Fein säuberlich sind die Zettelchen auf der schwarzen Tafel aufgereiht. Sie bilden ein wildes, in allen Farben leuchtendes Muster und sind, wie um Uneingeweihte noch mehr zu verwirren, mit farbigen Punkten und Buchstaben versehen. Es ist die Stundenplantafel von Thomas Bundi. Der Bezlehrer ist an der Schule für das Erstellen des Stundenplans zuständig. Auf ein digitales System verzichtet er. Er selbst ist der Computer, der die Bedingungen aller Zimmer, Lehrer und Fächer miteinander vergleicht und am Schluss eine für alle kompatible Lösung liefert.

Bundi, ganz der Mathematiker, ist fasziniert vom Kombinieren und Ausprobieren, bis alle Zettelchen am richtigen Platz sind. «Für mich ist das wie ein Schachspiel oder ein Sudoku, ich mache das liebend gern», sagt er und man glaubt es ihm. Bundi hat die Aufgabe in den 70er-Jahren von seinem Vorgänger übernommen. Damals gab es an der Bez vornehmlich Hauptlehrer mit einem Unterrichtsfach und nur eine Lehrerin, unterdessen haben die Frauen aufgeholt, Teilpensen sind keine Seltenheit mehr. Das findet Bundi gut, allerdings mache es auch die Stundenplanung komplizierter. Noch mehr Parameter, die das Setzen der Zettelchen erschweren. Bundi lacht: «Ich staune selber, dass es am Schluss immer aufgeht.» Dass seine analoge Technik langsam ausstirbt, merkt er, wenn er neue Klebstreifen für die Zettelchen kaufen muss, die kriege man kaum noch.

Bez der Kanti vorgezogen

Dieses Jahr hat Bundi das letzte Mal die Frühlingsferien damit verbracht, die farbigen Zettelchen herumzuschieben. Nach
38 Jahren an der Bez Lenzburg wird er pensioniert. Das Gespräch mit der az ist für den passionierten Lehrer speziell, weil er für einmal nicht die vorbereitete Person im Klassenzimmer sein muss, wie er eingangs belustigt anmerkt. Für Bundi war die Stelle in Lenzburg nach dem Studium an der ETH, das er mit einem Doktortitel abgeschlossen hat, die erste Festanstellung. Bundi hätte auch auf der Maturitätsstufe unterrichten können, doch er hat sich spezifisch für die Bezirksschule entschieden. «Ich finde diese Pubertätsphase sehr spannend. Die Schüler kommen als Kinder und gehen als junge Erwachsene», sagt er. Bereut habe er es nie. Bundi unterrichtete die Fächer Biologie, Geografie und Mathematik, mehrere Jahre war er auch Rektor der Schule. Haben sich die Bezler in den 38 Jahren verändert? Bundi überlegt. «Grundsätzlich nicht. Ich stelle fest, dass die Schüler heute Mühe haben, an etwas dranzubleiben». Sie verfügen über mehr Ablenkung als früher und seien sich gewöhnt, dass es immer Schlag auf Schlag geht. Landschaftsaufnahmen in einem Geografievideo langweilen schnell. So fehle ihnen auch bei Strategiespielen die Geduld, sich zu vertiefen. Ansonsten sieht Bundi keine grossen Unterschiede. Die heutige Jugend ist also nicht die schlimmste von allen.

Zeit zum Lesen

Die Regale in Bundis Schulzimmer sind schon halb leer, das Aufräumen hat begonnen. «Klar wird man da ein bisschen nostalgisch», meint er lächelnd. Doch er freut sich auf die Zeit zum Lesen, Musikhören und mit den Grosskindern verbringen. Langweilig werde es ihm sicher nicht. «Aber den Kontakt zu den Kindern und dem grossartigen Team hier werde ich schon vermissen», sagt Bundi. Er freut sich, zukünftig an nebligen Herbsttagen in sein Ferienhaus den Bündner Bergen entfliehen zu können. «Aus dieser Region stamme auch mein Nachname», sagt Bundi. Er bedeute aber nicht – wie oft vermutet – «Guten Tag».