Severin Spring (26) fliegt für seine Fischzucht in Tansania in der ganzen Welt herum: Er trifft Leute in Südafrika, besucht Weiterbildungen in Thailand, macht Werbung in Belgien und schafft Geschäftsnetzwerke in Sambia. Nebenbei berät er eine tansanische Jungunternehmerin beim Aufbau ihres Hostels sowie eines gemeinnützigen Gemeinschaftszentrums und studiert an der Uni Zürich. Als Spring im Frühling 2013 zum ersten Mal nach Tansania ging, wusste er noch nicht, wie sehr das Kurzpraktikum bei einer Nichtregierungsorganisation (NGO) sein Leben verändern würde. Denn eigentlich war alles anders geplant gewesen.

Vom Loch in die Höhe

Seit seiner Kindheit hatte der aus Seengen stammende Spring den Traum, eines Tages Militärpilot zu werden. Die Voraussetzungen dafür hätte er eigentlich alle gehabt: Körpergrösse, Fitness, und eine mathematisch-physikalische Affinität. Doch dann kam während des Militärdiensts die schlechte Nachricht: Aufgrund eines Rückenproblems wurde er als Militärpilot vorzeitig abgelehnt, sein lang gehegter Kindheitstraum war geplatzt. Am Boden zerstört, wechselte er zum Zivildienst und entschloss sich etwas verzagt zu einem Studium an der Uni Zürich.

Schon von klein auf eine spontane Person, meldete er sich zur Überbrückung der Zeit nach Quittierung des Militärdiensts bis zum Beginn des Studiums für ein Praktikum in Tansania. Dort arbeitete er für eine NGO, welche lokale Unternehmer im Bereich der erneuerbaren Energien unterstützt. «Durch das Praktikum begann ich mich dafür zu interessieren, wie man in Tansania die Landwirtschaft und das Fischereiwesen revolutionieren kann.»

In seiner Jugend fischte Severin Spring im Hallwilersee Schleien. Heute ist er Mitbesitzer der Fischzucht «BongoFISH» am Lake Tanganjika in Tansania.

In seiner Jugend fischte Severin Spring im Hallwilersee Schleien. Heute ist er Mitbesitzer der Fischzucht «BongoFISH» am Lake Tanganjika in Tansania.

Nach drei Monaten in Tansania kehrte er im Herbst 2013 wieder in die Schweiz zurück und begann sein Studium. In Gedanken verblieb er jedoch in Tansania. Schon nach einem Jahr kehrte er zurück. Sein Studium wollte er im Fernstudium «so nebenbei» erledigen. Bei seinen zweiten Aufenthalt war er bei einem tansanischen Kleinunternehmen angestellt, welche sich mit der Distribution kleiner Photovoltaikanlagen für den Privatgebrauch beschäftigte.

Die eigene Fischzucht

Schon nach einigen Wochen in Tansania entschloss sich Spring, nebenberuflich Fische auf dem Grundstück der Firma zu züchten. Schon in seinen Jugendjahren fischte er leidenschaftlich im Hallwilersee nach Schleien. «Die Kollegen von der Solarfirma haben mich dabei fleissig unterstützt.» Für die Fischzucht war qualitativ hochwertiges Material, vom Fisch bis zum Werkmaterial, wichtig. So lernte er Subira Edward, eine tansanische Fischzüchterin, kennen. Sie arbeitete damals in einer anderen Fischzucht und sollte ihm dieses hochwertige Material liefern.

«Nach einigen Monaten bemerkte ich, dass die Fische nicht wie gewünscht wuchsen. Obwohl ich das bestmögliche Angebot verwendete, war die Futterqualität und Fischgenetik trotz allem ungenügend.» Die Bevölkerung in Tansania soll sich in den nächsten 30 Jahren auf über 100 Millionen Einwohner verdoppeln. Das Angebot sei mit Blick auf die angewendeten Methoden und verfügbare Technik ausgeschöpft», so Spring.

Spring sieht darum in der Fischzucht eine äusserst attraktive und zukunftsträchtige Lösung. Sein Projekt einer Fischzucht liess er nach einigen Monaten für eine kurze Zeit ruhen. «Ich machte einen für die Entwicklungshilfe typischen Fehler. Man will mit einem technischen Ansatz ein hochkomplexes Problem lösen. Aber bei der Implementierung sieht man dann, dass das Problem viel breiter ist und zum Beispiel schon in der ganzen Wertschöpfungskette Probleme vorhanden sind.»

2015 stiessen Subira Edward und ein zusätzlicher Partner, Firoz Katabaro, zu Severin Springs Fischzucht. Die Gründer einigten sich auf eine neue Ausrichtung und den Namen «BongoFISH». Man wollte sich auf den Vertrieb von qualitativ hochwertigen Jungfischen an Bauern und Fischzüchter fokussieren. «Das langfristige Ziel ist, die Kleinfarmer mit qualitativ hochwertigen ‹Inputs›, zum Beispiel Jungfische, Futter, Kapital und Ausrüstung, zu beliefern. Es reicht nicht, wenn man nur das Material vergibt, sondern man muss auch das nötige Wissen und die nötigen Techniken vermitteln», erklärt Spring. Sein Ziel: Grundlagen zu schaffen, sodass sich der ganze Sektor entwickeln kann.

Die grosse Zukunftsvision

Nebst dem Aufbau seiner Fischzucht, dem Coaching des Hostel Teams und dem Fernstudium setzt sich Spring auch immer wieder für Forschungsprojekte im Bereich der Fischzucht in Tansania ein. Eigentlich ist der Aufbau all dieser Projekte für Severin nur ein Zwischenschritt. Der 26-Jährige hat Grosses vor: «Ich siehe all diese Projekte nur als Pilotprojekte. Mein Traum ist es, eine Art Investment Fonds aufzubauen, welcher den Aufbau und die Erweiterung von Kleinunternehmen ermöglicht.

Der Fonds soll nicht nur der Finanzierung von Projekten dienen, sondern auch beim Aufbau mithelfen, sei es mit Wissen, hochwertigem Material oder dem Vermitteln von Kontakten. Dabei soll der Aspekt der Nachhaltigkeit – sozial, ökologisch wie wirtschaftlich – zentral bleiben. «Mir geht es um die Befähigung der kleinen Leute», sagt Spring.

Derzeit hält er sich in der Schweiz auf und arbeitet für sechs Monate bei einer Grossbank. «Ich war nun für lange Zeit stets unterwegs, immer an anderen Orten. Es ist schön, wieder einmal richtig zu Hause zu sein und einen Job mit sicherem Einkommen zu haben. Natürlich besuche ich auch einige Kurse an der Universität. Ich will die Zeit hier ja auch nicht verschwenden!»