Hunzenschwil

Dieser Senior von Auto Germann war ein Vorzeige-Gewerbler

«Der Gewerbeverein war halt ein wenig mein Baby», sagt Rolf Germann (79).

«Der Gewerbeverein war halt ein wenig mein Baby», sagt Rolf Germann (79).

Autohändler Rolf Germann präsidierte 44 Jahre lang den örtlichen Gewerbeverein. Er erinnert sich noch gut an die schwierige Zeit 1974 in seinen Anfängen als junger Vereinspräsident und als Unternehmer.

Der Ölpreisschock in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts hatte die Schweiz in eine tiefgreifende Rezession gestürzt, an deren Folgen das Gewerbe schwer trug. Auch in Hunzenschwil.

Autohändler Rolf Germann hätte mit seinem Familienbetrieb eigentlich genug Sorgen gehabt, als man ihm 1974 das Präsidium für den Gewerbeverein Hunzenschwil antrug. 25 Mitglieder hatte der Verein damals. «Aktuell sind es deren 67 mit viel Potenzial nach oben», sagt Germann. Die Autobahnnähe habe die Ansiedlung von Gewerbe im Dorf begünstigt.

Rolf Germann sagte zu und wurde Präsident des örtlichen Gewerbevereins. Und blieb es 44 Jahre lang – bis jetzt. An der letzten Generalversammlung hat er das Amt an Markus Herzog, Betriebsleiter von Energie Hunzenschwil, übergeben. Im Gegenzug wurde Germann zum Ehrenmitglied ernannt. So komme er dem Gewerbeverein nicht ganz abhanden, schrieb der neue Präsident in einer Mitteilung. Bereits zum 40-Jährigen, vor vier Jahren, hatte es eine schöne Urkunde gegeben vom örtlichen Gewerbeverein und vom Kantonalen Gewerbeverein sogar einen AGV-Hammer für besondere Verdienste. Darauf ist der 79-jährige Rolf Germann stolz. «Mit diesem Hammer wird nicht gehämmert», sagt er bestimmt.

Ungeheurer Preiskampf

Rolf Germann erinnert sich noch gut an die schwierige Zeit 1974 in seinen Anfängen als junger Vereinspräsident und als Unternehmer. Den Familienbetrieb, eine Autogarage, habe es gleich mehrfach getroffen, erzählt er. «Damals war das Benzin kontingentiert, ein Liter kostete 1.80 Franken. Viele Leute liessen ihr Auto lieber in der Garage stehen.» Das war nicht gut fürs Geschäft, der Werkstatt gingen die Aufträge fast aus. Rolf Germann weiss noch gut, wie es damals zu und herging: «Es herrschte ein unglaublicher Preiskampf, zeitweise haben wir nicht einmal mehr kostendeckend gearbeitet, um über die Runden zu kommen.» Über die Runden kommen hiess, für das in 2. Generation geführte Familienunternehmen Garage Germann damals, jeden Monat die Löhne für rund 60 Mitarbeitende bezahlen zu können.

Rolf Germann ist Senior-Inhaber der Garage Germann in Hunzenschwil. Er hat über 40 Jahre lang den Gewerbeverein Hunzenschwil präsidiert.

Rolf Germann ist Senior-Inhaber der Garage Germann in Hunzenschwil. Er hat über 40 Jahre lang den Gewerbeverein Hunzenschwil präsidiert.

Heute werden 50 Leute beschäftigt, die Firma nennt sich Auto Germann AG, Chef ist seit einiger Zeit Sohn Patrick. Der Vater fehlt jedoch kaum einen Tag im Betrieb.

Zum Gespräch hat Rolf Germann ins kürzlich renovierte hauseigene Café «Da Molen» geladen im ersten Stock des Autocenters am Dorfrand von Hunzenschwil. Das holländisch-portugiesische Pächterpaar serviert Spezialitäten aus seiner Heimat. Das Café ist öffentlich zugänglich. Nur wüssten es die wenigsten Leute, bedauert Unternehmer Germann.

Online kein Ersatz für Gwärbi

Dass es in Hunzenschwil einen Gewerbeverein gibt, geht auf das Jahr 1967 zurück. «Initiant war Möbelhändler Dölf Märki», weiss Germann. Die ersten Jahre hatte Märki den Verein gleich selber präsidiert. Germann war der dritte Mann an der Vereinsspitze.

Nein, die Vereinsarbeit sei ihm in all den Jahren nie zuviel geworden, versichert Rolf Germann beim Kaffee. «Der Gewerbeverein war halt ein wenig mein Baby», erklärt er und schmunzelt. Ausserdem habe er stets auf zuverlässige Vorstandsmitglieder zählen können, so sei der zusätzliche Aufwand bewältigbar geblieben. Germann verhehlt jedoch nicht, dass er ab und zu schon ans Aufhören dachte, doch habe sich nie ein anderer vorgedrängt, der das Präsidium übernehmen wollte, sagt er lachend. Germanns «OK, dann mach ich es halt noch ein Jahr», wenn kein Nachfolger in Sicht war, ist im Verlaufe der Jahre fast ein Kultsatz geworden im Gewerbeverein Hunzenschwil.

Das Gewerbe im Dorf muss aus den Betrieben herauskommen und sich zeigen. So gehören Ausstellungen für Senior-Unternehmer Germann unbedingt in die Agenda eines Gewerbevereins. Es müsse jedoch nicht in regelmässigen Abständen geschehen, sagt er. Dabei ist er stolz, dass Hunzenschwil zusammen mit Nachbar Schafisheim vor drei Jahren eine gemeinsame Gwärbi auf die Beine stellen konnte. Nach einer längeren Durststrecke notabene, doch allen Online-Einkaufsmöglichkeiten zum Trotz.

Was das Autogewerbe anbelangt, ist Germann überzeugt, dass die Konkurrenz der elektronischen Plattform eher eine positive Herausforderung ist fürs Geschäft. «Die Kunden sind viel besser informiert als früher. Unsere Verkäufer müssen fit sein», sagt er. Hingegen kaufe kaum einer sein Auto von der «elektronischen Stange». Geht es nämlich um den Kaufentscheid, so weiss der Autohändler aus Erfahrung: «Ein Auto will gestreichelt und gefahren werden, bevor man es kauft».

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