Eine Vielzahl der Bewohner des Seetals sehen in der Realisierung einer neuen Veloroute um den Hallwilersee eine «Aufwertung der Region». Doch so weit wird es wohl nicht kommen. Wegen den grossen praktischen Problemen – auch und gerade bei der Wahl der Strecke – wird die Übung bald abgebrochen.

Vor gut eineinhalb Jahren brachte der Gemeindeverband «Lebensraum Lenzburg Seetal» (LLS) die Diskussion über eine zusätzliche Radstrecke, am liebsten zwischen Seeufer und Kantonsstrasse, erneut aufs Tapet.

An der Seetaler Gewerbeausstellung in Seengen im Oktober 2014 wurden Projektskizzen präsentiert und eine Umfrage unter den Messebesuchern lanciert. Eine grosse Mehrheit sprach sich für das Ansinnen aus.

«Nicht sofort beerdigt»

In der Zwischenzeit hat sich der «Lebensraum» intensiv mit dem Projekt auseinandergesetzt, eigene Arbeitsgruppen eingesetzt und einen Workshop durchgeführt. Im letzten Januar wurde ein Zwischenbericht in die Vernehmlassung gegeben.

Die Rückmeldungen von beteiligten Gemeinden und interessierten Verbänden waren ernüchternd. Der «Lebensraum»-Vorstand nahm die Zusammenfassung der Reaktionen an seiner jüngsten Sitzung zur Kenntnis.

Weil das Resümee den Delegierten der 24 Mitglied-Gemeinden erst kurz vor der Sitzung zugänglich gemacht wurde, wurde das Projekt «nicht sofort beerdigt», so «Lebensraum»-Präsident Daniel Mosimann. Man wolle allen Mitgliedern die Gelegenheit geben, die Rückmeldungen in Ruhe zu lesen und mit den Gemeinderatskollegen zu besprechen: «Dann entscheiden wir an der nächsten Vorstandssitzung im September», so Mosimann.

Droht ein Overkill?

Den Zeitgewinn will man offensichtlich nutzen, um die unvermeidliche Beerdigung etwas schicklicher zu gestalten. Denn von der ursprünglichen Absicht, «die Entwicklung einer realisierbaren Radroute Hallwilersee für Freizeitvelofahrende», bleibt nach der Auseinandersetzung mit den örtlichen Begebenheiten und Befindlichkeiten recht wenig übrig. «Seitens LLS kann auf die Auslösung der Phase 2 verzichtet werden», schreibt Gabi Lauper Richner als Vorsitzende der LLS-Kerngruppe Regionalplanung und vor allem als Leiterin der Steuergruppe Veloroute Hallwilersee in ihrem Fazit.

Die Phase 2 hätte die Abklärung der Besitzverhältnisse, den Landerwerbsplan, sowie eine Grobkostenschätzung auch für flankierende Massnahmen umfasst.

Wie Lauper den «Lebensraum»-Vorstandsmitgliedern erläuterte, ging es bei den Diskussionen und Stellungnahmen auch um Grundsatzfragen der Nutzung des Naherholungsgebietes Seetal: «Wie viel Tourismus mag es leiden? Führt die neue Veloroute bei einem zu grossen Erfolg gar zu einem Overkill?» Die Quadratur des Kreises hätte gefunden werden müssen, denn die neue Radroute hätte, so eine Vorgabe, attraktiv sein sollen.

Limiten am Westufer

Die Veloroute Hallwilersee sollte zudem zur «Entflechtung von Rad- und Fussgängerverkehr» beitragen. Die Steuergruppe, unterstützt von Gemeindevertretern mit der entsprechenden Ortskenntnis, schlug für jeden der zehn definierten Abschnitte verschiedene Varianten vor. In der Vernehmlassung kamen unterschiedliche Vorlieben an den Tag und in gewissen Bereichen war gar keine Lösung auszumachen. Diplomatisch formulierte es Gabi Lauper an der Vorstandssitzung so: «Auf der Westseite des Sees hat man nur beschränkte Möglichkeiten.» Da hilft es offensichtlich auch wenig, wenn am steilsten Ort, in Birrwil, gegenwärtig eine Melioration läuft und dadurch die Möglichkeit bestünde, etwas gemeinsam für Velofahrer und Landwirtschaft zu machen.

Zusammenfassend brachte es die Steuergruppenleiterin auf folgenden Punkt: «Wenn es eine ideale Streckenführung gäbe, wäre die Veloroute schon längst realisiert worden.» Damit ist angetönt, dass der neueste Anlauf beileibe nicht der erste ist: Seit gut 30 Jahren wird periodisch die Idee des See-Velowegs wieder aufgegriffen.

Der neueste Versuch soll jedoch nicht ohne Ergebnis versanden. Der LLS will sich beim Kanton einsetzen, dass «die aufgezeigten punktuellen Verbesserungen», etwa bei Querungs- oder Abbiegehilfen, realisiert werden.