Dintikon

Diese 25-Jährige ist Herrin über 4000 Turner

Während des zweiwöchigen Aufbaus ist Sandrine Bärtschi täglich 16 Stunden im Einsatz.

Während des zweiwöchigen Aufbaus ist Sandrine Bärtschi täglich 16 Stunden im Einsatz.

Vier Tage, 33 Disziplinen, 4000 Turner, 1600 Besucher und ein Budget über eine halbe Million Franken: Das Kreisturnfest Dintikon der Regionen Lenzburg-Seetal und Freiamt ist eine grosse Nummer. An diesem und am nächsten Wochenende.

Mittendrin, nein, an der Spitze, steht eine junge Frau: die 25-jährige Sandrine Bärtschi. Vor drei Jahren haben sie ihre Turnkollegen zur OK-Präsidentin gemacht, quasi aus dem Nichts, frühere Turnfeste kennt sie nur als Besucherin. Wie stemmt sie die Organisation dieses riesigen Anlasses? «Viel fragen. Und ich habe viel gelesen», schmunzelt Sandrine Bärtschi.

«Was für Versicherungen brauchen wir, bis zu welcher Windstärke halten unsere Zelte, was verlangt der Lebensmittelinspektor, was kosten Holzschnitzel für den Boden und wie viel brauchen wir davon?» Die Schnitzel sind teuer. Sandrine Bärtschi hat auf dem Festgelände trotzdem mehr ausgelegt als die meisten professionellen Musik-Festivals. «Es soll den Leuten ja auch gefallen.» Und das tut es, schon jetzt. «Ich glaube, mittlerweile hat jeder Dintiker schon vorbeigeschaut, um sich das Gelände anzusehen.»

Physiotherapeutin in Luzern

Wer ist die OK-Präsidentin? Eine Dintikerin durch und durch – auch wenn sie seit drei Jahren in Luzern wohnt, wo sie im Kantonsspital in der Neuroregeneration arbeitet. Dort hilft die Physiotherapeutin Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben, unter multipler Sklerose leiden oder sich von einer Hirnentzündung erholen. Sandrine Bärtschi wohnt in einer 3er-WG, am Theaterplatz mit Sicht auf die Kapellbrücke. Doch so schön Luzern auch ist, zu Hause ist Sandrine Bärtschi in Dintikon bei ihren Eltern und ihrem Turnverein. Seit dem Muki-Turnen gehört sie ihm an, seit acht Jahren ist sie im Vorstand des Damenturnvereins. Und in Wohlen hat sie die Kanti besucht.

Das Gewerbe half mit

2003 fand in Dintikon letztmals ein Kreisturnfest statt. Sandrine Bärtschi war schon damals dabei, turnte als 11-Jährige mit. Das macht sie auch jetzt – trotz ihrer Funktion als OK-Präsidentin. Über ihre Arbeit für das Turnfest sagt sie: «Die Behörden waren immer super und dem lokalen Gewerbe haben wir unglaublich viel zu verdanken. Es war schön, zu sehen, wie viele Unternehmen sogar auf uns zugekommen sind und einfach gefragt haben, ob wir etwas brauchen». Der Vater eines OK-Mitglieds sponserte kurz entschlossen einen schönen hölzernen Brunnen. «Weil es hier einfach einen Brunnen haben muss, hat er gesagt», lacht Bärtschi.
«Solche Dinge machen es eben auch aus», sagt sie, dreht sich um und ruft vom grossen Speakerturm herunter einem Glaceverkäufer zu, der seinen Stand doch bitte noch zwei Meter verschieben soll. Die Helfer und OK-Kollegen, die unter ihr herumwuseln, witzeln über die Chefin auf dem hohen Turm: «Jetzt steigt es ihr in den Kopf!»

«Eine Festbank kostet ...»

Mit ihren elf OK-Kollegen («Ein Superteam!») opfert sie seit drei Jahren viel Freizeit, um nun 75 Vereinen ein perfektes Turnfest zu ermöglichen. «Es gibt auch viele Kleinigkeiten zu beachten». Die Technik wird ausser Reichweite der Besucher montiert, damit auch ja kein Kabel wegkommt. Im Festzelt werden die Turner darüber informiert, wie teuer so eine Festbank ist. «Turner steigen gerne mal auf die Tische und da bricht auch schon mal einer. Das ist ja nicht so schlimm, wir schicken dann einfach eine Rechnung».

Ist die Organisation des Anlasses auch ein Kurs in Event-Management? «Das ist besser als jeder Kurs, den es gibt!», sagt Bärtschi. Doch ob sie so etwas noch einmal machen wird, lässt sie offen. «Wenn alles vorbei ist, will ich erst einmal eine Pause, vielleicht zum Reisen. Aber ich bin schon eine Person, bei der immer etwas los sein muss. Als Nächstes folgt wohl der Master in Neuroregeneration».

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