Schafisheim

Dorf-Aktivist oder Ex-Manager? Diese beiden Männer möchten Gemeinderat werden

In Schafisheim haben die Wähler die Auswahl zwischen einem ehemaligen Migros-Mann und einem Lehrer. Sie unterscheiden sich vor allem auch im Alter. Michael Letic ist 28 Jahre alt, Christian Vogel-Arpaugaus 61.

Bekannt gegeben hat er es schon letztes Jahr. André Kreis Gemeinderat und Vizeammann in Schafisheim wird Ende 2020 zurücktreten. Am 18. Oktober entscheiden die Schofiser Stimmbürger wer seine Nachfolge übernehmen wird. Für André Kreis’ Sitz im Gemeinderat kandidieren zwei Personen. Michael Letic und Christian Vogel-Arpagaus.

Michael Letic kandidierte bereits vor drei Jahren als Gemeinderat und verpasste die Wahl damals nur knapp. 2017 trat der 28-Jährige noch für die freien Wählerinnen und Wähler an, heuer will er ein parteiloser Gemeinderat werden.

Sieht die enorm tiefe Stimmbeteiligung als Problem

Ziel seines Parteiaustrittes sei es gewesen, sich etwas eigenes «mit total unabhängiger freidenkender Philosophie», aufzubauen, erklärt Letic. Als Gemeinderat wolle er eine positive Beziehung zum Stimmvolk herstellen, sagt er. «Damit wieder gemeinsame kostensparende Entschlüsse gefällt werden können.» Kostensparende Entscheidungen waren Letic schon früher wichtig: Der 28-Jährige war 2018 beim Komitee «Genug ist genug», dass das Referendum gegen die höhere Gemeinderatsbesoldung ergriff und damit im Dorf eine grosse Diskussion auslöste. Das Referendum war erfolgreich.

Seine erneute Kandidatur begründet der Lehrer wie folgt: «Die Gemeinde liegt mir nach wie vor sehr am Herzen und es bestehen grundsätzlich immer noch einige Probleme, die gemeinsam zu bewältigen wären.» Als Problem sieht er unter anderem die enorm tiefe Stimmbeteiligung, «welche meiner Ansicht nach aus einer negativen Beziehung zum Stimmvolk resultiert», so Letic. Und auch mit den Gemeindeversammlungen ist der Vater einer Tochter nicht zufrieden, sie würden intransparent geführt, sagt er.

Sein Grossvater gründete die Gärtnerei Vogel

Auch Christian Vogel-Arpagaus, der zweite Kandidat für das Gemeinderatsmandat sieht Probleme betreffend der Kommunikation zwischen Gemeinderat und Bevölkerung. «Der Einbezug der Bürgerinnen und Bürger geschieht nicht so, wie er sollte und das Vertrauen fehlt», sagt er. «Ein Einwohner hat mir bei einer Standaktion vor dem Volg gesagt, dass die Zeit, in der der Gemeinderat einfach entscheiden konnte, ohne die Einwohnerinnen und Einwohner miteinzubeziehen vorbei sei.» Ideen, um das Vertrauen wieder herzustellen, hat Vogel-Arpaugaus, dessen Grossvater die Gemüsegärtnerei Vogel gründete einige. «Ob das die Einwohner auch wollen ist eine andere Frage.»

Alter unterscheidet die Kandidaten

Der Früh-Pensionär kandidiert für die Freien Wählerinnen und Wähler: «Ich persönlich sehe mich als Vertreter der Mitte. Ich bin liberal, aber auch stark sozial verwurzelt.» Die Freien Wählerinnen und Wähler seien für ihn auch ein Gegensatz zur SVP, «die mit drei Mitgliedern im Gemeinderat meiner Meinung nach stark vertreten ist.»

Michael Letic und Christian Vogel-Arpagaus unterscheidet vor allem das Alter. Letic ist 28 Jahre alt, Vogel-Arpaugaus 61. Während der Jüngere als Lehrer arbeitet, ist der andere pensioniert und war zuvor während 15 Jahren in der Geschäftsleitung der Migros Ostschweiz tätig. Am Schluss als Leiter der Direktion Fachmarkt. Zuvor war er Spartenleiter Do It + Garden beim Migros Genossenschafts-Bund.

Eine Baustelle liegt bei den Strassen

Weil André Kreis nicht nur Gemeinderat, sondern auch Vizeammann ist, gilt es auch dieses Amt am Sonntag neu zu besetzen. Dafür kandidiert neben Michael Letic auch die bisherige Gemeinderätin Nadine Widmer.

Die 44-Jährige ist seit 2017 im Gemeinderat und betreut die Ressorts Bau- und Raumplanung, Abfall, Landwirtschaft und Umwelt, Werkhof, Strassen und Kies. Widmer hatte kurz nach ihrer Wahl bereits ein schwieriges Dossier auf dem Tisch: die Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) in Schafisheim, die sie als eine «herausfordernde Aufgabe» beschreibt. Als grösste Baustelle im «sympathischen Dorf am Ende des schönen Seetals», erwähnt Nadine Widmer die Sanierung der Kantonstrasse, welche seit 2019 im Gang ist.

Grosses Privileg der direkten Demokratie

Im Weiteren beschäftige sie die Erschliessung des Gebiets Stapfe und die Teilrevision Stapfe II momentan stark. «Alle bestehenden Konflikte und Abhängigkeiten in eine mehrheitsfähige Vorlage unter Berücksichtigung möglichst aller Interessen, sei es öffentlich oder privat, zu bekommen ist eine Herausforderung», sagt sie.

An ihrem Amt reizt Widmer das «sich einbringen und mitbestimmen ist ein grosses Privileg unserer direkten Demokratie», sagt sie. «Auch konstruktive, lösungsorientierte Beschlüsse in einem Gemeinderatsgremium zu finden, gehört zu den vielen spannenden Aufgaben eines Gemeinderates.»

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