Am Wochenende musste der Gewerbeverein Seetal den Ausfall seiner diesjährigen Gewerbeausstellung Sega bekannt geben, weil sich zu wenig Unternehmen angemeldet hatten und von ihnen zu wenig Fläche gebucht wurde. Hätte der Verein anders entschieden, wäre nach der Gwärbi womöglich ein Schuldenberg zurückgeblieben. Dabei kam die letzte Ausgabe der Gewerbeausstellung vor vier Jahren noch sehr gut an. Woher also das plötzlich fehlende Interesse?

«Wir hatten uns angemeldet, so wie immer», sagt Thomas Lindenmann, Geschäftsführer des Weinguts Lindenmann und Vizeammann von Seengen. «Der Ausfall ist schade, es war immer eine schöne und interessante Ausstellung. Doch unter den gegebenen Umständen macht der Ausfall Sinn», führt Lindenmann aus. Die Ausstellung sei allerdings wichtig für den Zusammenhalt im Gewerbeverein.

Hoher Aufwand

Anders entschieden hat Daniel Hächler. Er hat von seinem Vater die bekannte Bäckerei Hächler übernommen und verzichtet auf die Teilnahme an der Gewerbeausstellung: «Mein Vater führte früher ein Café an der Ausstellung. Doch der personelle Aufwand war sehr hoch», sagt Daniel Hächler. Obwohl die Teilnahme jeweils profitabel war, ist ihm das Unterfangen für drei Tage zu aufwendig. «Sämtliches Material muss selber organisiert werden. Dazu kommt die Suche nach Hilfspersonal, um den normalen Betrieb aufrechterhalten zu können», sagt Hächler. Deshalb verzichte er lieber auf eine Teilnahme.

Ein ebenfalls alteingesessener Unternehmer, der anonym bleiben möchte, hätte zwar gerne mit einem Stand teilgenommen, weist aber auch darauf hin, dass die meisten Unternehmen keinen direkten Profit schlagen können aus der Teilnahme an einer Gewerbeausstellung. «Eine Teilnahme kostet schnell 10 000 bis 20 000 Franken. Dafür lässt sich an einer Gwärbi zu wenig herausholen». Die Gewinnung von neuen Kunden sei kaum noch möglich, es gehe höchstens um etwas Kundenpflege. Ein KMU, das auch auf eine Teilnahme verzichtet hat, weist ebenfalls auf die Kosten hin: «Wir brauchen das Geld für Investitionen», sagt der Geschäftsführer.

Schwierig ist auch, dass in Seengens Nachbargemeinde Seon bereits der nächste Gewerbeverein mit eigener Ausstellung angesiedelt ist. Der Verein Seetal ging aus dem Verein Seengen hervor und umfasst heute elf Gemeinden, auch Seon. Viele Unternehmen sind bei beiden Vereinen Mitglied. Und am gegenüberliegenden Seeufer findet in Beinwil am See noch eine dritte Ausstellung statt (5. Mai). So hätte es zwischen Oktober 2016 und Oktober 2018 in nur zwei Jahren gleich drei Gewerbeausstellungen in der Region gegeben.

Rekordjahr im Kanton

«Das ist natürlich nicht optimal», sagt Kurt Schmid, Präsident des Aargauischen Gewerbeverbands. Doch insgesamt sei die Bilanz bei den Gewerbeausstellungen von letztem Jahr sehr positiv. «Mit 17 Ausstellungen hatten wir im Kanton einen neuen Rekord mit vielen Ausstellern und Besuchern», sagt er. «Doch drei Ausstellungen auf kleinem Raum sind vielleicht nicht förderlich. Da könnte ein Turnus helfen, bei dem sich die Vereine abwechseln».

Einen solchen habe der Gewerbeverein Seetal schon vorgeschlagen, sagt Präsident Eli Wengenmaier: «Wir hätten gerne mit Seon zusammengearbeitet, doch die Generalversammlung des Gewerbevereins Seon hat den Vorschlag abgelehnt».