Sabine Wüst

Die Wildbienenflüsterin: Diese Meisterschwanderin ist begeistert von den kleinen Insekten

«Über 70 Prozent der Wildbienen nisten im geeigneten Boden im Garten», so Sabine Wüst.

«Über 70 Prozent der Wildbienen nisten im geeigneten Boden im Garten», so Sabine Wüst.

Die Meisterschwanderin Sabine Wüst war von Wildbienen so begeistert, dass sie zur Expertin in ihrer Pflege wurde.

Die Liebe zwischen Sabine Wüst und den Wildbienen begann vor acht Jahren mit einer Situation, die viele als Problem sehen würden. «Jedes Mal, wenn wir die Schlafzimmerfenster geöffnet haben, bröckelte etwas raus», erzählt sie. Schnell merkte Wüst, dass Wildbienen versuchten, in den Dichtungen im Fensterrahmen ihre Nistplätze einzurichten. Anstatt die Tiere zu vertreiben suchte die 45-Jährige eine Lösung. «Ich sagte zu meinem Mann, dass es doch eine Möglichkeit geben müsse, den Wildbienen einen alternativen Nistplatz anzubieten», so Wüst.

Sie konsultierte das Internet und kaufte sich Fachliteratur. «Wenn ich Projekte starte, dann immer unter dem Motto: Ganz oder gar nicht», sagt sie lachend.

Kein weiches Holz für Nisthilfen

Wüst fing an, in Eigenregie Nisthilfen zu bauen, um den Wildbienen einen Unterschlupf zu bieten. Der Grösste steht noch heute vor ihrer Haustüre, bestückt mit Tausenden von Bambusröhrchen und Holzklötzen mit Bohrlöchern. «Das war mein Lehrblätz», erklärt sie. Sie habe während des monatelangen Baus an der Nisthilfe enorm viel gelernt; was tauge und was nicht.

Bambusröhrchen müssen hinten verschlossen sein und dürfen sich nicht spalten, an splitterigen Bohrlöchern können sich die Bienen zudem ihre Flügel verletzen. Auch zu weiches Holz oder solches, das von der Stirnseite her angebohrt wurde, sei für eine Nisthilfe nicht geeignet. Wüst bezog Eschenholz aus der Sägerei, liess es zu passenden Blöcken schneiden und bohrte Löcher rein. Dass die Nisthilfe, die mitten im Garten steht, funktioniert, beweisen die vielen geschlossenen Kammern, in denen Wildbienen ihre Brut hinterlassen haben.

Eine Wildbiene bei der Futterbeschaffung, festgehalten von Sabine Wüst.

Eine Wildbiene bei der Futterbeschaffung, festgehalten von Sabine Wüst.

Ihr gesammeltes Wissen publizierte Wüst auf der Website swildbienehuus.ch. Dort erfahren die Besucher nicht nur, wie man eine gute Nisthilfe baut, sondern auch, wie man seinen Garten bienen- und insektenfreundlich machen kann. «Über 70 Prozent der Wildbienen nisten in geeignetem Boden im Garten. Weniger als 30 Prozent nutzen die von Menschen angebotenen Nisthilfen, meist ist es die verbreitete Rostrote Mauerbiene», erklärt Sabine Wüst. «Mein Mann und ich haben viele Jahre daran gearbeitet, unseren Garten so bienenfreundlich wie möglich zu machen.» Bienenfreundliche Pflanzen seien beispielsweise Pfirsichblättrige Glockenblumen, Steinquendel, Natternkopf und viele Gewürzkräuter, die man ausblühen lässt.

Im Umgang mit Menschen absolut friedlich

Ihr Wildbienenprojekt hält die Meisterschwanderin auch fotografisch fest. «Ich habe mir dafür extra ein geeignetes Objektiv gekauft und habe Stunden im Garten und vor den Nisthilfen verbracht», sagt sie. Dabei entstanden Tausende von Aufnahmen. Von Bienen bei der Futtersuche, beim ersten Ausflug aus der Nisthilfe und auch von Paarungen. Angst gestochen zu werden, hat Sabine Wüst nicht: «Wildbienen haben keine Königin, bilden im Gegensatz zu den Honigbienen keinen Staat, den sie verteidigen müssen. Deshalb sind sie im Umgang mit Menschen auch absolut friedlich», erklärt sie.

Ihre Faszination für die Tiere habe sie auch nach acht Jahren noch nicht verloren: «Wenn sie im Frühling ausfliegen, setze ich mich mit meinem Kaffee vor die Nisthilfen und beobachte die Bienen. Das ist unglaublich entspannend», so Wüst.

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