Wildegg

«Diese Saison ganz schlimm»: Auch Langfinger mögen Kürbisse

Im Kürbis-Zelt der Familie Gebhard in Wildegg gilt Selbstbedienung – aber nicht alle halten sich daran. Die Diebe schlagen auch bei anderen unbedienten Hofläden im Aargau regelmässig zu.

Verschrumpelte, grosse und kleine Kürbisse stapeln sich in Kisten und auf einem hölzernen Schlitten. Über
60 Sorten verkauft die Familie Gebhard in ihrem Zelt am Strassenrand in Wildegg. Es ist Selbstbedienung. Ein Zettel neben dem Kässeli weist die Kundschaft freundlich darauf hin, ehrlich zu bezahlen: «Wussten Sie, dass ordnungsgemäss bezahlte Kürbisse besser schmecken, länger haltbar sind und erst noch schöner aussehen?»

Doch längst nicht jeder hält sich daran. Das muss Susi Gebhard immer wieder erfahren. Wie viele Kürbisse jedes Jahr unbezahlt verschwinden, weiss sie nicht. Doch es sind einige. «Wenn jeder zahlen würde, wäre das Geschäft lukrativer.» Aber eine Verkäuferin koste auch Geld und Kameras wolle sie nicht installieren. «Und eigentlich will ich es gar nicht so genau wissen, wer wie viel zahlt.»

Familie Gebhard ist kein Einzelfall: «Diese Saison ist ganz schlimm», klagt eine andere Aargauer Bäuerin, die Kürbisse verkauft. «Kürzlich ging Ware im Wert von 250 Franken weg, in der Kasse lagen aber nur 70 Franken.» Beim kantonalen Bauernverband ist dieses Problem bekannt: «Unbediente Hofläden sind generell von Diebstählen betroffen», sagt Geschäftsführer Ralf Bucher.

Einige zahlen auch mehr

Susi Gebhard schreibt ihre Kürbisse deshalb gar nicht erst mit einem genauen Preis an. Auf der Preisliste neben der Kasse steht lediglich, dass beispielsweise «kleine Kürbisse» zwischen 1 und 3 Franken kosten, während man für «riesige Kürbisse» 15 Franken zahlt.

So muss jeder Kunde selbst entscheiden, in welche Grössenkategorie das jeweilige Objekt der Begierde gehört. «Die einen zahlen etwas mehr, die anderen weniger – ob der genaue Preis angeschrieben ist oder nicht», sagt Gebhard. «Bis jetzt konnten wir Ende Saison die Kosten immer decken – und es blieb meistens noch etwas Geld übrig.»

Die Kürbisse haben laut Susi Gebhard zudem den Vorteil, dass sie pflegeleicht sind – abgesehen von der Unkraut-Bekämpfung. «Wir säen sie direkt aus, ohne sie vorher in Töpfen zu ziehen», sagt Gebhard. Auch müssten sie weder viel gedüngt noch gewässert werden. Sogar in diesem heissen Sommer kamen die Kürbisse ohne zusätzliches Wasser aus.

Bald Kürbis-Katapult auf Feld?

Nur den Frost mögen die Kürbisse nicht. Der lässt sie faulen. Deshalb ist bei Gebhards Ende Oktober nach Halloween meist Schluss mit dem Kürbis-Zelt am Strassenrand. Was übrig bleibt, landet auf dem Kompost oder bleibt auf dem Acker.

In den vergangenen Jahren verkaufte die Familie Gebhard jedoch alle ihre Kürbisse – etwas zum Leidwesen von Jakob Gebhard. Denn seit knapp fünf Jahren wartet der Bauer darauf, dass am Ende der Saison noch genug Kürbisse da sind, um einen Weitwurf-Wettbewerb zu veranstalten. «In diesem Jahr könnte es endlich klappen», sagt Susi Gebhard und schmunzelt.

Denn das Feld, auf dem die Gebhards in diesem Jahr Kürbisse angepflanzt haben, ist grösser als jene der vergangenen Jahre. Ihr Mann könnte sich also seinen Traum eines Kürbis-Katapultes endlich erfüllen. Sie macht lieber Suppe aus den Kürbissen.

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