Honig

Drastischer Rückgang: Den Imkern fehlts an Honig

Wegen des trockenen Sommers sank der Honigertrag der Seetaler Imker dramatisch.

«Ende August ist der Beginn des Bienenjahres», erklärt Carlo Ott. Der Lenzburger ist Präsident der Sektion Aargauisches Seetal des Bienenverbandes und schaut an diesem Nachmittag im Vereinshaus in Egliswil nach seinen Schützlingen.

Das Bienenjahr läuft nach einer anderen Zeitrechnung. Es endet im Juli mit dem Schleudern des letzten Honigs und beginnt Ende August. Dann wird die letzte Milbenbehandlung (Varroa) vorgenommen und der Bienenstand winterfest gemacht.

Der Honigertrag der Imker aus dem Seetal war dieses Jahr schlecht, sie kämpften mit ähnlichen Problemen wie ihre Kollegen im Fricktal (AZ vom 28. August). «Im Durchschnitt haben die Imker dieses Jahr 30 Prozent tiefere Erträge bei ihrem Honig», so Ott.

So haben Imker zum Beispiel anstatt 15 Kilo Honig nur noch 8,5 Kilo. Erhobene Zahlen zu interpretieren ist schwierig, weil der Honigertrag von der jeweiligen Umgebung der Bienen abhängt. Erkennbar sind die Auswirkungen des veränderten Klimas. Dieses Jahr hinderte der nasse und kalte Frühling die Bienen daran, auszufliegen.

Zusätzlich spülte der Regen den Blütenstaub weg. Auch der heisse und trockene Sommer half den Bienen nicht, wie Carlo Ott erklärt: «Wenn die Pflanzen zu wenig Wasser haben, produzieren sie auch weniger Nektar, den die Bienen für die Honigproduktion benötigen.»

Zu früh gemähte Wiesen und zu wenig Blumen

Ändern können die Imker an der derzeitigen Situation nichts. «Wir können die Bienen ja nicht anders züchten, sondern sie nur unterstützen», so Ott. Sorgen bereiten ihm zudem die Wildbienen: «Wir Imker schauen zu unseren Bienen, aber die Wildbienen sind auf sich alleine gestellt.» Schwierig sei auch, dass Wiesen immer früher gemäht werden.

Besonders fatal ist es, wenn das Mähen auf die Mittagszeit fällt. Dann sind die meisten Tiere auf der Wiese und können beim Mähvorgang zerquetscht werden.

Um die Bienen zu fördern, hat der aargauische Bauernverband 2017 ein Bienenprojekt lanciert, welches eine bienenfreundliche Landwirtschaft fördern soll. Die Bienen können die Arbeit der Bauern unterstützen, wie Carlo Ott erklärt: «Hat ein Imker seine Bienen nahe an einem Rapsfeld, werden sie dahin fliegen.

Die Tiere berechnen den für sie besten Weg.» Dadurch entsteht eine Win-win-Situation für Bauer und Imker. Durch die Bienen hat der Bauer einen höheren Rapsertrag, da sie seine Pflanzen bestäuben und so mehr befruchten. Der Imker wird zur gleichen Zeit mehr Honig ernten können, da seine Bienen mehr Nektar erhalten.

Zweijährige Ausbildung für Imkernachwuchs

Ein anderes Thema, das Carlo Ott sehr am Herzen liegt, ist die Ausbildung der Nachwuchsimker. «Viele möchten die Bienen unterstützen und kaufen sich einen Bienenkasten für den Balkon. Imkerei bedeutet aber viel mehr, als nur Bienen zu haben.»

So müssen Imker darauf achten, Krankheiten vorzubeugen oder sie früh zu erkennen. Auch die Einfütterung, die zur Unterstützung vorgenommen wird, ist komplex. Wichtig ist es, zu wissen, was man macht: «Wenn sie nicht richtig behandelt werden, stirbt ein Bienenvolk nach einem Jahr.» Um einen gut ausgebildeten Imkernachwuchs gewährleisten zu können, bietet der Imkerverein Aargauisches Seetal eine Ausbildung für den Nachwuchs an.

Während 18 Halbtagen, verteilt über zwei Jahre, wird den Nachwuchsimkern theoretisch und in der Praxis erklärt, was beim Imkern wichtig ist. «Die Ausbildung orientiert sich am Bienenjahr. Beim nächsten Kurstag geht es beispielsweise unter anderem um die zweite Varroa-Behandlung.» Mit den Ausbildungen könne man zwar nichts an der Situation der Natur ändern, aber dafür sorgen, dass der Imkernachwuchs die Bienen gut unterstützen kann.

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