Gleich zweimal innert Wochenfrist ist es auf der Ausserortsstrecke zwischen Wohlen und Lenzburg, der Bünztalstrasse, zu schweren Unfällen mit mehreren Verletzen gekommen.

Nach der Auffahrkollision am Sonntag musste die Bünztalstrasse am frühen Donnerstagabend erneut gesperrt werden: Ein 68-Jähriger BMW-Lenker hatte beim Einbiegen von der Hendschikerstrasse in die Bünztalstrasse den Vortritt eines Chryslers missachtet. In diesem Auto sass eine fünfköpfige Familie.

Es kam gemäss einer Mitteilung der Kantonspolizei zu einer heftigen seitlich-frontalen Kollision, bei der beide Autos mehrere Dutzend Meter weit weg geschleudert wurden. Der 47-jährige Familienvater und ein 12 Jahre altes Kind mussten schwer verletzt mit Rettungshelikoptern - je einer der Rettungsflugwacht und des TCS - in Spitäler gebracht werden.

Die Mutter, die beiden 2 und 8 Jahre alten Kinder sowie der BMW-Fahrer wurden leicht bis mittelschwer verletzt. Letzterer war in seinem Auto derart eingeklemmt, dass ihn die Strassenrettungstruppe der Feuerwehr aus dem Fahrzeug befreien musste. Näheres zum Gesundheitszustand der Verletzten sei derzeit nicht bekannt, so die Kantonspolizei.

An beiden Fahrzeugen entstand Totalschaden - beziffern lasse sich dieser noch nicht, so die Polizei. Die Bünztalstrasse blieb bis 20 Uhr gesperrt. Neben Patrouillen der Kantonspolizei standen die Regionalpolizeien Wohlen und Lenzburg im Einsatz. „Zufällig waren auch einige Angehörigen der Armee vor Ort und leisteten im Rahmen ihrer Möglichkeiten erste Hilfe", sagt Kantonspolizei-Sprecher Bernhard Graser auf Anfrage.

Auch als «Todesstrasse» bekannt

Die Bünztalstrecke zwischen Wohlen und Lenzburg ist immer wieder Schauplatz von Unfällen. Die Einmündung der Hendschikerstrasse in die Bünztalstrasse sei nicht ganz ungefährlich, sagt auch Bernhard Graser. „Die Lage im Ausserortsbereich und das grosse Verkehrsaufkommen verlangen von den Fahrzeuglenkern, die von Ammerswil her einmünden wollen, besondere Aufmerksamkeit."Im Volksmund wird die Bünztalstrasse seit Jahrzehnten „Todesstrasse" genannt. Grund dafür sind die zahlreichen tödlichen Unfälle, die sich auf dem rund 9 Kilometer langen Strassenstück vor allem in den 60er- und 70er-Jahren ereignet haben.

Die Unfallserie begann, als die Strasse zu Beginn der 60er staubfrei gemacht wurde, und sie hielt während fast 20 Jahren an. Unfallschwerpunkte waren damals waren die beiden gefährlichen Kreuzungen Langelen und Anglikon. Diese wurden mittlerweile mit einem Kreisel, beziehungsweise einer Lichtsignalanlage, entschärft.
Früher glaubte man in katholisch-konservativen Kreisen, die vielen tödlichen Unfälle seien eine Strafe Gottes - weil „die Reformierten" im unteren Bünztal bei den Belagarbeiten in den 60er-Jahren die Dampfwalzen auch sonntags hatten laufen lassen.

Drei verletzte Kinder bei Unfall in Hendschiken

Drei verletzte Kinder bei Unfall in Hendschiken

Während früher fast jedes Jahr mehrere Menschen den Tod auf der Bünztalstrasse gefunden haben, ist die Zahl der schweren Unfälle auf der „Todesstrasse" mittlerweile stark zurückgegangen. Gründe dafür sind bauliche Massnahmen sowie die Einführung der Gurtenpflicht und der Geschwindigkeitsbegrenzung.

Allerdings kam es im Sommer 2013 innert eines Monats erneut zu zwei schweren Unfällen: Einmal geriet bei Hendschiken ein Auto auf die Gegenfahrbahn, wo es mit einem entgegenkommenden Fahrzeug kollidierte. Der zweite Unfall ereignete sich wenige Kilometer weiter in Dintikon: Ein Traktorfahrer überquerte die Bünztalstrasse. Auf dieser näherte sich ein Motorradfahrer, der nicht mehr bremsen konnte und frontal in den quer zu seiner Fahrbahn stehenden Traktoranhänger prallte. Bei beiden Unfällen gab es Schwerverletze.