Die Ausgangslage nach den Kommandierübungen der Anwärter für höhere Chargen war ebenfalls eine Premiere: Zwei Kandidaturen kamen auf genau gleich viele Punkte. Den Ausschlag für den Lenzburger Viertbezler Andrin Taubert gab sein Vorteil beim Kommandieren. Die Konkurrentin Anouk Dähler aus Othmarsingen musste sich mit der Beförderung zum ersten Oberleutnant bescheiden. Dass die Jury den Mann erkor, hat mit Frauenfeindlichkeit und Einheimischenbevorzugung nichts zu tun: Seit die Mädchen mitspielen dürfen, stellten sie bereits vier Hauptfrauen und mehrere Fahnenfrauen.

Die Bewertung bei der Kaderwahl erfolgt zu 50 Prozent nach schulischen Leistungen (Schule, Charakter, Sport) und zu 50 Prozent die Kommandierübung. Der Favorit bekannte, dass er schon auf die höchste Würde hoffte und gab sein Konzept für den Kampf gegen die Freischaren preis: «Ich vertraue auf meine gute Truppe.»

Die Fahne des Lenzburger Kadettencorps.

Die Fahne des Lenzburger Kadettencorps.

Im Gegensatz zu dieser Charge dürfen die Kadetten direktdemokratisch ihren Fähnrich selber wählen. In früheren Jahren wurden in den Schulhäusern wahre Wahlkampagnen amerikanischen Ausmasses aufgezogen. Diesmal stellte sich bei Aufruf nur ein einziger Kandidat vor: Silvan Taubert, der jüngere Bruder des Hauptmanns. Der Jubelchor seiner Kameraden bestätigte die Wahl buchstäblich einstimmig. «Ich bin zufrieden, die Tauberts führen an», diktierte der Drittbezler dem Reporter keck ins Notizbuch.

Stolz auf seine Söhne ist natürlich Daniel Taubert, der als Instruktor amtet – es selber aber nur zum Wachtmeister gebracht habe.

Die Gebrüder Taubert führen morgen Freitag ab 13.35 Uhr 270 Kadetten gegen 660 Freischaren ins Feld. Dass sie die Wallstadt trotz drückender menschlicher und technischer Übermacht, die zudem über mehrere Geheimwaffen verfügt, wiederum als klare Sieger verlassen, steht heute schon fest. Weil es die mehrhundertjährige Tradition eben so will.