Lenzburg
Diese Spitex-Pflegefrau ist mit Stützstrümpfen und viel Herz unterwegs

Esther Weber pflegt seit 21 Jahren Patienten für die Spitex. Bis heute hat die diplomierte Pflegefachfrau die Freude an ihrer Arbeit nicht verloren.

Anna Wanner
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Esther Weber hilft Max Perriard beim Gehtraining

Esther Weber hilft Max Perriard beim Gehtraining

Vorsichtig fährt sie mit ihrem Daumen über die verkrustete Wunde am grossen Zeh. «Wir machen da besser kein Pflaster mehr drauf. Dann heilt die Wunde besser», sagt Esther Weber. Die Pflegefachfrau ist zu Besuch bei Max Perriard in Staufen, der sich an seinem Rollstuhl verletzte. Die Spitex besucht Perriard jeden Tag – aber nicht nur zur Wundpflege. Auch ein Spaziergang steht an. Dazu zieht sich Perriard seine Socken und Schuhe wieder an. Unterdessen schüttelt Weber seine Bettdecke aus.

Mit dem Rollator geht es in den Lift und dann um den Häuserblock. Schritt für Schritt. Nach einem Beinbruch muss Perriard seine Muskulatur neu aufbauen. Das Training beansprucht den Mann, doch Weber hält ihre Hand immer schützend an seinem Rücken und muntert ihn auf.

Kaum Zweifel an Berufswahl

Staufen ist nicht ihre erste Station an diesem Freitagmorgen. Bereits um sieben fuhr Weber in ihr Büro, holte sich ihren Arbeitsplan und las sich in Patientenakten ein.

Der erste Besuch erfolgt jeweils zwischen 7 und 7.20 Uhr. Dann jagt ein Termin den anderen bis abends um fünf Uhr. Manchmal schiebt Weber auch Spätschichten. Heute arbeitet sie aber nur bis am Mittag. Mit sich führt die diplomierte Pflegefachfrau eine Handvoll Hausschlüssel, die alle mit einer Nummer versehen sind. Mittlerweile weiss sie, welche Zahl zu welchem Patienten gehört. Auch die Eigenheiten ihrer Schützlinge kennt sie genau. Deshalb betritt sie die Häuser, ohne eine Antwort auf ihr Klopfen abzuwarten.

Seit 21 Jahren besucht Esther Weber die Spitex-Pflegebedürftigen, stülpt Stützstrümpfe über Beine, wechselt Wundverbände aus und plaudert mit den Menschen. «Das Gespräch ist oftmals ein grosses Bedürfnis von Patienten, die ihr Haus kaum verlassen», sagt Weber. Die Spitex sei dann der einzige Kontakt zur Aussenwelt. «Dann widme ich gerne auch mal fünf Minuten meiner Freizeit.»

Viele unterschiedliche Aufgaben

Mit der unregelmässigen Arbeitszeit komme sie gut zurecht, auch wenn diese eine Mehrbelastung für sie selbst und ihre Familie bedeute. Doch was motiviert sie? «Das Umfassende am Job gefällt mir. Ich erledige viele unterschiedliche Aufgaben», sagt Weber. Erst einmal zweifelte sie an ihrer Arbeit: «Aber das hing mit privaten Umständen zusammen.» Auch nach so vielen Jahren steckt sie voller Enthusiasmus: «Es gibt keine Arbeit, die ich nicht gerne erledige.»

Nur bei sehr jungen Patienten mit schlimmen Diagnosen habe sie manchmal Mühe, sich abzugrenzen. «Aber wir sind Menschen und keine Maschinen», sagt Weber. Und das sei ja gerade der Aspekt, der ihre Arbeit so interessant mache.

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