Meisterschwanden

Die störrischen Musikanten wurden ausgeschlossen

Die Musikgesellschaft ist oft auf Reisen: 1948 spielte sie unter Dirigent Luigi Manazza in Montreux auf.ZVG

Die Musikgesellschaft ist oft auf Reisen: 1948 spielte sie unter Dirigent Luigi Manazza in Montreux auf.ZVG

Am Samstag feiert die Musikgesellschaft Meisterschwanden ihr 125-Jahr-Jubiläum. Was im Jahre 1888 als streng geführte «Blechmusikgesellschaft» begann, ist heute noch ein bodenständiger Verein mit Tradition.

Am 26. Februar 1888 versammelten sich einige Männer aus dem Dorf im Schulhaus und gründeten die «Blechmusikgesellschaft Meisterschwanden». So rein im Klang, so makellos musste der Leumund sein: Mitspielen durften laut Statuten nur «Musikfreunde von unbescholtenem Rufe». Wer sich eines «unsittlichen Lebenswandels» schuldig machte, wurde ausgeschlossen – wie auch Mitglieder, die «sich auflehnen oder sich sonst störrisch zeigen».

Die Regeln in der Gemeinschaft der Meisterschwander Musikanten waren streng, und ein Verstoss gegen diese teuer: Wer zu spät kam, musste bis 50 Rappen auf den Tisch legen.

1888 ist zwar das offizielle Gründungsjahr der Musikgesellschaft, gemeinsam musiziert wurde in Meisterschwanden aber schon früher. Ab 1839 ist in den Zeitungsspalten immer wieder von einer «Musig» zu lesen. Ab 1868 verliert sich jedoch die Spur der Musikanten. Gut möglich, dass sie sich getrennt hatten. Die Gründung der Musikgesellschaft im Jahr 1888 ist damit möglicherweise Neuanfang und Geburt zugleich.

Kaum gegründet, hatten die Musikanten Erfolg: Schon in frühen Jahren spielten sie Konzert um Konzert und führten auch Theaterstücke auf. Die Musikgesellschaft nahm damit in kurzer Zeit einen wichtigen Platz im Dorfleben ein. So hielt der Chronist Anfang des 19. Jahrhunderts fest, dass am Meitlisonntag, an der Chilbi oder dem Schützenball jeweils «sechs Musikanten zum Tanzblasen im Löwen bestimmt wurden».

Die Musikgesellschaft packte ihre Instrumente vermehrt auch ausserhalb des Dorfes aus.Im Juni 1913 spielte der inzwischen 25-jährige Verein erstmals an einem kantonalen Musikfest und holte sich einen ersten Lorbeer.Als weitere Premiere reiste die Musikgesellschaft 1923 in neuer Uniform ans eidgenössische Musikfest. «Eine freudige Überraschung bereitete Lehrer Meyer den Musikanten, weil er ihnen seine Mostbirnen schenkte», heisst es in der Chronik über das Musikfest in Zug. «Sie ergaben rund 500 Liter Most.»

Musikalische Wettbewerbe fanden auch in Meisterschwanden statt: Nach zähen Verhandlungen holte die Musikgesellschaft 1956 den Kantonalen Musiktag mit einer Rekordbeteiligung von 35 Vereinen ins Dorf. 1974 fand erneut ein Kantonaler Musiktag in Meisterschwanden statt.

Heute, 125 Jahre nach der Gründung, steht die Musikgesellschaft mit Präsident Ueli Fischer immer noch gut da und zählt 32 Mitglieder – darunter auch einige junge Gesichter. Beliebt und gut besucht sind heute Angebote wie das Fischessen und die Jahreskonzerte. Zudem unternehmen die Musiker traditionell alle zwei Jahre gemeinsam eine Reise.«Trotz dieses hohen Alters ist der musizierende Verein jung geblieben», schreibt Gemeindeammann Kurt Kaufmann im Grusswort zum Jubiläumsfest vom Samstag. «Das Musizieren zeigt, dass Traditionelles und Bodenständiges durch allen Wandel hindurch Bestand hat.»

Die Musikgesellschaft Meisterschwanden feiert ihr 125-Jahr-Jubiläum mit einem Fest am Samstag, 6. April. Um 18.30 Uhr öffnet in der Mehrzweckhalle die Festwirtschaft für Bankett-Teilnehmer und Besucher. Von 19.30 bis 20.15 Uhr gibt die Musikgesellschaft ihr Konzert. Als Höhepunkt folgt um 20.30 Uhr der offizielle Festakt. Dabei wird die neue Fahne präsentiert und geweiht. Ab 22.30 Uhr unterhält das Sarmenstorfer Tanz-Orchester «Les Tönelis» in der Mehrzweckhalle. Kühle Drinks gibt es ab 22.15 Uhr in der Bar und Süsses vom Kuchenbüffet.

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