Lenzburg

Diese Bezler haben einen eigenen Vorschlag zur Neugestaltung des Bahnhofs

1) Parking bzw. Haus der Gegenwart mit Tiefgarage, 2) aufgestocktes Bahnhofgebäude, 3) dreistöckiges Veloparking, 4) Busbahnhof, 5) bestehende Bank, 6) bestehende Villa Langenbach.

Jens (links) und Antoine zeigen das selbst gebaute Modell mit der ihrer Meinung nach optimal gestalteten Situation am Bahnhof Lenzburg:

1) Parking bzw. Haus der Gegenwart mit Tiefgarage, 2) aufgestocktes Bahnhofgebäude, 3) dreistöckiges Veloparking, 4) Busbahnhof, 5) bestehende Bank, 6) bestehende Villa Langenbach.

Zwei Bezirksschüler haben die Neugestaltung des Bahnhofplatzes zu ihrer Quartalsarbeit gemacht. Ihr Fazit: Den idealen Bahnhof gibt es nicht, selbst dann, wenn Geld keine Rolle spielt.

Die Probleme am Bahnhof Lenzburg sind hinlänglich bekannt: Pendler, die über die Strasse hasten, um ja den Anschluss an den «Seetaler» oder die SBB nicht zu verpassen. Autofahrer, die mit ihrem «Kiss & Ride» die Bahnhof-Vorfahrt verstopfen. Und irgendwo quetscht sich der Regionalbus noch durch die Reihen.

Seit über drei Jahrzehnten wird nach einer Lösung gesucht. Bisherige Vorschläge für die Bahnhofplatz-Neugestaltung sind stets versandet. Dem jüngsten Projekt «Loop» haben die SBB im vergangenen Mai den Dolchstoss versetzt.

Das haben auch die beiden Bezirksschülern Jens Leckebusch und Antoine Vermeulen mitbekommen. Es brachte sie auf die Idee, die Situation am Lenzburger Bahnhof zum Thema ihrer Quartalsarbeit an der Bezirksschule Lenzburg zu machen. Nicht zuletzt deshalb, weil auch sie mit dem Zug ins Unihockey-Training nach Bremgarten fahren. «Wir ärgern uns selber regelmässig über das ‹Puff› während der abendlichen Rushhour», sagt Jens.

Im November haben die Schüler vom Lehrer grünes Licht erhalten für ihre Idee, den «idealen Bahnhof» zu gestalten. Morgen Abend werden sie im Bezirksschulhaus das Resultat ihrer Arbeit vorstellen. Die Präsentation darf nicht länger als sieben Minuten dauern.

So entstand das Holzmodell: Jens und Antoine haben ihre Arbeit in einem Zeitraffer-Video festgehalten. Wir zeigen die besten Ausschnitte daraus.

So entstand das Holzmodell: Jens und Antoine haben ihre Arbeit in einem Zeitraffer-Video festgehalten. Wir zeigen die besten Ausschnitte daraus.

Der Weg bis zur fertigen Arbeit war viel länger. Antoine und Jens haben die Stunden nicht gezählt, in denen sie sich das Hirn zermartert haben für das Projekt. Sie haben am Computer mit Spezialsoftware an der idealen Gestaltung des Bahnhofs gepröbelt, ein dreidimensionales Modell erstellt und aus der finalen Version eines aus Holz im Verhältnis 1 zu 300 nachgebaut.

Ganz zuerst haben sie jedoch die Bedürfnisse der verschiedenen Interessensvertreter abgeholt. «Die Planung der Interviews hat uns am meisten genervt, weil sie so zeitaufwendig war», blickt Jens zurück. Doch die Gespräche mit Stadtammann Daniel Mosimann, Stadtbaumeisterin Helen Bisang und Pro-Velo-Präsident Werner Christen seien interessant gewesen. Jens sagt: «Wir sprachen zuerst mit den Leuten, weil wir keine Ahnung hatten, wie ein guter Bahnhof auszusehen hat.»

Der «Seetaler» unter die Erde

Das hat sich in der Zwischenzeit gründlich geändert: Welches sind die einschneidendsten Veränderungen gegenüber der aktuellen Situation? «Die Seetalbahn muss unter den Boden versenkt werden, die Strasse wird darüber geführt. Das gibt mehr Kapazität für den Bahnhofplatz», erklärt Antoine. Wo heute Velos abgestellt werden, sich die Busse durchzwängen und Autos parkieren, planen die Schüler einen modernen mit Glas überdachten Busbahnhof, in welchem die Busse neben- und nicht hintereinander parkieren können. Nach der Idee der Stadt Aarau. «Aarau hat einen modernen Busbahnhof, der erst noch gut aussieht», sagen die jungen Bauplaner.

Viel Grün soll am Bahnhof entstehen. Vielleicht sogar ein Park mit Bänken zum Ausruhen und einem Spielplatz. «Gras hat eine beruhigende Wirkung, was sicher nicht schlecht ist an einem Ort, wo jeden Tag gestresste Leute verkehren», sind sich Antoine und Jens einig. Auch das Bahnhofgebäude wollen die Schüler modernisieren und auf fünf Stockwerke erhöhen. Im Erdgeschoss und ersten Stock planen sie Läden mit Angeboten für den täglichen Bedarf und Dienstleistungen.

Bücher für den Stadtammann

«Herr Mosimann hätte gerne einen Bücherladen», haben sie die Wünsche des Stadtammanns registriert. Nicht fehlen darf auch eine Dönerbude für die Jungen. Direkt an den Bahnhof angebaut wird ein dreistöckiges Veloparkhaus. «Die Velos können drei Etagen hoch gestapelt werden», erklärt Jens. Das haben sie in Bern so gesehen. Die Autos wollen die Schüler künftig in einem Parkhaus gleich neben der Bank verstauen. Doch halt: Ist dieser Platz ist nicht für das Haus der Gegenwart bestimmt? Jens lacht. «Das haben wir bis zum vergangenen Freitag nicht gewusst. Aber wir haben schon eine Lösung gefunden. Das Parking wird als Tiefgarage gleich unter das neue Haus der Gegenwart gestellt.» Um diese pragmatische Vorgehensweise wird wohl mancher Planer die Schüler beneiden.

Äusserlich könnten die beiden Schüler unterschiedlicher nicht sein: Der 15-jährige Antoine ist gross und eher ein besonnener Typ, der um ein Jahr jüngere Jens klein und quirlig. Beruflich werden sie dereinst getrennte Wege gehen: Antoine will Mediamatiker lernen, Jens plant eine Karriere als Bau-Ingenieur. Gemeinsam haben sie bemerkenswerte Überlegungen zur Entwicklung der Stadt im Bahnhofbereich gemacht. Welches Fazit ziehen die Schüler aus der Arbeit? Jens lacht und sagt: «Es wird nicht möglich sein, den idealen Bahnhof zu machen. Irgendjemand motzt immer.»

Bezirksschullehrer Tarzis Lüscher hat Antoine und Jens als Mentor begleitet. Er sagt: «Ich finde spannend, dass die zwei Schüler sich mit diesem Thema für ein Stück öffentlichen Lebensraum interessieren, eigene und fremde Ideen dazu einbringen. Sie interessieren sich für die Zukunft von Lenzburg.»

Um eines aber dürften die Fachleute, die sich tatsächlich um den künftigen Bahnhofplatz kümmern müssen, die Schüler beneiden: Antoine und Jens konnten ihrer Kreativität bei den planerischen Überlegungen freien Lauf lassen. Ohne Rücksicht auf finanzielle Konsequenzen. Für einmal spielte das Geld keine Rolle. Die az hat bei Stadtbaumeisterin Bisang eine Grobkostenschätzung für das Projekt erbeten. Die Antwort: «Infrastruktur mit Gebäuden, Busbahnhof und Platz zusammen ca. 300 bis 400 Mio.. Dies ohne Einbezug der unterirdischen Linienführungen.»

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