Hendschiken
Döner-Lieferant hatte schon lange vor der Pleite Probleme

Die Hendschiker Merve Dönerproduktion AG, die teilweise bis zu drei Tonnen Fleisch pro Tag verarbeitete, ging Konkurs. Nun taucht unerwartet noch Geld auf. Das Konkursverfahren wird neu aufgerollt.

Pascal Meier und Fritz Thut
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Das Döner-Geschäft läuft nicht überall gut, in Henschiken musste die Merve Dönerproduktion AG ihren Betrieb einstellen.

Das Döner-Geschäft läuft nicht überall gut, in Henschiken musste die Merve Dönerproduktion AG ihren Betrieb einstellen.

Schweiz am Sonntag

Die Merve Dönerproduktion AG beim Bahnhof Hendschiken war ein grosser Lieferant von Döner-Fleisch. Zeitweise beschäftigte die Firma zwei Dutzend Mitarbeiter. Im vergangenen Herbst musste sie den Betrieb einstellen. Das Bezirksgericht Lenzburg eröffnete den Konkurs, stellte das Verfahren im April 2014 mangels Aktiven wieder ein. Bei der Merve Dönerproduktion gab es zu wenig zu holen, um die Kosten für das Konkursverfahren zu decken.

Anfang Juni dann die Überraschung: Unerwartet tauchten 50 000 Franken auf, die Merve Dönerproduktion gehören. Das Bezirksgericht hat deshalb auf Antrag des Konkursamtes das Konkursverfahren vor kurzem wieder eröffnet, wie nun aus dem Amtsblatt hervorgeht.

Auf 150 000 Franken betrieben

Dass nach Einstellung eines Konkursverfahrens noch Vermögen auftaucht, kommt laut dem Konkursamt Aargau selten vor – und wenn sind es meist kleinere Beträge. Die 50 000 Franken im Fall der Merve Dönerproduktion sind deshalb aussergewöhnlich. Laut az-Recherchen handelt es sich dabei um Prämienguthaben aus der obligatorischen Unfallversicherung. Das Geld schlummerte auf dem Konto einer Versicherung und wurde inzwischen dem Konkursamt überwiesen.

Damit läuft nun zwar das Konkursverfahren weiter und Gläubiger erhalten möglicherweise Geld, an der Pleite des Döner-Lieferanten ändert dies aber kaum etwas. Die Produktionsräume und Büros in Hendschiken sind verwaist. Warum die Firma, die 2007 von Lenzburg nach Hendschiken zog, in Schieflage geriet, ist nicht bekannt. Anfragen der az blieben unbeantwortet.

«Nie ein guter Zahler»

Die Gründe für den Konkurs sind laut dem Hendschiker Gemeindeammann Daniel Lüem der Gemeinde ebenfalls nicht bekannt. Man sei als kleiner Gläubiger nur am Rand betroffen. Um einen grösseren Betrag geht für Vermieter Roger Arcari, für den dieses Ende «nicht überraschend» kam: «Er ist nie ein guter Zahler gewesen.»

Als Geschäftspartner habe man jedoch auf eine Wende gehofft: «Wir sind wohl nicht die einzigen, die bei Zahlungsverzug hie und da ein Auge zugedrückt haben.» Gutmütige seien ausgenutzt worden; andere zogen die Notbremse. Fleischanlieferungen erfolgte am Schluss nur noch gegen Barzahlung, hat Arcari beobachtet.

Laut internen Dokumenten stapelten sich unbezahlte Rechnungen. Im Frühjahr 2013 betrieb eine Pensionskasse Merve Dönerproduktion per Zahlungsbefehl auf einen Betrag von rund 150 000 Franken. Merve erhob keinen Rechtsvorschlag, blieb den Betrag aber trotz Konkursandrohung schuldig. Ende August 2013 stellte die Pensionskasse deshalb beim Bezirksgericht Antrag auf Konkurseröffnung – mit Erfolg.

Vieles deutet darauf hin, dass Merve Dönerproduktion schon lange vorher Probleme hatte. Seit 2008 gaben sich vier Revisionsgesellschaften die Klinke in die Hand. Die letzten zwei zogen offensichtlich die Reissleine. «Wir sehen uns veranlasst, mit sofortiger Wirkung von unserem Mandat als Revisionsstelle Ihrer Firma zurückzutreten», schrieb ein Zürcher Treuhandbüro im Oktober 2011 Merve – und drohte mit Betreibung, wenn der offene Betrag von 1500 Franken nicht beglichen wird.

Bände spricht auch das Rücktrittsschreiben der letzten Revisionsstelle, die im September 2013 ebenfalls per sofort ihr Amt niederlegte: «Trotz mehrmaliger Mahnungen [...] haben wir bis heute keine vollständigen Unterlagen und keine umfassenden Auskünfte erhalten, um unsere Pflichten als Revisionsstelle erfüllen zu können.»