Holderbank
Diplomarbeit setzt Holcim-Mensa unter Druck

Der Weltkonzern Holcim hat seine Mensa in Holderbank durch eine Diplomarbeit an der Höheren Fachschule für Wirtschaft in Aarau evaluieren lassen. Weil die Gästezufriedenheit zu wünschen übrig liess, will Holcim die Essensqualität nun verbessern.

Ralph Stamm
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Marco Widmer bei der Präsentation der Studie an der Fachschule für Wirtschaft Aarau

Marco Widmer bei der Präsentation der Studie an der Fachschule für Wirtschaft Aarau

AZ

Abschlussarbeiten enden oft als Papiertiger. Nicht so die von fünf Studierenden der Höheren Fachschule für Wirtschaft Aarau diese Woche vorgestellte Studie über die Essensqualität im Personalrestaurant Aarehuus der Holcim Group Support (HGRS) in Holderbank, einer Tochtergesellschaft des weltweit tätigen Zementherstellers Holcim. Die Studie hat nun direkte Auswirkungen darauf, was der Belegschaft zukünftig auf den Teller kommt.
Im Herbst letzten Jahres erteilte die Holcim der Betreiberin des Personalrestaurants, der SV Group «eine letzte Chance» zur Verbesserung der Essensqualität. Bestätigt wurde dies durch Markus Denk, Facility-Manager und Verantwortlicher für das Personalrestaurant bei der HGRS, anlässlich der öffentlichen Präsentation der Diplomarbeit diese Woche in Aarau. «Geschieht dies nicht», so Denk, «sehen wir uns gezwungen, eine andere Lösung ins Auge zu fassen.»
«Versalzen oder pampig»
Täglich werden im «Aarehuus» über 200 Mitarbeiter verköstigt. In letzter Zeit mehrten sich die Beanstandungen, weshalb die Holcim den Diplomanden den Studienauftrag erteilte. Erklärtes Ziel: mehr Gästezufriedenheit bei gleichen Kosten.
Von August bis März investierten die fünf Studierenden zusammen an die 1000 Arbeitsstunden in ihre Diplomarbeit. Zur Datenerhebung führten sie eine Mitarbeiterbefragung durch. Nur 45 Prozent der Befragten bewerteten die Essensqualität als gut oder sehr gut. Der überwiegende Rest fand das Essen ungenügend bis akzeptabel.
Das Angebot sei «zu wenig abwechslungsreich, die Speisen oft versalzen oder pampig und die Präsentation nicht ansprechend», fasste der Co-Autor der Studie, Marco Widmer, die Resultate zusammen. Zudem werde zu wenig Rücksicht genommen auf die kulturellen Unterschiede bei der internationalen Belegschaft der Holcim.
Für die Studierenden ist deshalb klar: Der Status-quo ist nicht akzeptabel. Änderungen sind dringend nötig, sei es in Form eines neuen Verpflegungskonzeptes vonseiten der SV Group oder der Wahl eines anderen Anbieters. Zu diesem Zweck haben die Studierenden verschiedene Offerten von Drittanbietern geprüft. Das Gastro-Unternehmen DSR le restaurateur schnitt dabei am besten ab.
Neuen Koch angestellt
Wie setzt die Holcim nun die Resultate der Arbeit um? «Die Offerte von DSR hat uns sehr gut gefallen», sagt Markus Denk. Trotzdem habe die SV Group eine Chance verdient. Zum einen wolle man die über zehnjährige Zusammenarbeit nicht einfach so aufgeben, zum anderen habe die SV Group durch die Umstellung des Menüplans und die Einstellung eines neuen Kochs bereits reagiert.
Auf Anfrage bestätigt der Restaurantmanager der SV Group, Peter Gärtner, Massnahmen getroffen zu haben: «Wurden früher vorwiegend Speisen aufgewärmt, kochen wir heute wieder vor Ort.» Ausserdem stehe neu täglich auch ein fleischloses Gericht auf dem Menüplan.
Der Druck auf die SV Group hält vorläufig aber an. Denn zurzeit läuft bei Holcim die Auswertung der regulären internen Gästebefragung. Die Resultate sollten in wenigen Wochen vorliegen. Auf deren Grundlage will Holcim in den kommenden Monaten das weitere kulinarische Vorgehen beschliessen.

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