Birrwil

Die zersplitterte Landwirtschaftszone mit 1270 Parzellen soll neu gegliedert werden

Die Gemeinde Birrwil vom Hallwilersee.

Die Gemeinde Birrwil vom Hallwilersee.

Kanton und Gemeinderat wollen das Birrwiler Kulturland mit einer sogenannten Modernen Melioration von Grund auf neu strukturieren. Parzellen werden neu definiert, wo nötig zu grösseren Einheiten zusammengefasst und anders erschlossen.

In kaum einer Gemeinde im Kanton ist das Landwirtschaftsland so zersplittert wie in Birrwil. Die rund 200 Hektaren verteilen sich auf 1270 Parzellen. Diese gehören etwa 600 Grundeigentümern und sind grossmehrheitlich verpachtet.

Das ist für die sieben Birrwiler Bauern umständlich. Die Wege zu ihren Felder sind lang und die Bewirtschaftung mühsam. Mehrere Schutzzonen wie das Hallwilersee-Schutzdekret, die Topografie sowie Bäche mit Hochwasserrisiko erschweren die Arbeit zusätzlich. Die Zersplitterung des Landwirtschaftslandes zeigt sich zudem auf den Strassen und Wegen, die zur Hälfte in Privatbesitz sind: Das Wegnetz ist in schlechtem Zustand. Oft ist unklar, wer wofür verantwortlich ist.

Melioration Birrwil, www.berbuer.blog

Melioration Birrwil, eine kurze Erklärung

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Das ganze Dorf soll profitieren

Diese Situation soll verbessert werden. Kanton und Gemeinderat wollen das Birrwiler Kulturland mit einer sogenannten Modernen Melioration von Grund auf neu strukturieren. Der Plan: Parzellen werden neu definiert, wo nötig zu grösseren Einheiten zusammengefasst und anders erschlossen. Das soll die Landwirtschaft im Dorf fit machen für die Zukunft.

Nach einem Nein im Jahr 2009 hatte die Gemeindeversammlung im Sommer 2013 rund 52 000 Franken für die Vorplanung einer solchen Melioration bewilligt. Inzwischen liegt der Entwurf vor. Am 9. Juni stimmt nun Birrwil an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung über das Projekt ab. Laut Gemeinderat bringt die geplante Melioration auch Vorteile für das ganze Dorf: Die privaten Flurwege sollen der Gemeinde übertragen werden, was einen zuverlässigen Unterhalt sicherstellt. Aus diesem Grund soll die Gemeinde auch mehrere Grundwasserschutzzonen übernehmen. Gezielte Massnahmen an Bächen reduzieren zudem die Gefahr von Überschwemmungen: Unter anderem sollen Dorf- und Chräjenlochbach auf einer Gesamtlänge von 330 Meter geöffnet werden.

Ein Nein ist teurer als ein Ja

Die geschätzten Kosten der Meliorationen belaufen sich auf 5,75 Millionen Franken (+/- 15 %). Bund und Kanton beteiligen sich mit je rund 2 Millionen Franken, der Anteil der Gemeinde Birrwil beträgt 1,35 Millionen. Dieser Betrag soll gestaffelt über die ganze Projektdauer von rund 10 bis 15 Jahren ausgegeben werden.

Finanziell beteiligen müssen sich auch die Grundeigentümer, und zwar mit total 370 000 Franken. Betroffen ist hier auch die Gemeinde (30 000 Franken). Die durchschnittlichen Kosten für die Grundeigentümer betragen 1600 Franken pro Hektare und werden nach dem sogenannten Vorteilsprinzip erhoben: Wer weniger von der Melioration profitiert, zahlt weniger.
Sagt die Gemeindeversammlung Ja zur Melioration, wird das Projekt ausgearbeitet und durch eine Genossenschaft durchgeführt. Mitglieder sind die Grundeigentümer, die in der Planung mitreden können. Ziel ist laut Gemeinderat eine möglichst gerechte Neuzuteilung der Parzellen.

Sagt die Gemeindeversammlung Nein, müssen viele Massnahmen der Melioration (u. a. Sanierung Wegnetz) trotzdem umgesetzt werden. Das würde Birrwil laut Gemeinderat etwa doppelt so viel kosten als die 1,35 Millionen der Melioration, weil Beiträge von Bund und Kanton ausbleiben.

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