Seon

Doppeltes Glück: Igel erhalten Hilfe – so werden sechs betreute Arbeitsplätze geschaffen

Martin Ivar und Lucia Lanz haben das Projekt «Igel-Hilfe» zusammen aufgebaut.

Martin Ivar und Lucia Lanz haben das Projekt «Igel-Hilfe» zusammen aufgebaut.

Seit dem 16. September werden bei der Stiftung Satis in Seon verletzte oder erkrankte Igel wieder aufgepäppelt.

Als Margrit Kobel im April 2018 nach 27 Jahren ihre Igelstation in Meisterschwanden schloss, inspirierte dies Lucia Lanz zu einem neuen Projekt in der Stiftung Satis in Seon. «Ich habe den Artikel in der AZ und sah das Potenzial für geschützte Arbeitsplätze in unserer Stiftung», erklärte die Geschäftsführerin vom Satis. «Am nächsten Tag habe ich den Artikel Martin Ivar auf den Tisch gelegt und ihm erklärt, dass wir ein neues Projekt haben.»

Martin Ivar ist ebenfalls Mitglied der Geschäftsleitung und zudem Leiter des Bereiches Arbeit im Satis. Auch Margrit Kobelt war über die Pläne der Stiftung erfreut: «Sie erzählte mir, dass sie ihre ersten Igelboxen vor vielen Jahren aus unserer Werkstatt bezogen hatte», so Lucia Lanz.

Finanzierung gelang dank NAB-Charity-Projekt

Die Stiftung Satis ist eine Sozialeinrichtung für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen und bietet neben individuellen Wohnangeboten auch die Möglichkeit von geschützten Arbeitsplätzen und Beschäftigungsangeboten.

Um das Projekt finanzieren zu können, bewarb sich die Stiftung beim NAB-Charity-Projekt der Neuen Aargauer Bank. Die Stiftung Satis wurde mit ihrem Projekt «Igelhilfe» ausgewählt und erhielt 31 259 Franken, womit sie den Aufbau finanzieren konnten.

Die Igelhilfe hat am 16. September eröffnet und kann 20 Tieren Platz bieten. «Wir haben heute einen Anruf erhalten und werden einen weiteren Igel aufnehmen, somit ist auch der letzte Platz vorläufig besetzt», erklärt Ivar Martin. Frisch aufgenommene Igel müssen zuerst in eine Quarantäne-Box um eventuelle Ansteckungen auszuschliessen.

In dieser Zeit werden die Tiere aufgepäppelt und entwurmt. Danach kurieren sie allfällige Verletzungen aus und werden mit Katzenfutter gefüttert, bis die Igel wieder ein gesundes Gewicht haben.

Sobald die Tiere in die Aussenboxen zügeln, werden sie jedoch auch wieder an das naturgegebene Futter gewöhnt und somit auf die Auswilderung vorbereitet. «Igel haben ihre Reviere, es ist darum angedacht, dass die Finder die Tiere wieder zurücknehmen, damit sie in ihr gewohntes Umfeld zurückkehren können», erklärt Martin Ivar.

Tipps und Tricks rund um die Igelrettung

Doch was ist zu tun, wenn man eines verletzten, abgemagerten oder krank wirkenden Igel findet? Wichtig ist, dass man beim Anfassen des Tieres dicke Handschuhe trägt. Den Igel transportiert man am besten in einem Karton mit zusammengeknüllten Zeitungspapier und genügend Platz. Igel sind sehr geräuschempfindlich, darum sollte darauf geachtet werden, nicht zu laut zu sein.

Durch die Igelstation können in der Stiftung Satis konnten sechs betreute Arbeitsplätze geschaffen werden. Diese sind sehr beliebt. Die Klienten übernehmen das Füttern und die Reinigung der Käfige.

Mancher verkürzt dafür gar sein freies Wochenende. «Ein Klient, der das Wochenende immer bei seiner Partnerin verbringt, kam extra zurück um zu seinen Igeln zu schauen», erklärt Lucia Lanz. «Die Klienten kümmern sich sehr um die Schicksale der Tiere und ihre Behandlung.»

Helfer-Pool zur Unterstützung geplant

Für die medizinische Behandlung der Igel sind die Angestellten der Stiftung zuständig. «Wir haben zwei Mitarbeitende in die Igel-Ausbildung geschickt», sagt Lanz. Wer eine Igelstation führen will, muss eine kantonale Bewilligung beantragen, da Igel Wildtiere sind. «Wir haben ausserdem eine gute Zusammenarbeit mit den Tierärzten in Seon und Lenzburg», sagt Lucia Lanz. «Sie sind froh, dass es eine neue Igelstation im Gebiet gibt.»

Die Igelstation ist für die Stiftung Satis ein Langzeitprojekt. «Wir möchten mittelfristig 40 Plätze für in Not geratene Igel anbieten können», erklärt Lucia Lanz. Im kommenden Frühling ist zudem ein «Helfer-Pool» geplant.

«Wir rechnen dann mit vielen verwaisten Igel-Babys, die alle zwei Stunden Milch brauchen», sagt Ivar Martin. Ausserdem bietet die Stiftung Igelpatenschaften für 60 Franken an. «Damit können die Kosten für die Grundversorgung eines Igels ungefähr gedeckt werden», so Martin Ivar.

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