Seetal

Dieser Verein schützt bekannte Schätze im Tal – und forscht nach neuen

Daniel Humbel präsidiert die Vereinigung seit neun Jahren und koordiniert zahlreiche Forschungsprojekte.

Daniel Humbel präsidiert die Vereinigung seit neun Jahren und koordiniert zahlreiche Forschungsprojekte.

Die 96 Jahre alte Historische Vereinigung Seetal und Umgebung hat über die Jahrzehnte immer mehr Aufgaben übernommen – eines ihrer Herzstücke ist die jährlich erscheinende «Heimatkunde aus dem Seetal».

Seit mittlerweile fast zehn Jahren ist Daniel Humbel (60) Präsident der Historischen Vereinigung Seetal und Umgebung. «Zu ihren besten Zeiten», sagt er, «hatte die Vereinigung über tausend Mitglieder. Diese Zeiten sind heute natürlich schon lange vorbei. Trotzdem haben wir heute aber immer noch gut 480 Mitglieder», sagt der Handelslehrer.

Was macht der 96 Jahre alte Verein? Über die Jahrzehnte hat er immer mehr Aufgaben übernommen. «Wir sichern etwa archäologische Fundstellen, organisieren professionelle Grabungen und betreiben verschiedenste Einrichtungen. Darunter die Steinzeitwerkstatt in Boniswil, die sich dank anhaltendem Erfolg 2012 selbstständig machen konnte», führt Humbel aus. Dazu kommen Vorträge und verschiedene grössere Anlässe für die Öffentlichkeit wie die Kulturwerkstatt Seetal.

Der Verein engagiert sich auch finanziell, so war etwa die Beteiligung an der Restaurierung der Römervilla in Sarmenstorf sehr kostspielig. «Wir haben allerdings nicht die Ressourcen, um alles alleine zu machen. Die Kooperation mit Fachstellen hat deshalb gerade in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen», sagt Humbel. So arbeitet der Verein mit der Kantonsarchäologie zusammen, pflegt Kontakte zur Denkmalpflege und ist traditionell mit dem Schloss Hallwyl eng verbunden. Dazu kommen zahlreiche Vereine, Interessengemeinschaften, Kulturfonds und Einzelpersonen, die mit der Historischen Vereinigung zusammenarbeiten oder sie unterstützen.

Aufstieg und Fall einer Dynastie

Eines der Herzstücke der Historischen Vereinigung ist die jährlich erscheinende «Heimatkunde aus dem Seetal». Die erste Ausgabe erschien 1926, vier Jahre nach der Gründung durch den Seenger Bezirkslehrer Reinhold Bosch. Er war auch der Gründer der Boniswiler Steinzeitwerkstatt und wurde später der erste Aargauer Kantonsarchäologe.

Im Geleit der ersten Ausgabe der Heimatkunde schrieb er: «Unser bescheidenes Blättchen stellt sich in den Dienst der Heimat. Was sagt uns nicht alles das Wörtchen Heimat! Welch enorme Schätze birgt es nicht in sich! Unser höchstes Ziel aber ist, die Liebe zur Heimat zu verstärken und zu vertiefen».

92 Jahre später führt die aktuelle Ausgabe reich bebildert durch die abwechslungsreiche Geschichte der Seenger Gastwirtschaft, die einst weitherum dafür bekannt war, 13 Wirtshäuser zu haben, mehr als jedes andere Dorf weit und breit.

Den dramatischen Höhepunkt bildet die Aufarbeitung der bewegten Geschichte der Hugenotten-Familie Brutel. Aus Montpellier nach Nyon geflohen, verschlug es sie 1736 nach Schafisheim. In der Folge baute sie in der ganzen Region Betriebe auf und betrieb regen Handel. Einst steinreich, fand das Geschlecht 356 Jahre nach seiner Entstehung 1996 sein trauriges Ende, als der letzte Nachfahre Max Brutel in der psychiatrischen Klinik Königsfelden verstarb, einsam und mittellos.

Moderne Geschichtsschreiber

Anspruchsvoll weiter geht es mit einem Essay, dessen Autoren versuchen, die geografische Grenze des Seetals zu finden und dabei scheitern. Ihr Fazit: «Eigentlich ist das auch gut so: Ohne klare Grenzen dürfen sich möglichst viele Aargauer und Luzerner als ‹Seetaler› bezeichnen, und im Umland wird niemand von der Zugehörigkeit zu diesem lieblichen Tal ausgeschlossen.» Seit der ersten Ausgabe wird die Heimatkunde als etwa gleich grosses, 80 Seiten dickes Büchlein herausgegeben.

Stark verändert hat sich allerdings der Inhalt: Beschränkte sich die erste Ausgabe noch auf ein, zwei Seiten lange Berichte und die anekdotische Abschrift einzelner historischer Dokumente, sind die Artikel heute 20 bis 40 Seiten lang. Es sind keine kurzen Erzählungen mehr, sondern komplexe Abhandlungen, wissenschaftliche Untersuchungen und detaillierte Forschungsarbeiten, die Themen behandeln, an die sich manchmal noch keiner zuvor gewagt hat. Der Verein kultiviert die Geschichte also nicht nur – er schreibt sie mit.

Archäologische Sehenswürdigkeiten im Aargau: 

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