Brunegg
Die Welt schreit nach Militärrucksäcken – ein Paar macht daraus ein Geschäft

In der Vianco-Arena wütet wieder das Schnäppchenjagdfieber – ein Paar hat ein Geschäft gerochen.

Peter Weingartner
Merken
Drucken
Teilen
Vianco-Arena Armee Militär
3 Bilder
Bild mit Béret fürs Album.
Bregenzers sind fündig geworden.

Vianco-Arena Armee Militär

Peter Weingartner

Jahrmarkt-, Flohmarkt-, Schnäppchenjagdstimmung in der Vianco-Arena in Brunegg: Fritz Dick bietet bis Allerheiligen Armee-Material und andere Liquidationsartikel feil. In zwölf Tagen pilgern an die 30 000 Personen in die grosse Halle.

Kultobjekte

Was haben die beiden jungen Frauen mit so vielen Segeltuch-Militärrucksäcken vor? Zwei Einkaufswagen voll haben sie damit überladen. Cheryl Mallari von den Philippinen und Sarah Fitzmaurice aus Australien machen keinen Hehl aus ihren Absichten: «Wir haben in Zug einen Online-Shop, und es gibt Leute aus den USA, China, Australien, England, die auf solche Originalteile abfahren.»

Zufällig seien sie auf diesen Liquidationsverkauf gestossen, und nun hoffen sie auf den grossen Reibach. Was sie für 49 Franken erwerben, schreiben sie im Internet für 137,92 Euro aus. Eine Verdreifachung des Wertes also. «Sie nehmen nicht alle», weiss Fritz Dick, «es muss das richtige Leder sein an den Riemen.»

Die Schweiz als Marke werden die Brotsäcke und Munitionstaschen in diesem Shop doch als «Hand-picked in Switzerland» angepriesen. Ein Kunde habe bei ihm 250 Rucksäcke bestellt, so Dick, doch so viele hat er zurzeit nicht.

Etwas Nostalgie

Armeematerialverkauf: ein Paradies für Rechtsextreme? Fritz Dick winkt ab, und der Augenschein gibt ihm recht. Das Publikum ist so heterogen wie die Gesellschaft. Da sind Leute jeden Alters und beiderlei Geschlechts, die sich günstig mit nützlichen Dingen eindecken.

Andere sticht der Gwunder, und der Geruch nach Militär, vor allem bei den Textil- und Lederwaren, weckt Erinnerungen. So bei Marion Thalmann aus Thalheim, die einen elastischen Gurt prüft. «Ich bin sicher, dass ich heute etwas finden werde», sagt die Frau Hauptmann, die 1999 die Rekrutenschule gemacht und es zu mehr als 900 Diensttagen gebracht hat.

Die wenigsten planen ihre Jagd mit dem Katalog; vielmehr lässt man sich vom Angebot leiten. Da lässt sich eine Frau mit Armee-Béret fotografieren, und ein junger Mann macht ein Selfie mit der Mütze der italienischen Finanzpolizei. «Damit siehst du aus wie ein Terrorist», sagt eine Frau zu ihrem Mann, der einen schwarzen «Kopfpariser» begutachtet.

Heimwerker und Camper

Das Sortiment ist gewaltig, und Fritz Dick hat es erweitert um Waren aus Liquidationen, vom Fliegengitter übers Beachball-Set bis zum Whiskyglas. Einen grossen Raum nimmt die Campingabteilung ein. «Wir haben einen Willys-Jeep MB-43», sagt Peter Bregenzer aus Ermensee im luzernischen Seetal. Jahrgang 43.

Und da die Familie mit diesem Militärfahrzeug gerne zum Bräteln in den Wald fährt und auch im Garten Arbeit wartet, schlagen Bregenzers zu: Klappspaten, kleine Gartenhacken für die Kinder Denise und Pierre, Schaufel, Beil.

Auch viele Heimwerker werden fündig: Pinsel, Farbwalzen, Zangen, Bohrer, Hammer, Maurerkellen, Elektromaterial. Und für den kleinen Unfall gibts Pflästerli mit Schweizer Kreuz auf der Verpackung.

Schoggi und Biscuits

Vor der Kasse bilden sich Schlangen. Da locken Militärschoggi und Militärbiscuits. Zahlen bezüglich Umsatz verrät Fritz Dick nicht. Aber er weiss: Von 100 Besuchern geht kaum einer mit leeren Händen nach Hause. Handschuhe, Socken, Arbeitskleider samt Schuhen, Gnägi-Leibchen in diversen Farben.

Die Jahreszeit stimmt fürs Geschäft, denn der Winter wird kommen. Auch die Hauptfrau aus Thalheim hat ihren Korb gefüllt. Und ihrem Begleiter gefällt die Geschäftsidee der beiden Rucksack-Hamsterinnen aus Übersee.