Fahrwangen

Dieser Gemeindeammann wäre gern ein Bundesrat geworden

Patrick Fischer hält im Casting eine «Rede vor dem Volk».

Patrick Fischer hält im Casting eine «Rede vor dem Volk».

Patrick Fischer hat sich beim «Blick» als «8. Bundesrat» beworben. In erster Linie habe er das aus Neugier getan, sagt der Ammann von Fahrwangen im Interview.

Die Zeitung Blick sucht derzeit per Casting einen Bundesrat. Dieser «8. Bundesrat» soll das sogenannte «Departement für das Volk» führen und den Riss zwischen Politik und Volk kitten, der sich mit dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative erneut gezeigt hat.

Die Resonanz auf die provokative Aktion ist gross: 551 Personen wollen vom 18. August bis 14. September 2014 als «Blick»-Bundesrat amten. Dazu gehören ein eigenes Büro im Newsroom der Zeitung, ein Dienstwagen und ein Bundesratslohn. Für die 45-tägige Amtszeit beträgt dieser 50 000 Franken.

Für den Job beworben hat sich auch der Fahrwanger Gemeindeammann Patrick Fischer. In die engere Auswahl schaffte es Fischer aber nicht. «Darüber bin ich nicht unglücklich», sagt er im az-Interview.

Herr Fischer, warum wollten Sie «Blick»-Bundesrat werden?

Patrick Fischer: In erster Linie habe ich aus Neugier mitgemacht. Das Casting war spannend und ich hatte die Chance, interessante Leute aus allen Gesellschaftsschichten kennenzulernen. Zudem interessiert mich die Medienbranche. Eigentlich ist die Wahl für den «8. Bundesrat» ja eine Schnapsidee und eine PR-Aktion für den «Blick» und Ringier. Und doch greift die Aktion ein wichtiges Thema auf, das vielen Leuten im Land unter den Nägeln brennt. Auch mir.

Was genau brennt Ihnen denn unter den Fingernägeln?

Politik und Volk driften immer mehr auseinander, was sich am 9. Februar mit dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative wiederum in erschreckender Deutlichkeit gezeigt hat. Das beschäftigt mich. Das Casting für den «8. Bundesrat» ist eine kreative Art, dies zu thematisieren. Das hat mich angesprochen.

Im Casting hielten Sie eine Rede an das Volk. Was hatten Sie zu sagen?

Ich habe die Europapolitik thematisiert und diese provokativ als Keil dargestellt – ein Keil, der zwischen Politik und Volk klemmt. Dieser sitzt fest, solange in diesem Land keine breite Diskussion über die Zukunft mit Europa stattfindet. Diese Diskussion ist überfällig und sollte vor allem emotionslos geführt werden.

Trotz klarer Worte: Gereicht hat es im Casting nicht. Sie sind nicht unter den letzten neun Teilnehmern.

Darüber bin ich nicht unglücklich. Es war eine gute Erfahrung, was genügt.

Hatten Sie keine Bedenken, sich als Gemeindeammann in einem öffentlichen Casting zu exponieren?

Ich habe als Privatperson teilgenommen. Natürlich ist mir klar, dass ich auch Gemeindeammann bin. Ich mache jedoch einen klaren Unterschied zwischen lokaler und nationaler Politik. Das sind zwei Paar Schuhe. Eines aber ist gleich: Ein Politiker muss spüren, was das Volk möchte.

Haben Sie grössere politische Ambitionen? Grossrat zum Beispiel?

Momentan ist das kein Thema. Ich bin erst zwei Jahre Gemeindeammann und möchte jetzt eine gute Arbeit in Fahrwangen machen.

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