Lenzburg
Die weltgrösste Zahnrad-Lok ist auf Aargaus Strassen unterwegs

Sie wiegen 120 Tonnen, sind 19 Meter lang, leisten 7800 PS und sind damit die grössten und stärksten Zahnradlokomotiven auf der Welt. Ein Aargauer Unternehmen ist für den Transport der grössten Zahnradlokomotiven von Stadler Rail zuständig.

Toni Widmer
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Im Schritttempo durch den Kreisel in Nussbaumen: der Schwertransport in der Dienstagnacht unterwegs zum Rheinhafen. Toni Widmer

Im Schritttempo durch den Kreisel in Nussbaumen: der Schwertransport in der Dienstagnacht unterwegs zum Rheinhafen. Toni Widmer

Sie wiegen 120 Tonnen, sind 19 Meter lang, leisten 7800 PS und sind damit die grössten und stärksten Zahnradlokomotiven auf der Welt. Gebaut hat Stadler Rail in Bussnang davon sieben Stück für die brasilianische MRS Logistica. Der Wert dieser Lokomotiven beläuft sich inklusive Reservematerial auf rund 60 Mio. Franken.

In den nächsten Wochen werden die Loks auf dem Landweg von Bussnang zum Rheinhafen in Muttenz transportiert, die zweite ist in der Nacht auf Dienstag dort angekommen. Vom Rheinhafen aus geht es auf dem Wasserweg weiter nach Brasilien. Die mächtigen Zugmaschinen werden auf der Güterstrecke von São Paulo zum Hafen von Santos im Einsatz stehen.

Dort haben sie auf einem 10 Kilometer langen, mit Zahnstangen ausgerüsteten Abschnitt, Steigungen von bis zu 104 0/00 zu überwinden. Zwei Loks in Doppeltraktion werden über diese Steigungen jeweils eine Anhängelast von maximal 850 Tonnen ziehen.

Lenzburger Logistik

Höchstleistung ist vorerst auch beim Transport der Lokomotiven gefragt. Geplant und durchgeführt werden diese von der Schwerkraft Logistik Lenzburg, die Markus Weber 2005 als Privatunternehmen gegründet hat. «Ich war als Chauffeur mit vielen Schwertransporten unterwegs und habe dabei einiges gesehen, das verbesserungswürdig war. Jetzt kann ich meine Ideen von damals umsetzen.»

Seit 2010 ist die Firma eine Aktiengesellschaft unter Beteiligung der deutschen Speditionsfirma Bender GmbH. «Dieses Unternehmen verfügt über viel Know-how und einen entsprechenden Fahrzeugpark. Wir können sehr viel voneinander profitieren.»

Schwertransporte, erläutert Markus Weber, werden von langer Hand vorbereitet. «Mit dem Transport der sieben Lokomotiven haben wir uns über rund 9 Monaten immer wieder befasst. Unter anderem war ich mehrmals im Werk in Bussnang, um mit den Konstrukteuren der Loks den Einbau spezieller Befestigungspunkte zu planen.» Der erste Schritt für einen reibungslosen Transport sei der sichere Verlad, erklärt Weber.

Der Transportweg wird mehrmals abgefahren. Das letzte Mal am Tag vor dem Transport. Dennoch seien Überraschungen auf der Route nie ganz ausgeschlossen. Die fachliche Kompetenz und Seriosität der jungen Lenzburger Firma ist nicht unentdeckt geblieben. Weber beschäftigt bereits ein Dutzend Leute und hat sich in der Branche einen sehr guten Namen geschaffen.

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