Schafisheim
Dieser junge Mann setzt selbst Grossmeister Schachmatt

Am Internationalen Schachfestival in Biel spielte der Schafisheimer Roger Gloor auf Meisterniveau - und gewann gleich gegen drei internationale Schachgrossmeister.

Ralph Stamm
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Roger Gloor ist ein Konzentrationswunder. Der 21-Jährige setzt seine Gegner manchmal erst nach sechs Spielstunden Schachmatt

Roger Gloor ist ein Konzentrationswunder. Der 21-Jährige setzt seine Gegner manchmal erst nach sechs Spielstunden Schachmatt

Emanuel Freudiger

Unter der prallen Sonne auf dem Grossschachfeld vor der Aarauer Schwanenbar wirkt Roger Gloors Haut angreifbar bleich. Dies liegt nur zum Teil an seinem hellen Hauttyp. Seine Freizeit verbringt der Schafisheimer vorwiegend unter Dach, still über dem Schachbrett gebeugt, während es in seinem Kopf rechnet und rattert.

So auch zuletzt am renommierten internationalen Schachturnier in Biel vom 21. Juli bis zum 3. August. Elf Tage lang, jeden Tag ein Spiel von bis zu sechs Stunden. Bereits als 18-Jähriger galt der sympathische Rotschopf als grösstes Aargauer Schachtalent. «In Biel hat er sich nun auch in der Erwachsenen-Schachwelt einen Namen gemacht», sagt sein ehemaliger Trainer und Präsident des Aargauer Schachverbands, Markus Regez.

In der Tat: Gleich drei internationale Grossmeister setzte Roger Gloor in Biel Schachmatt, einen Franzosen und zwei Russen. Als zweitbester Schweizer beendete er das Turnier auf Rang 26, viel besser, als dies seine Elo-Punktzahl hätte erahnen lassen (siehe Kasten).

Er hat Geduld

Seine Geduld ist es, an der sich viele besser klassierten Schachspieler die Zähne ausbeissen. «Roger hat die Fähigkeit, sich über lange Zeit gut zu konzentrieren», sagt Regez. Dies hat er gleich auch in seinem ersten über sechsstündigen Spiel gegen Christian Bauer bewiesen, Frankreichs Nummer vier. Gloor dazu: «Zu Beginn stand ich schlechter, langsam kämpfte ich mich aber ins Spiel zurück.»

Begonnen hat Roger Gloors Faszination für das Spiel der Könige im Alter von neun Jahren. Ein Schulfreund brachte ihm das Spiel bei. Seither vergeht kein Tag ohne Schach, denn im Unterschied zu anderen Spielen werde Schach nie langweilig: «Je mehr man spielt, desto mehr sieht man auch die genialen Ideen hinter den scheinbar einfachen Bauernzügen.»

Der Erfolg ist es, der ihn antreibt. Der Erfolg hat aber auch seinen Preis: Da ihm im Schachklub Aarau niemand mehr die Stange halten kann, trainiert Gloor mittlerweile meist allein, studiert Bücher und spielt grosse Partien der Schachgeschichte nach. Etwa Kasparov gegen Topalov 1999: «Kasparov opferte einen Turm, um den König seines Gegners aus der Deckung herauszulocken. Das war einfach genial», schwärmt Gloor. So sei auch sein eigenes Spiel in den letzten Jahren angriffiger geworden. Als Lieblingseröffnung nennt er die Sizilianische, bei der man den Gegner gleich von Beginn weg unter Druck setzt, aber auch ein gewisses Risiko eingeht.

15 Stunden Training pro Woche

Um selbst dereinst den internationalen Meistertitel zu erlangen, trainiert Gloor an die 15 Stunden pro Woche. «Wenn ich nicht trainiere, werde ich unruhig.» Alles auf eine Karte setzen, will der angehende Elektroingenieur allerdings nicht, denn «ungelöste Schachprobleme» raubten ihm zuweilen auch den Schlaf. Er wolle ja nicht werden wie Dr. B in Stefan Zweigs Schachnovelle. In Gefangenschaft spielt dieser unablässig gegen sich selbst und fordert sein Alter Ego nach verlorenen Partien zwanghaft zur Revanche heraus.

Ein ganz normaler junger Mann sei er also. Er gehe gern ins Kino, spiele Badminton, treffe sich gern mit Freunden. Einzig für eine Beziehung bleibe im Moment keine Zeit.

Die Chancen, dass ihn an einem Schachturnier ein paar schöne Augen um die Konzentration bringen, seien ohnehin gering, sagt Roger Gloor. Denn Schach werde zu über 90 Prozent von Männern gespielt.