Lenzburg

Doppelt für die CVP: Auch Oliver Hunzikers Frau kandidiert für den Nationalrat

In Bachmanns Atelier, einer bunten Farbenwelt aus Stoffen und Bändern, posieren Iris Bachmann und Oliver Hunziker fürs Foto.

In Bachmanns Atelier, einer bunten Farbenwelt aus Stoffen und Bändern, posieren Iris Bachmann und Oliver Hunziker fürs Foto.

Er ist der Kopf der Schweizer Väterbewegung, doch nicht nur ihm liegt die Familienpolitik am Herzen. So findet sich seine Partnerin Iris Bachmann ebenfalls auf einer CVP-Liste für den Nationalrat.

Sie politisieren beide für die CVP. Der Familienharmonie zuliebe? Iris Bachmann und Oliver Hunziker lachen herzlich und verneinen. Für die Parteiwahl seien andere Gründe ausschlaggebend gewesen als die Gefährdung des familiären Friedens. «In der CVP kann ich meine soziale, meine patriotische und meine grüne Seite zeigen. Ich muss mich nicht verbiegen», sagt Bachmann. Das Paar aus Lenzburg kandidiert auf zwei der neun CVP-Listen für den Nationalrat.

Das Gespräch findet im Atelier «Gufechnopf» von Iris Bachmann statt. Zwischen farbigen Stoffen mit lustigen Kindermotiven und einer riesigen Auswahl an bunten Spitzen und Bändern. Bachmann hat kein Ladengeschäft, sie vertreibt ihre Waren im Onlineshop Gufechnopf.ch.

Politisiert durch die «Mühlen des Systems»

Wer sich mit Familienpolitik befasst, dem muss man Oliver Hunziker nicht näher vorstellen. Seit bald 15 Jahren prägt er die Schweizer Familienpolitik als Lobbyist massgeblich mit und hat diverse Organisationen gegründet, welche die Position der Väter und Männer im Scheidungsfall stärken soll.

Hunziker weiss, wovon er spricht: Als es um die Sorgerechtsfrage für die beiden inzwischen erwachsenen Söhne ging, sah sich der in der Trennung stehende Familienvater plötzlich ins Abseits gestellt. «Ich erfuhr am eigenen Leib, was es bedeutet, bei der Trennung in die ‹Mühlen des Systems› zu geraten.» Hunziker braucht markige Worte, wenn er über die damalige Zeit spricht.

Wie das Schweizer Rechtssystem mit dem Thema gemeinsames Sorgerecht zu Beginn des Jahrtausends umgegangen sei, habe ihn als Vater, der eine «enge Beziehung zu seinen Söhnen pflegte», geschockt, erzählt er. «Ich bin aus allen Wolken gefallen, als vor Gericht meine Sicht der Dinge gar nicht gefragt war. Diese Erfahrung hat mich schlagartig politisiert», erklärt der 54-jährige IT-Consultant rückblickend. «Für mich war klar: Hier liegt einiges im Argen. Das Gesetz in der Schweiz muss brauchbarer werden.»

Damals sei ein gemeinsames Sorgerecht für die Kinder nur auf gemeinsamen Antrag beider Elternteile möglich gewesen. Was jedoch, wenn sich einer davon querstellt, wie es bei ihm der Fall gewesen sei?, fragt er.

In dieser schwierigen Zeit traf er Iris Bachmann. Im Gegensatz zu Hunziker hatte sie bei der Trennung mit ihrem Ex-Mann das gemeinsame Sorgerecht für die Tochter einvernehmlich lösen können. «Wir leben heute eine gut funktionierende Patchworkfamilie», sagen die beiden.

Pflastersteine ins Bundeshaus geschickt

Hunziker hat in den vergangenen 15 Jahren die Familienpolitik richtiggehend revolutioniert, ist zum Kopf der Väterbewegung in der Schweiz geworden. Unermüdlich weibelte er für deren Anliegen und bestimmt verschiedene Fachgremien an vorderster Front mit: Er präsidiert den Verein «Verantwortungsvoll erziehende Väter und Mütter Schweiz (VeV)». 2008 folgte die Gründung des Dachverbandes «GeCoBi» (Schweizerische Vereinigung für gemeinsame Elternschaft).

2009 gründete er «Zwüschehalt», das erste Männer- und Väterhaus in der Schweiz. «Es gibt auch Väter, die Opfer von häuslicher Gewalt werden. Auch sie müssen einen Zufluchtsort haben und die Kinder mitnehmen können.» Mit seinem Vorgehen hat Hunziker die Gesellschaft geschockt und Fachwelt entrüstet. «Kinder aus ihrem Zuhause zu entreissen, war ein totaler Tabu-Bruch», sagt er und schmunzelt.

Hunziker hat auch gröberes Geschütz aufgefahren, wenn es nötig war: 2011 hat er die Protestaktion von Vätern initiiert, als die neu gewählte Bundesrätin Simonetta Sommaruga die überarbeitete Einführung des gemeinsamen Sorgerechtes aufschieben wollte. Er lacht. «Wir haben tausend Pflastersteine in einzelne Päckli verpackt ins Bundeshaus geschickt», sagt er. Der Aktion folgte eine Mahnwache vor dem Bundeshaus. Mit Erfolg. Sommaruga gab nach. 2014 trat das neue Sorgerechtsgesetz in Kraft.

Familienrecht muss weiter modernisiert werden

Seit Jahren ist Hunziker Abend für Abend für eine gerechtere Familienpolitik und die Rechte der Väter geweibelt. «Das macht nicht jede Frau mit», sagt er. Iris Bachmann widerspricht. «Alles, was er macht, ist auch mir wichtig», sagt sie mit Nachdruck. Sie nehme regen Anteil an seinen Aktivitäten, begleite ihn oft an Termine.

Eine muskuläre Erkrankung zwang Iris Bachmann vor zwanzig Jahren in den Rollstuhl. Ein Schock sei es gewesen, als sie erfuhr, dass die Krankheit nicht heilbar sei, erzählt sie. In der Zwischenzeit hat sie sich mit ihrer Situation gut arrangiert. «Meine Kreativität hilft mir dabei», sagt die 54-jährige Textilfachfrau und lacht. Oliver Hunziker nickt zustimmend. Iris’ unglaubliche Energie, Kreativität und ihr fröhliches Wesen seien ansteckend, sagt er.

Ebenso wie für Iris Bachmann gab es auch für Oliver Hunziker keine Alternative zur CVP, als er eine politische Heimat suchte. «Die CVP hat sich mein zentrales Thema, die Familienpolitik, auf die Fahne geschrieben», erklärt er.

Zudem entspreche eine Mittepartei seiner persönlichen Einstellung: nicht auf einer Position beharren, sondern nach tragfähigen Lösungen zu suchen. Er ist in verschiedenen Funktionen in der CVP bis hinauf in die kantonale Parteileitung. Als Delegierter vertritt er den Aargau in der CVP Schweiz und ist Mitglied der Arbeitsgruppe Familienrecht CVP Schweiz.

Nach all den Jahren findet Hunziker, es sei nun Zeit, sich direkt in die politischen Entscheidungsprozesse einzubringen. «Im Bereich der Familienpolitik wartet noch viel Arbeit.» Deshalb will er nach Bern. Auch Iris Bachmann betont, das politische Mandat wäre ein «Lohn» für die langjährige ehrenamtliche Arbeit von Oliver Hunziker und verdient. «Er ist humorvoll, schlagfertig, ein überzeugender Redner und weiss, wie man Nägel mit Köpfen macht», schlägt sie die Werbetrommel für ihren Mann.

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