Lenzburg

Drei Frauen, drei Parteien, gleiche Ideen

Bei der Gesprächsveranstaltung Lenzburg Persönlich beantworteten die drei Einwohnerrätinnen Bettina Hänny, Julia Mosimann und Phoebe Cueni (v.l.) die Fragen von Tinu Niederhauser

Bei der Gesprächsveranstaltung Lenzburg Persönlich beantworteten die drei Einwohnerrätinnen Bettina Hänny, Julia Mosimann und Phoebe Cueni (v.l.) die Fragen von Tinu Niederhauser

Die Einwohnerrätinnen Bettina Hänny, Julia Mosimann und Phoebe Cueni rekapitulierten bei «Lenzburg Persönlich» aus knapp zwei Amtsjahren.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Dass die eigenen Erwartungen nicht unbedingt als Gradmesser dienen können für den Lauf der Dinge, diese Erfahrung haben Phoebe Cueni, Bettina Hänny und Julia Mosimann bei ihrer Wahl in den Lenzburger Einwohnerrat vor zwei Jahren im Einklang gemacht. Sie alle, so berichteten sie bei der Gesprächsveranstaltung Lenzburg Persönlich, hätten sich als Listenfüllerinnen ihren jeweiligen Parteien zur Verfügung gestellt. «Dass wir gewählt werden, damit hätte ich niemals gerechnet», sagte Phoebe Cueni.


Gestern Vormittag beantworteten die drei 22-jährigen Lokalpolitikerinnen im Müllerhaus die Fragen von Gesprächsleiter Tinu Niederhauser und zogen dabei auch Bilanz aus ihrer bisherigen Arbeit im Einwohnerrat. Sie alle ordnen, so darf man wohl zusammenfassen, ihre ersten beiden Amtsjahre als Anlernphase ein. «Leute kommen nun mit ihren Anliegen auf mich zu. Und ich versuche, diese Anliegen im Rat einzubringen. Aber man lernt auch, dass es nicht möglich ist, alle Erwartungen zu erfüllen», sagte Bettina Hänny.


Die Drei gingen gemeinsam zur Schule
Julia Mosimann, Phoebe Cueni und Bettina Hänny kennen sich gut. Die Studentinnen – für Physiotherapie, für Tourismus und der Umweltnaturwissenschaften – haben dieselbe Schule in Lenzburg sowie teil- und phasenweise dieselbe Klasse besucht. Sie sind in der Pfadi oder der Stadtmusik aktiv. Mit ihrer Wahl Ende 2017 haben sie ausserdem den landesweiten Trend der diesjährigen eidgenössischen Wahlen zu einer jüngeren und weiblicheren Politik gewissermassen vorweggenommen.


Politische Ansichten überlappen sich
Wie sich dieser Umbruch im Rat bemerkbar macht, wollte Tinu Niederhauser wissen und sprach das Phänomen des Mansplaining an. Womit gemeint ist, dass die älteren männlichen Ratsmitglieder den jungen Politikerinnen versuchen, die Welt zu erklären. «Ja», meinte Bettina Hänny, «das kommt vor, geschieht aber meist diskret.» Was sie vor allem störe, führte Hänny ‑ nun mit Blick auf die Gesellschaft ‑ weiter aus, sei die Forderung, als Frau habe sie sich stereotypisch weiblich zu verhalten. «Ich bin mit zwei Brüdern aufgewachsen und es kommt auch mal vor, dass ich fluche», sagte sie den «Persönlich»-Zuschauern im Lenzburger Müllerhaus.


Zwar sitzt Bettina Hänny für die CVP, Julia Mosimann für die SP und Phoebe Cueni für die FDP im Einwohnerrat. Das Gespräch im Müllerhaus machte jedoch deutlich, dass sich die politischen Ansichten und Einstellungen an vielen Stellen überlappen.


Für eine weiter zunehmende Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau wollen sich alle drei Politikerinnen einsetzen. «In Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt es noch viel Potential», meinte dazu Julia Mosimann. Auch Massnahmen für vermehrten und besseren Umweltschutz werden von allen drei Frauen grundsätzlich als richtig und wichtig eingeschätzt.


Im Elternhaus wurde politisiert
Gemeinsamkeiten bestehen darüber hinaus hinsichtlich der persönlichen Politisierung. Als prägend erwies sich in allen drei Fällen das Elternhaus. Bettina Hännys Grossvater war Stadtschreiber von Lenzburg, Phoebe Cuenis Vater Heiner Cueni amtet ebenfalls als Einwohnerrat und Julia Mosimanns Vater ist Stadtammann Daniel Mosimann. Julia Mosimann sagte im Müllerhaus, sie sei bereits früh damit konfrontiert worden, dass der Vater in der Öffentlichkeit präsent sei.


Zum Abschluss der interessanten und kurzweiligen Gesprächsrunde gab Moderator Tinu Nieder­hauser den drei jungen Politikerinnen dann noch die Möglichkeit, sich gegenseitig zu interviewen. Gefragt nach ihrem Lieblingsplatz in Lenzburg antwortete Phoebe Cueni: «Auf dem Gofi kann ich Stunden verbringen. Auf Lenzburg hinab zu schauen, gibt mir ein heimeliges Gefühl.»

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