André H. Corell nennt sich Heiler, Therapeut, Medium. Auf seiner Homepage bietet er verschiedenste Ausbildungen an: Familienstellen, Chi Gong, geistige Wahrnehmung, Channeling, mediale Ausbildung, Rückführungstherapie. Über seine «Geisterschule» strahlte das Schweizer Fernsehen (SF) kürzlich eine Sendung aus.

Alles Hirngespinste? Nicht für André Corell. Er weiss, was er sieht und spürt. «Ich muss mich nicht beweisen. Wenn ich höre, dass es Menschen durch meine Hilfe besser geht, ist das Beweis genug.» Er zitiert William Shakespeare: «Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als die Schulweisheit uns träumen lässt.» Skeptiker seien Menschen, die nicht verstehen wollten, dass andere den Zugang zur Geistwelt hätten.

In Dänemark studiert

Für dieses Gespräch hat es sich André Corell bequem gemacht in seinem Rattanstuhl. Seine Beine sind gekreuzt, sein Blick ist offen, konzentriert. Früher war er Banker und arbeitete bei der UBS. «Dabei fühlte ich mich unwohl. Mich interessierte der Mensch, die Psychologie.» So ging er nach Dänemark, wo er die ersten Jahre seines Lebens verbrachte hatte, und holte mit 30 Jahren die Matura nach.

Weil er schon immer gerne Arzt geworden wäre, studierte er in Kopenhagen sechs Semester lang Medizin. Danach arbeitet er für einige Jahre in einem Spital und in der Psychiatrie mit. Nebenbei konzentrierte er sich auf seine spirituelle Tätigkeit. Damals lebte Corell in zwei Welten: in Dänemark und in der Schweiz. Nirgendwo fühlte er sich richtig zu Hause, und er entschied sich deshalb, fest in der Schweiz zu bleiben. «Es war ein Bauchgefühl. Auch hatte ich hier viele Klienten. Das half mir, meine Praxis aufzubauen.»

Seit 2007 wohnt er in Birrwil, wo er im ausgebauten Dachstock eines Mehrfamilienhauses Kurse gibt. Sein Ausblick: der Hallwilersee und die Berge. «Ich hatte einmal eine Vision, in der ich an einem solchen Ort lebe.» Hier fühlt er sich akzeptiert, trotz oder wegen seiner Andersartigkeit.

Immer mehr Menschen interessierten sich für spirituelle Fragen, findet Corell. «Heute traut man sich, über Religion, Tod, Wiedergeburt und Geister zu reden.» Frauen würden dies schon länger tun als Männer. «Aber auch sie werden immer weicher, empfänglicher dafür.» Ausserdem ist er überzeugt, dass die Wissenschaft ihre technischen Hilfsmittel so sehr verfeinert, dass diese in der Lage ist, in der Zukunft Geister zu messen.

André Corell erzählt, dass mit ihm ein guter Hausgeist lebt. Dieser und andere Lichtwesen würden ihm bei seiner geistigen Arbeit helfen. Immer wieder wird er in Häuser gerufen,
in denen es Geister geben soll, die es den Bewohnern schwer machen, sie belästigen. Das geschehe, in dem der Strom ausfalle, Bilder herunterfielen, Glühbirnen kaputt gingen.

Kürzlich rief ihn eine Frau an und bat ihn vorbeizukommen, weil ihr Freund von einem Geist aus dem Bett geworfen worden sei. Corell ging hin. Von Vertreibung böser Geister spricht er ungern. «Ich begleite Geistwesen ins Licht.» Es gebe verschiedene Arten von Geistern, auch solche, die Mühe hätten, vom Irdischen loszulassen. «Die Seelen verstehen oft nicht, warum sie gestorben sind.»

Seine Aufgabe sei es, so Corell, den Seelen aufzuzeigen, dass sie an einen anderen Ort gehen müssten. «Man muss sie davon überzeugen. Oft sind sie hartnäckig.» Er führt ein Beispiel an: das Schlachtfeld Sempach. «Dort befinden sich gegen hundert Seelen, welche 1386 gegeneinander kämpften.»

Geister «gumpen» ihm an den Hals

Bei seinem «Geisterlaufen», so nennt Corell seine Arbeit, geht er sicher, dass die Geister ein für alle Mal gegangen sind. Er zieht die Bewohner bewusst in seine Rituale mit ein. «Mit Räuchern allein schickt man die Geister nicht weg. Der Rauch vertreibt sie höchstens für kurze Zeit», sagt er. Man könne nicht nur Geister für das persönliche Unwohlsein verantwortlich machen. Oft seien auch ganz banale Dinge wie elektromagnetische Felder oder Wasseradern Ursache für Stress. Nach einem «Geisterlaufen» fühlt sich Corell erschöpft. «Die Geister ‹gumpen› mir an den Hals. Während der Arbeit bin ich sehr sensibel. Verlasse ich aber das Haus, lasse ich von allem los.»

Corell betreibt auch eine «Geisterschule». Zum Abschluss der einjährigen medialen Ausbildung erhalten die Schüler ein Zertifikat. Corell entlässt sie mit gutem Gewissen. «Ich setze mich intensiv mit den Absolventen auseinander, ob sie wirklich fähig sind.» Wenn Laien Geister vertreiben, sei es schlimm. «Sie ziehen nur noch mehr an.»

Entschlossen erhebt sich André Corell aus seinem Stuhl, stellt seine Füsse fest auf den Boden. Seine Bodenhaftigkeit habe er nie verloren, sagt er und lacht. «Dafür habe ich zu lange auf der materiellen Ebene gearbeitet. Das hilft mir jetzt.»

Internet: www.medialeschule.ch