Kultur

«Divided We Stand»: Eine Porträtserie der zerrissenen Nation

Monika Fischer und Mathias Braschler.

Monika Fischer und Mathias Braschler.

Mit ihrer Porträtserie «Divided We Stand» gibt das Fotografenduo Braschler/Fischer der zerrissenen Nation ein Gesicht. Es sind ausdrucksstarke Bilder von Menschen, die stolz und stark aussehen, ungeachtet ihrer Erscheinung und ihrer Geschichte.

Als Mathias Braschler den Aargau mit knapp zwanzig Jahren verliess, hatte er nicht vor, zurückzukehren. Aufgewachsen in Beinwil am See, zog es ihn immer weiter, nach Zürich und schliesslich nach New York, wo er mit viel Arbeit und Durchhaltewillen Ende der Neunzigerjahre als Fotograf arbeitete. Und doch wohnt er seit ein paar Jahren wieder im Aargau, in Wildegg. Zusammen mit seiner Frau Monika Fischer und dem gemeinsamen Sohn Elias. «Eigentlich haben wir etwas in der Stadt Zürich gesucht», sagt Monika Fischer. Doch zu diesem Haus in Wildegg konnten sie einfach nicht Nein sagen, eine Dependance des Schlosses am Aabach, gross genug für Wohnen und Arbeiten, mit mediterran anmutender Terrasse.

Mathias Braschler und Monika Fischer sind Braschler/Fischer, ein international bekanntes Fotografenduo, das sich auf Porträtserien spezialisiert hat. Am Samstag eröffnet das Fotofestival Lenzburg, wo sie mit den Bildern ihres aktuellsten Projekts «Divided We Stand» die Hauptausstellung im Stapferhaus bestreiten. Auf einem Roadtrip durch die USA haben sie verschiedenste Menschen fotografiert und sie über ihr Leben in diesem zerrissenen Land erzählen lassen. Von der Cheerleaderin über die Inhaberin eines Waffenshops bis zum Schweisser und Hollywood-Produzenten sind sie alle vor der Kamera gestanden. Herausgekommen sind ausdrucksstarke Bilder von Menschen, die stolz und stark aussehen, ungeachtet ihrer Erscheinung und ihrer Geschichte.

Das richtige Licht für Roger Federer

War es schwierig, die Leute zu diesen Bildern zu überreden? «Gar nicht», sagt Mathias Braschler. 95 Prozent der Leute würden sofort zusagen. Als sie für einen Bildband mit Porträts in China unterwegs waren, wurde ihnen prophezeit, dass es schwierig werden würde, Menschen zu finden. Doch auch dort wollten sich fast alle von Braschler/Fischer fotografieren lassen.

Auch diverse Prominente haben sie schon abgelichtet und wissen zum Beispiel, wie Topmodel Giselle Bündchen ihre Nase retuschiert haben möchte, oder aus welcher Richtung das Licht kommen muss, damit Roger Federers Augen gut zur Geltung kommen. Doch für ihre Arbeit als Fotografen spiele es keine Rolle, ob die Person prominent sei. «Manchmal braucht es mehr Zeit, um bei jemandem unter die Haut zu kommen», sagt Monika Fischer. Aber dann gibt es auch Menschen wie die Reisbauern aus China, «die stellen sich hin und es passt einfach». Mathias Braschler und Monika Fischer, aufgewachsen im St.Galler Rheintal, haben sich in der ersten Woche im Studium an der Uni Zürich kennen gelernt. Nach einem Monat waren sie zusammen.

Die «lange Geschichte», wie Braschler es sagt, sei nicht geplant gewesen. Doch die Beziehung überlebte die Distanz, als er in New York lebte. Monika Fischer arbeitete nach dem Studium als Regieassistentin in Oper und Theater. Durch ein gemeinsames Projekt entdeckten sie, dass sie auch beruflich sehr gut zusammenpassen und haben seit 2003 die Marke Braschler/Fischer gegründet und ihren gemeinsamen Stil gefunden. Für ihre Serie Faces of Football, bei der sie Fussballer auf dem Weg vom Rasen in die Garderobe fotografierten, haben sie einen World Press Photo Award erhalten. Ihre Serie zum Klimawandel ist momentan im Naturama ausgestellt und zeigt Menschen auf der ganzen Welt, deren Leben vom Klimawandel tangiert wird.

Die Wohnung in New York gekündigt

Die letzten Monate waren auch für Braschler/Fischer sehr ruhig, normalerweise reisen sie für ihre Arbeit um die Welt. Und lebten zwischen der Schweiz und New York, wo sie bis letzte Woche noch eine Wohnung hatten. Wegen Corona haben sie diese nun schweren Herzens aufgegeben. Doch sie geniessen es, «auf dem Land» zu wohnen. Zum Kaffee geht es auf das Schloss, und Elias’ Freunde können ihm durch den Garten zurufen. Und die Ferien verbringen sie sowieso am liebsten im Oberengadin.

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