Hunzenschwil

Diese Tradition verbindet Generationen: Chlauschlöpfe ist auch heute noch populär

Am Sonntagnachmittag chlöpften in Hunzenschwil die Besten der Region.

Die Chlauschlöpfer in Hunzenschwil sind schon von weitem zu hören. Frauen und Männer jedes Alters messen sich an diesem Sonntagnachmittag miteinander. Nacheinander werden sie aufgerufen, treten auf den viereckigen Platz, umgeben von Zuschauern, und warten auf das «Go» von Urs Schwager.

Hier in Hunzenschwil treten an diesem Nachmittag die besten Chlauschlöpfer aus 16 Gemeinden an. «Es gibt sehr viele verschiedene Aspekte, nach denen der Auftritt bewertet wird», erklärt der abgetretene Obmann der Chlauschlöpfer Urs Schwager. Kürzlich hat er sein Amt übergeben.

Seine Nachfolger sind der 20-jährige Matthias Schmidlin und Manuel Silva (46). Urs Schwager und Matthias Schmidlin verbindet etwas Besonderes: «Ich habe Matthias von vielen Jahren das Chlauschlöpfen beigebracht», sagt Schwager. Auch er selbst praktiziert den berühmten Brauch seit langer Zeit. «Ich habe im Alter von fünf Jahren mit dem Chlöpfen angefangen», so Schwager.

Seither habe sich jedoch viel verändert: «Wir mussten damals noch davon, wenn sich die Leute zu fest ab unserem Gechlöpfe genervt haben.» Heutzutage sei dies anders, er habe das Gefühl, dass die Akzeptanz des alten Brauchtums in der Bevölkerung über die Jahre gestiegen sei. Für mehr Akzeptanz und eine offene Kommunikation hat sich auch Schwager, in seiner Funktion als oberster Lenzburger Chlauschlöpfer eingesetzt.

«Früher fanden die Übungsnachmittage in der Kiesgrube statt, heute sind sie in der Altstadt, auf dem Freischarenplatz.» Auch an vielen Schulen in der Region werden die Kinder dazu ermutigt, eine Geisel in die Hand zu nehmen.

«Chlauschlöpfen kann man in jedem Alter»

Dass das Chlauschlöpfen in den Dörfern der Region immer noch ein oft praktizierter Brauch ist, zeigt sich auch in Hunzenschwil. Teilnehmende aus 16 Gemeinden treten an. Verteilt auf vier Alterskategorien. «Chlauschlöpfen kann man in jedem Alter», so Schwager. «Es ist eine Tradition, die verbindet.»

Der jüngste Chlöpfer, den er kennt, ist drei Jahre alt, der älteste 90 Jahre. Auch er selbst habe zwischenzeitlich aufgehört und dann mit seinen Kindern wieder angefangen. «Häufig ist es so, dass die Chlauschlöpfer in der Pubertät aufhören, viele beginnen dann gemeinsam mit ihren Kindern wieder.»

Die offizielle Saison der Chlauschlöpfer startet in Lenzburg am 1. November und dauert normalerweise bis am zweiten Donnerstag im Dezember, pünktlich zum Lenzburger Chlausmärt. Dieses Jahr geht die Saison ein wenig länger, da in Hunzenschwil der beste Chlauschlöpfer und die beste Chlauschlöpferin der Region gekürt werden.

Für Urs Schwager ist die Saison jedoch am späten Sonntagnachmittag, nach der Siegerehrung noch nicht vorbei. Am 1. Februar fährt er mit einer Delegation nach Deutschland zu den Weltmeisterschaften. Nebst der Schweiz nehmen auch Deutschland, Italien und Österreich teil.

Gechlöpft wird dabei nicht nur alleine, sondern auch in Gruppen. In verschiedenen Formationen. «Es sind eigentlich fast schon Choreografien», erklärt Urs Schwager. Gechlöpft wird in unterschiedlichen Takten und Reihenfolgen, jeder und jede muss also seine Geisel perfekt im Griff haben. «Gewinnen ist nicht die oberste Priorität für uns an der Weltmeisterschaft. Wir wollen vor allem unsere Tradition zeigen.»

Seit 2012 ein Unesco-Welterbe

Dank Urs Schwager ist das Chlauschlöpfen nicht nur in Lenzburg bekannter, sondern seit sieben Jahren auch ein Unesco-Welterbe. «Ich habe dafür einen mehreren Seiten langen Antrag ausgefüllt und durfte anschliessend in Bern das Chlauschlöpfen vorstellen», so Schwager.

Auch wenn Schwager sein Amt als oberster Chlauschlöpfer kürzlich nach 16 Jahren abgegeben hat, bleibt er dem Brauchtum erhalten. «Ich werde mich weiterhin um die Finanzen und um die Kassen kümmern und werde in der Region für Events zuständig sein.»

Ein verknüpfter Zwick und nervöse Teilnehmer

In Hunzenschwil hat Urs Schwager einen wichtigen Part während des Wettbewerbs. Er nimmt die Teilnehmer in Empfang und schickt sie in den aufgemalten Kreis, wo sie während 30 Sekunden möglichst laut und regelmässig chlöpfen. Bewertet werden sie dabei von Kampfrichtern, die sich auf die vier Ecken des ausgesteckten Platzes verteilt haben.

Zahlreiche Faktoren werden dabei genau unter die Lupe genommen. Nicht bei allen klappt es wie gewünscht. So ist es auch Schwager, der sich um einen Knopf im Zwick kümmert und nervöse Teilnehmer vor ihrem Auftritt beruhigt.

«Es gibt auch viele, die sich nicht gerne messen», sagt er. Die Zuschauer in Hunzenschwil honorieren jeden Auftritt. Egal ob es jedes mal chlöpft, oder die Geisel nochmals neu ausgeworfen werden muss. Am Schluss des Auftrittes wird jeder Chlauschlöpfer mit einem Applaus aus dem grünen Kreis verabschiedet.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1