«Als Kind habe ich mich dafür geschämt. Alle hatten ein Auto, nur wir nicht.» Heute sieht Heinrich Haller aus Niederlenz das ein wenig anders. Das inzwischen 80-jährige Motorrad der Marke Harley-Davidson gehört praktisch zur Familie. Das beim «Love Ride» preisgekrönte Fahrzeug ist schon seit drei Generationen in ihrem Besitz.

Es hätte jedoch auch anders laufen können. Während des 2. Weltkrieges lebte die Familie im Elsass, wo das Gespann durch die deutsche Wehrmacht eingezogen werden sollte.

Dank der für das Militär zu anspruchsvollen Technik konnte die Familie ihr Fahrzeug behalten. Bis 1962 diente das rund eine halbe Tonne schwere Motorrad als Familienfahrzeug.

Hallers Vater fuhr täglich damit zur Arbeit und zu viert reisten sie in die Ferien. Heute unternimmt Heinrich Haller wieder Ausflüge und der Töff hat mittlerweile über 74 000 km zurückgelegt.

Auf Vordermann gebracht

1997 wurde die Maschine einer gründlichen Restauration unterzogen. Ziel war es, möglichst alle Originalteile zu erhalten, wofür auch Teile eines Unfallfahrzeugs verwendet wurden.

Unterstützt wurde das dreijährige Projekt vom Motorradmechaniker Bruno Müller. Pünktlich auf den Geburtstag des Vaters war die Harley wieder einsatzbereit. Die Überraschung war gelungen.

Auch sonst ist die Maschine für Unerwartetes gut. Mit diesem Motorrad könne man sogar rückwärtsfahren, erzählt der Besitzer. «Aber der Töff ist ein kleiner Umweltverschmutzer», lacht Haller.

Auf 100 km brauche er stolze 20 Liter! Angst vor Diebstahl hat der Niederlenzer nicht. Niemand könnte die Teile verkaufen, da sie doppelt registriert seien.

Die Zukunft des Oldtimers ist noch ungewiss. Entweder wird er in der Familie bleiben, oder in einem Museum in Illinois, USA, ausgestellt. Ein Verkauf sei emotional nicht tragbar.