Othmarsingen
Die Waldbewirtschaftung ist ein Hochseilakt

Die Forstkommission und die Ortsbürgergemeinde luden zu abendlichem Waldspaziergang. dabei zeigte sich auch: Die Waldbewirtschaftung, die Holzernte, wird heute mit mehr und grösseren Maschinen als früher ausgeführt.

Brigitte Widmer
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Frank Haemmerli, Leiter der Forstdienste Lenzia, informierte die Othmarsinger Waldumgangteilnehmer. bwi

Frank Haemmerli, Leiter der Forstdienste Lenzia, informierte die Othmarsinger Waldumgangteilnehmer. bwi

Der letztjährige Holzschlag im Othmissinger Wald (Paradiesli und Birch) hat einige heftige Reaktionen und Vorwürfe ausgelöst. Um mit Vorurteilen aufzuräumen und die Bevölkerung zu informieren, lud die Forstkommission und Ortsbürgergemeinde Othmarsingen zu einem klärenden Waldspaziergang.

Erhitzte Gemüter traf man am Dienstagabend beim Treffpunkt Bahnhof keine. Dafür über siebzig Othmissinger mit Lust auf einen ausgiebigen Waldspaziergang. Kernthema des Abends war für einmal nicht der Naturschutz, sondern die Waldbewirtschaftung.

Frank Haemmerli, Leiter Forstdienste Lenzia, und Marcel Zurbuchen (Revierleiter) fackelten nicht lange und führten die Gäste über die Autobahnbrücke direkt an den «Ort des Verbrechens». Entlang der Autobahn und SBB-Gleise wurde der Wald augenfällig zurückgeschnitten. Der freigehaltene Gürtel an der Hochleistungsbahnstrecke, einer der neuralgischen Punkte der SBB, war eine notwendige Sicherheitsmassnahme, wie man am knapp zweistündigen Rundgang erfuhr.

Das Waldbild ändert

Gesellschaft, Ökologie und Wirtschaftlichkeit sind wichtige Begriffe der Forstbetriebe. Die drei Aspekte optimal zu vernetzen, verlangt Fachwissen, handwerkliches Können und nicht zuletzt auch etwas Diplomatie. Früher wurden ganze Waldgebiete gleichzeitig abgeholzt und wieder aufgeforstet. Heute setzt man auf das helle, gestufte Waldbild.

Mit der «kosmetischen Schlagräumung», einer sanften, gezielten Abholzung und einer partiellen Aufforstung werden die Waldgebiete harmonisch gepflegt. Durch Bearbeitung kleinerer Zellen schafft man eine «Jungmannschaft», welche parallel neben älteren Bäumen aufwächst.

Die Waldbewirtschaftung, die Holzernte, wird heute mit mehr und grösseren Maschinen als früher ausgeführt. So genannte Rückegassen, welche den Waldboden oft verunstalten, sind dabei ein Dauerthema. Rückegassen bezeichnen den Weg, der zum Verschieben des Holzes durch Maschinen vom Hieb-Ort zum Verladeplatz dient. Durch die drei bis vier Meter breiten Gassen führen alle Gerätschaften, mit welchen die Bäume ein Leben lang gepflegt werden. Frank Haemmerli und Marcel Zurbuchen erklärten die Hintergründe und welche Vorschriften die Forstdienste einzuhalten haben.

Gespräche bei Pizza und Rotwein

Nach dem erholsamen und interessanten Waldspaziergang lud die Ortsbürgergemeinde (Besitzerin des Waldes) alle Teilnehmer zu Pizza und einem Glas Rotwein ins Restaurant La Bussola ein. Kommissionspräsident Walter Urech dankte im internationalen Jahr der Wälder 2011 allen Anwesenden. Ein gelungener Anlass, wobei viele Vorurteile abgebaut wurden.

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