Halb neun Uhr morgens im Kindergarten Holderbank. «Mer gönnt go muure!», ruft ein Bub, als er sich die Regenjacke überzieht. Auch die anderen 24 Kinder schlüpfen in Gummihosen und Gummistiefel, die mit Dinos oder Pferden bedruckt sind. Dann versammelt sich die Gruppe vor dem Kindergartengebäude und blickt hangabwärts.

Akkurat am Werk

Aus einer Mulde ragt dort ein Kran empor, ein Bagger fährt übers Gelände, einige Männer sind schon bei der Arbeit. In der Baugrube entsteht der Neubau des Kindergarten Aarematt. Nach den Sommerferien soll er bezugsbereit sein. Doch zuerst müssen die Kindern mithelfen. Das Bauunternehmen Max Fischer AG hat eingeladen, mitzumauern und zu hämmern.

Die Bilder von der Baustelle:

«Darf ich den Kran steuern?», fragt Colin (5) den Maurerlehrling Pascal Bätscher. Dieser verneint lachend und setzt dem Bub einen weissen Helm auf den Kopf. Dann geht Bätscher runter in die Baugrube und zeigt den Kindern, wie man Stein für Stein eine Mauer baut. «Nur zu Übungszwecken», sagt er. «Die Mauer reisse ich nachher wieder ab.» Die Kinder schauen konzentriert zu und nehmen sich Bätscher als Vorbild. Einige benutzen gar die Wasserwaage. Oder sie tun zumindest so.

«Der spinnt doch»

Eine andere Kindergruppe wird von Bauführer Christoph Hitz instruiert. In einem Brett sind Löcher eingeschlagen, in die die Kinder Nägel hämmern sollen. Sind alle Nägel drin, entsteht daraus die Schrift «Kiga Holderbank». Die Kinder hauen drauf los.

Der Besuch des Kindergartens auf der Baustelle, das Mauerbauen und Hämmern, das alles war Hitzs Idee. «Ich wollte, dass unsere Lehrlinge und die Kinder zusammen etwas bauen», sagt der 28-Jährige. «Es bietet sich doch an, dass die Kinder involviert werden.» Seine Idee stellte Hitz an der wöchentlichen Sitzung seinen Vorgesetzten vor. «Da dachten einige ‹Der spinnt doch›», sagt Hitz.

«Gute Investition»

Das sehen Klassenlehrerinnen, Kinder und auch Herbert Anderegg, Gemeindeammann von Holderbank, anders. Anderegg steht bei den mauernden Kindern und wird von Zement bespritzt. «Die Gemeinde wächst», sagt er. Deswegen sei der neue Kindergarten auch unbedingt nötig gewesen. «25 sind das Maximum, mehr dürfen laut Kanton in keiner Abteilung sein», sagt er.

«Aber schon 2020 werden es um die 30 Kinder sein.» Das Bevölkerungswachstum sei eine Herausforderung, vor allem aus finanzieller Sicht. «Auch hat man lange nichts unternommen, um die Infrastruktur anzupassen», sagt Anderegg. Der neue Kindergarten für eine Million Franken sei eine gute Investition.

Nicht mal eine 2

Nach rund einer Stunde Arbeit haben die Kinder alle Steine aufgebraucht, die Mauer ist fertig. «Dafür würde ich in der Schule nicht mal die Note 2 bekommen», sagt Maurerlehrling Bätscher. «Aber für so junge Kinder ist das eine super Leistung.»