Weihnachten
Dieser Lenzburger baut viel mehr als eine Krippe

Luigi Marchesin baut jedes Jahr eine gigantische Krippe vor sein Haus in Lenzburg.

Janine Gloor
Merken
Drucken
Teilen
«Mich freut schaurig, dass jeden Tag Familien vorbei kommen»: Krippenbauer Luigi Marchesin vor seinem Meisterwerk.

«Mich freut schaurig, dass jeden Tag Familien vorbei kommen»: Krippenbauer Luigi Marchesin vor seinem Meisterwerk.

Janine Gloor

Zum Glück hatte der Lenzburger Luigi Marchesin seine Krippe noch nicht fertig aufgebaut, als der Sturm Marielou über die Schweiz fegte. Sonst wären ungefähr 160 Plastikschafe durcheinandergewirbelt worden. Die Installation vor dem Wohnhaus des ehemaligen Stadtkanoniers an der Zelglistrasse eine Krippe zu nennen, wird ihr nicht gerecht. Vielmehr handelt es sich um ein extrem detailliertes Stillleben von Betlehem kurz vor der Geburt Jesu.

Klassische Krippen-Komponenten wie Schafe und ihre Hirten gibt es zuhauf, aber auch ganze Kuh- und Schweineherden liegen im weichen Moos. Mehrere Wasserläufe plätschern und kleine elektrische Feuer glühen gemütlich. Erhöht über der ländlichen Idylle befindet sich das Einkaufsviertel mit Marktständen, Handwerkern und einer Bäckerei.

«Moosberger» steht auf dem Häuschen mit den Backwaren. Gemeint ist die gleichnamige Bäckerei in Wildegg. «Dort arbeitet meine Frau», sagt Luigi Marchesin. Es gibt sogar Figuren, die sich bewegen, zum Beispiel eine Frau, die mit den Händen etwas herstellt. «Gipfeli vielleicht», sagt Marchesin.

«Zum Glück tolerante Nachbarn»

Seit er sieben Jahre alt ist, baut Marchesin jeden Advent eine Krippe. Er stammt aus der Nähe von Venedig. «In Italien haben Krippen eine sehr grosse Tradition», sagt er. Seine ersten Krippen haben in eine Orangenkiste gepasst. Heute misst die Krippe 1,50 auf 2,80 Meter und ist auf mehreren Ebenen aufgebaut. Längst passt sie auch nicht mehr auf seinen Vorplatz. «Zum Glück ist mein Nachbar so tolerant», sagt er.

Seine Krippen sind nie gleich. Jedes Jahr kommt etwas Neues dazu. Luigi Marchesin hat stets die Augen offen. «Den Schinken und die Salami habe ich in Neapel gekauft», sagt er und zeigt auf das Marktviertel, wo die Fleischstücke hängen. Dort gebe es eine Strasse voller Figuren und Miniaturen für Krippen. Doch auch hier wird er fündig. Auf der oberen Etage steht ein Holzhäuschen im Chalet-Stil, es stammt aus einer Brocki. Auch die Topografie seiner Krippenszene ändert sich jedes Jahr. Wo sich letztes Jahr ein Hügel erhob, zieht heute eine Eselskarawane über die Brücke eines Teichs.

60 Stunden für den Aufbau

Etwa 60 Stunden, schätzt Marchesin, braucht er, um seine Krippe aufzubauen. Die Arbeit beginnt im Oktober, wenn er in den Wäldern Moos sammelt. Anfang Dezember beginnt er mit dem Einrichten. Und auch wenn jedes Schaf an seinem Platz steht, alle Menschen schön gruppiert sind und der Fischer seine Angel in den Teich tunkt, gibt es täglich zu tun: Die Figürchen kippen oft um und müssen wieder aufgerichtet werden.

Mit seiner Krippe hat er auch schon an einem Wettbewerb in Italien teilgenommen. Stolz zeigt er das gerahmte Diplom. Jeden Tag kommen ganze Familien vorbei, um das Kunstwerk vor seinem Haus zu bestaunen. «Das freut mich schaurig», sagt Marchesin. Auch die Kita macht auf ihrem Spaziergang einen Halt vor der Krippe. Die drei Könige sind, wie es sich für eine Krippe gehört, noch nicht in der Szene angekommen. Sie sind noch unterwegs. Maria und Josef sitzen im warmen Schein einer Lichterkette in ihrem bemoosten Stall. Und das Jesuskind? Es liegt tatsächlich schon in der Futterkrippe. «Aber weil es noch nicht geboren ist, habe ich es mit einem Stück Rinde bedeckt», sagt Luigi Marchesin.