Glarus aufgewachsen, sei sie als Jugendliche beim jährlichen Besuch der Landsgemeinde mit dem politischen Geschehen vertraut gemacht worden, sagte sie. Ausbildung und Beruf haben Brigitte Vogel in den Aargau gebracht. In die ehemalige Gartenbauschule in Niederlenz. Zuerst als Lernende und später als Schulleiterin und Vorsitzende der Geschäftsleitung. Vogel bezeichnet sich heute «als geglückte Integration in Lenzburg». Dies nicht zuletzt mit Blick auf die zahlreichen neuen Lenzburgerinnen und Lenzburger in den zwei neuen Quartieren «Widmi» und «Im Lenz».

Wie möchte die Ratspräsidentin bei der Bevölkerung das Interesse für das politische Geschehen in der Stadt wecken? «Wenn die Leute nicht zu uns kommen, so müssen wir halt zu neuen Orten aufbrechen.» Vogels Idee: «Wie wäre es mit einer Ratssitzung in der ‹Widmi› oder im ‹Im Lenz›? Oder vielleicht in der Rathausgasse?»

Interessiert haben die drei jüngsten Ratsneulinge Vogels Antrittsrede verfolgt. Wie haben sie ihren ersten Abend als Einwohnerrätinnen erlebt? Der mangelnden Geschäfte wegen noch nicht sehr aufregend. «Ein sanfter Einstieg», fanden sie unisono. «Jetzt werden wir einmal herausfinden, wie der Rat funktioniert.» Die momentan grösste Herausforderung für jede von ihnen ist das politische Mandat mit ihrer beruflichen Tätigkeit beziehungsweise dem Studium zu koordinieren. Julia Mosimann studiert an der ZHAW in Winterthur Physiotherapie. Phoebe Cueni in Sierre Tourismus. Bettina Hännys Arbeitsort wechselt ständig. Als Flugbegleiterin ist sie rund um den Erdball unterwegs. Die zwei Studentinnen stecken derzeit mitten in den Prüfungen. Cueni ist zwischen zwei Tests extra aus dem Wallis angereist. Und Bettina Hänny wird heute noch im Morgengrauen auf dem Flughafen Kloten bereits wieder ins nächste Flugzeug steigen.

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