Lenzburg
Die Steinzeitmenschen hatten kein Pekannuss-Holz

Ein Besuch des Bogenbauseminars im Lenzburger Museum Burghalde ist auch eine Geschichtslektion.

Sibylle Haltiner
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Die Steinzeitmenschen hatten kein Pekannuss-Holz
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Nico Studer dreht die Sehne für seinen Bogen. Jürgen Junkmanns (l.) beobachtet die Spannungs-Prüfung. Steffen Ehrhardt schleift das gebogene Ende seines Indianerbogens glatt.
Nico Studer dreht die Sehne für seinen Bogen. Jürgen Junkmanns (l.) beobachtet die Spannungs-Prüfung. Steffen Ehrhardt schleift das gebogene Ende seines Indianerbogens glatt.

Die Steinzeitmenschen hatten kein Pekannuss-Holz

Bilder: Sibylle Haltiner

Die Symmetrie ist wichtig, damit der Pfeil geradeaus fliegt. Jürgen Junkmanns, der Archäologe und Bogenbauspezialist aus Deutschland, prüfte deshalb die Bögen genau und gab Anweisungen, wo noch etwas Holz weggeschabt oder abgeschliffen werden musste. Fünf Männer und eine Frau besuchten am Wochenende im Museum Burghalde in Lenzburg das Bogenbauseminar und fertigten ihren eigenen Bogen aus Naturmaterialien.

Dabei konnten sie zwischen dem Bogen eines steinzeitlichen Jägers, einem mittelalterlichen Langbogen und einem Indianerbogen wählen. «Der prähistorische Bogen ist eher flach, der mittelalterliche rundlicher», erklärte Jürgen Junkmanns die Unterschiede. Beim Indianerbogen sind die Enden gebogen.

Das Angebot bestimmte die Holzwahl

Junkmanns stellt an seinen Bogenbauseminaren, welche er regelmässig im Museum Burghalde anbietet, den Teilnehmenden einen Rohling aus amerikanischem Hickory-Holz zur Verfügung. Bögen aus dem Holz des Pekannussbaumes schiessen gut und brechen kaum durch. «In der frühen Steinzeit wurde Ulmenholz verwendet, später Eibe. Für die Pfeile verschiedene Hölzer, je nachdem, was gerade zur Verfügung stand, zum Beispiel Haselnuss oder Esche», erklärte der Bogenbauexperte. Für die Sehne verwendet er ein Kunststoffgarn, steinzeitliche Jäger spannten ihre Bögen mit Tiersehnen oder Flachs.

Die Freude am Handwerklichen, am Ursprünglichen, hat die sechs Teilnehmenden dazu bewogen, das Bogenbauseminar zu besuchen. «Ich bin überrascht, wie viel Handarbeit darin steckt und wie viel Geduld es braucht», erklärte Michael Aeschlimann aus Aarau. Steffen Ehrhardt, Niederlenz, war begeistert über die Veränderung, die das Holz und die Maserung bei der Bearbeitung durchmachten. «Der Bogen fühlt sich immer wieder anders an», beschrieb er. Einige der Teilnehmenden bringen Erfahrung aus dem meditativen Bogenschiessen mit, andere hatten noch nie einen Pfeilbogen in der Hand, bevor sie am Sonntag ihr Werk im Museumsgarten ausprobierten.

Die Faszination der Urzeitmenschen

Das Museum Burghalde bietet in seiner Urgeschichtswerkstatt verschiedene Workshops zum Thema Steinzeit an, vor allem für Kinder und Schulklassen. Jonas Nyffeler, Kurator der Abteilung Archäologie des Museums Burghalde, ist fasziniert vom technischen Wissen der Steinzeitmenschen.

«Die verfügbaren Materialien beherrschten sie aus dem Effeff», schwärmte er und rät gerade in der Coronazeit zu einem Museumsbesuch: «Man hat fast das gesamte Gebäude für sich allein.» Museumsleiter Marc Seidel ergänzte: «Wir führen nur Veranstaltungen durch, bei denen wir die Schutzmassnahmen strikte einhalten können, und nur mit Anmeldung.»

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