Lezburg
Die Zottelviecher fühlen sich wohl am Gofi-Hang

Wer sie sieht, bleibt fasziniert stehen und schaut ihnen eine Weile zu, den gemütlichen Zottelviechern. Eigentlich heissen sie Highland Cattles und kommen – wie der Name sagt – aus Schottland. Brigitte Vogel züchtet die Tiere seit sieben Jahren.

Toni Widmer
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Highland Cattles am Lenzburger Gofi: Wunderschöne Tiere, in die sich nicht nur Kinder auf Anhieb verlieben. Fotos: toni widmer

Highland Cattles am Lenzburger Gofi: Wunderschöne Tiere, in die sich nicht nur Kinder auf Anhieb verlieben. Fotos: toni widmer

In der Schweiz dürfen diese Tiere erst seit 1990 offiziell gezüchtet werden, sie haben sich seither aber schon recht gut verbreitet. Dazu beigetragen hat das Projekt «Robustrinder auf kargen Böden», das die Landwirtschaftliche Beratungsstelle (LBL) 1993 lancierte. 40 Betriebe nahmen damals an diesem 5 Jahre dauernden Versuch teil und importierten Highland Cattles als Nutztiere. Mit durchschlagendem Erfolg.

Bürgihof für Haltung prädestiniert

Brigitte Vogel musste vor sieben Jahren nicht lange studieren, welche Rasse sie auf dem neu erworbenen Bürgihof am Fusse des Lenzburger Gofi ansiedeln wollte. Der Hof liegt im Landschaftsschutzgebiet, die steilen Gofi-Hänge dürfen nur extensiv bewirtschaftet werden. «Normale Kühe würden auf diesen kargen Weiden kaum satt. Für die sehr genügsamen Hochlandrinder sind die Bedingungen aber ideal», erklärt die Feierabend-Bäuerin, welche hauptberuflich die Gartenbauschule in Niederlenz leitet.

Mit zwei Kühen und einem Kalb hat Brigitte Vogel angefangen, mittlerweile ist die Herde auf 13 Tiere angewachsen. Gezüchtet werden sie streng nach den Label-Anforderungen der Highland Cattle Society, in deren Schweizer Organisation Brigitte Vogel Mitglied ist. Ziel ist eine natürliche Haltung, welche die Produktion von hochwertigem und schmackhaftem Fleisch gewährleistet.

Schlachtreife erst ab 20 Monaten

Dazu gehört, dass die Tiere in offenen Laufställen gehalten werden und das ganze Jahr über weiden dürfen. Vorgeschrieben ist weiter auch eine natürliche Begattung der Kühe. Die männlichen Tiere in Vogels Herde sind allerdings kastriert: «Das gibt mehr Ruhe auf der Weide, sonst müssten wir die geschlechtsreifen männlichen Tiere von den Kühen trennen», erklärt sie. Für den Natursprung leiht sich die Lenzburgerin jeweils für zwei bis drei Monate einen Stier von anderen Schweizer Züchtern aus. So ist auch eine gute Blutauffrischung garantiert.

Ihre Kälber bringen die Hochlandkühe selbstständig zur Welt: «Die Tiere gebären sehr leicht, weil die Kälbchen mit rund 25 Kilo nicht schwer sind», erklärt die Züchterin. Mit natürlichem Futter – Gras, Heu, gelegentlich etwas Buschwerk und natürlich ab und zu trockenem Brot von Spaziergängern – wachsen die Tiere am Lenzburger Gofi langsam heran. Highland Cattles sind erst im Alter von 20 bis 28 Monaten schlachtreif. Das verleiht ihrem Fleisch seinen unverwechselbaren kräftigen und würzigen Geschmack.

Grossen Kundenkreis gewonnen

Um dessen Absatz braucht sich denn auch die Lenzburger Züchterin nicht zu sorgen: «Ursprünglich wollte ich gar kein Fleisch produzieren. Mittlerweile schlachten wir vier viermal pro Jahr und dennoch übersteigt die Nachfrage das Angebot bei weitem», sagt Brigitte Vogel. Unter ihren Kunden gebe es sogar Leute, die würden ausschliesslich das Fleisch von ihren Tieren essen und sonst vegetarisch leben: «Sie können sich mit der natürlichen Haltung identifizieren und das Fleisch deshalb geniessen.»

Attraktion für Spaziergänger

Die Highland Cattles am Gofi sind nicht nur gute Landschaftspfleger, sie sind laut ihrer Züchterin auch sehr gute Botschafter für eine naturnahe Landwirtschaft. «Ich komme viel mit Menschen ins Gespräch, die an der Weide stehen bleiben, die Tiere beobachten und dann wissen wollen, wie sie gehalten werden.» Die Herde, sagt Vogel, sei vor allem am Wochenende auch oft das Ziel von Familienspaziergängen.

Den Aufwand für die Pflege ihrer Tiere bezeichnet die Züchterin als vergleichsweise gering: «Ein einzelner Hund gibt mehr Arbeit als meine ganze Herde zusammen.»