Lenzburg
Digitales Leben im Stapferhaus kommt gut an

Viel Beifall an der Vernissage für die neue Ausstellung «Home. Willkommen im digitalen Leben» des Lenzburger Stapferhauses.

Fritz Thut
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Auf leisen Sohlen in die digitale Welt

Auf leisen Sohlen in die digitale Welt

Gemäss dem Urteil der Mehrheit der mehreren hundert Vernissagebesucher hat die Stiftung Stapferhaus mit ihrer neuen Ausstellung im Lenzburger Zeughaus nahtlos an die letzten Erfolge angeschlossen: Mit «Home. Willkommen im digitalen Leben» greift man wieder ein Gegenwartsphänomen auf, das sich zu reflektieren lohnt.

Dies zeigten auch die Vernissageredner, die demonstrierten, dass die rasant zunehmende Digitalisierung des täglichen Lebens, ihr Nutzen und ihre Gefahren, aus unterschiedlichen Warten beleuchtet werden können.

Bewusst hat das Stapferhaus-Team die ersten Besucher der Ausstellung zuerst ins Schloss hoch über der Stadt Lenzburg gebeten. «Hier ist alles echt», begrüsste Co-Leiterin Sibylle Lichtensteiger das Publikum: «Analoger geht nicht.»

Irgendwo dazwischen

«Rittersaal versus Cyberspace», formulierte ihr Kollege Beat Hächler den Spannungsbogen, den man mit «Home» umfassen will. Bewusst habe man einen «unaufgeregten Titel» gewählt, einen heimeligen Kontrast zur atemlosen Hektik, die viele mit der digitalen Welt assoziieren.

Pascale Bruderer, die für ihre Funktion als «höchste Schweizerin» ausserordentlich junge Nationalratspräsidentin, bedauerte in ihrem Grusswort fast ein wenig, dass sie gemäss üblicher Definition knapp nicht mehr zu den «Digital Natives» (ab Jahrgang 1980) zählt.

Nicht zuletzt wegen ihres Einsatzes von modernen Mitteln wie Internetauftritten für Projekte der Vermittlung zwischen den Generationen zählt sich Bruderer selbst auch nicht zu den «Digital Immigrants», sondern sieht sich irgendwo dazwischen.

Stolz auf Stapferhaus

Die Nationalratspräsidentin, die mit ihrer frei vorgetragenen, trotzdem sauber ausformulierten Adresse die Zuhörer beeindruckte, machte ein wenig in Lokalchauvinismus und verteilte grosses Lob an die Ausstellungsmacher: «Der Kulturkanton Aargau darf stolz sein auf das Stapferhaus, das immer wieder Ausstellungen gestaltet, die bewegen und begeistern oder zumindest berühren.»

Der Kulturminister des Kulturkantons hörte solches natürlich gerne. Regierungsrat Alex Hürzeler weiss natürlich um die Bedeutung dieses Kultur-Leuchtturms, auch auf nationaler Ebene. Er zeigte sich schon vor dem Besuch der Ausstellung, drunten im alten Zeughaus, überzeugt, dass das Stapferhaus den Besuchern wieder «zahlreiche Denkanstösse mit auf den Weg geben wird».

Solche lieferten an der Vernissage die weiteren Redner mit ihren tiefsinnigen Gedanken und viel Sprachwitz. Pius Knüsel, der Direktor der Kulturstiftung Pro Helvetia, die «Home» nicht nur massgeblich mitfinanziert, sondern auch initiiert hat, trug in seiner Arbeit viel dazu bei, dass in der Schweiz Computerspiele auf dem Weg zu einem anerkannten neuen Kunstmedium sind. Er räumte allerdings ein, er selbst sei «auf dem Level des Banausen stecken geblieben».

Dass dies in der digitalen Welt kein Beinbruch ist, unterstrich der Publizist und Philosoph Ludwig Hasler in der Hauptrede: «Kein Medium kann schlauer sein, als der Mensch, der es nutzt. Viel dümmer auch nicht.»

Stapferhaus-Präsidentin Corina Eichenberger würdigte abschliessend das 18-jährige Wirken von Beat Hächler, der die Institution Richtung Bern verlässt. Sichtlich gerührt nahm Hächler den lang anhaltenden Applaus entgegen.