Lenzburg

«Diese Bäume haben eine besondere Bedeutung»

Auf dem Waldumgang erlebten 60 Teilnehmer den Wald neu. Die Bäume des Reviers sind für viele Einwohner sehr wichtig. Dies erklärt auch die wachsende Beliebtheit des Waldfriedhofs.

Auf historischen Spuren bewegten sich am Samstag die rund 60 Teilnehmer des Lenzburger Waldumgangs. Vom Startpunkt Kadettenbrunnen führte die spätsommerliche Wanderung unter der Leitung von Stadtoberförster Frank Haemmerli auf einer ersten Etappe in leichten Schritten an die Grenzlinie zwischen Niederlenz und Lenzburg.

Beim höchsten Punkt des Niederlenzer Gemeindegebiets, der seit vier Jahren mit einem eindrücklichen Quarzit-Findling markiert ist, machte der Niederlenzer Dorfchronist Willi Bürgi auf die Kalköfen aufmerksam, die 1935 im Waldgebiet Boll gefunden wurden. «Leider sind die Öfen im Jahr des Fundes auch gleich zerstört worden», sagte Bürgi, «erhalten geblieben sind aber die Zeichnungen, die von den Brenneinrichtungen angefertigt wurden.»

Zwei Infotafeln zum Züriweg

Eine weite Strecke des Waldumgangs führte über den historischen Alten Züriweg, der neuerdings dank der Arbeit der Forstdienste Lenzia wieder gut sichtbar und begehbar ist. Im vergangenen Jahr hatte der Strafrechtsprofessor und Präsident des Schweizer Heimatschutzes Martin Killias die Initiative ergriffen, um die mittelalterliche Hauptstrasse, welche einst die Romandie mit Zürich verband, wieder aufzuwerten. «Natürlich können wir nur spekulieren, wie die Strasse vor Jahrhunderten genau genutzt wurde», sagte Killias. «Es scheint mir aber plausibel zu sein, dass die Zürcher auf diesem Weg in die Schlacht bei Murten gezogen sind.»

Gemeinsam mit Cornel Doswald, dem Fachexperten für historische Wege, enthüllte Killias am Samstag auch zwei Informationstafeln, die über den Alten Züriweg, der 1510 ein erstes Mal dokumentarisch belegt wurde, informieren.

Halt machte der informative Waldspaziergang, der von der Ortsbürgergemeinde Lenzburg organisiert wurde, auch bei den himmlischen Eichen in der Nähe des Niederlenzer Altfelds, wo sich seit März 2016 ein Waldfriedhof befindet. Projektleiter Markus Dietiker sagte, dass sich bereits viele Personen über die Möglichkeit einer Waldbestattung informiert hätten. Auch aus diesem Grund seien bereits Erweiterungen des Waldfriedhofs an anderen Stellen des Forsts angedacht. «Wir nehmen wahr, dass es den Menschen wichtig ist, einen Bezug zu dem Waldstück zu haben, in dem sie bestattet werden möchten», so Dietiker.

Die zauberhaften Eigenheiten des Lenzburger Waldes betonte die Erzählerin Therese Wüthrich mit zwei unterhaltsamen Märchen über einen Pakt, der ein Jäger mit dem Teufel schliesst, und über eine sprechende Fichte.

173 Zentimeter Durchmesser

Den Schlusspunkt des erfrischenden Waldspaziergangs bildete der Besuch des dicksten Nadelbaums im Forstrevier Lenzia. Mit einem Durchmesser von 173 Zentimetern ist die Rottanne die Titanin unter den bisher kartierten 500 Baumriesen im Wald, die alle einen Brusthöhendurchmesser von über 90 Zentimetern aufweisen. «Diese Bäume haben eine besondere Bedeutung für die Ökologie und sie sind eine Bereicherung für die Waldspaziergänger», sagte Stadtoberförster Haemmerli.

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