Lenzburg
Die Stadt «will ihren Qualitäten Sorge tragen»

Als KMU-Standort haben Stadt und Region Lenzburg gute Karten, doch gibt es räumliche Limiten. Dies das Ergebnis einer Podiumsdiskussion am Gewerbeapéro.

Fritz Thut
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Regionalstudien-Mitautor Thomas Rühl, Stadtammann Daniel Mosimann, Moderatorin Ruth Steiner und Unternehmer Ueli Ziegler beim Podium.

Regionalstudien-Mitautor Thomas Rühl, Stadtammann Daniel Mosimann, Moderatorin Ruth Steiner und Unternehmer Ueli Ziegler beim Podium.

Alex Spichale

Gemeinsam laden der Gewerbeverein Lenzburg und Umgebung und die Neue Aargauer Bank (NAB) Unternehmer aus der Region jährlich zu einem Gewerbeapéro. In der Stiftung für Behinderte in Lenzburg war am Dienstag das Publikum gleichzeitig das Hauptthema des Abends: «Der KMU-Standort Lenzburg».

Ausgangslage der von az-Redaktorin Ruth Steiner geleiteten Podiumsdiskussion war die NAB-Regionalstudie 2014 zum Thema «KMU-Standort Aargau» (az vom 15. Oktober). Vorgestellt wurde das Werk von Thomas Rühl, Head Regional Research, Credit Suisse AG, der bereits vor seinem Vortrag von Gewerbevereinspräsident Erich Renfer «einen ersten Rüffel» kassierte, weil in der Studie die Region Lenzburg nur als Teil der Region Aarau Berücksichtigung fand.

Grosses Selbstvertrauen

Solche Desavouierungen steckt das offizielle Lenzburg mit einem Lächeln weg, wie Stadtammann Daniel Mosimann bei der Beantwortung der entsprechenden Einstiegsfrage festhielt: «Unser Selbstvertrauen ist gross genug, um uns deshalb nicht auch aus der Fassung bringen zu lassen.»

In Ergänzung der schriftlichen Studie räumte Rühl ein, dass der Bezirk Lenzburg bei den entscheidenden Kriterien «eine Spur attraktiver ist als die Gesamtregion Aarau». Nicht in allen Bereichen konnten die Werte um den KMU-Standort auf kleine Gebilde heruntergebrochen werden, doch Rühl stellte dem Aargau als sechststärkstem Kanton generell ein gutes Zeugnis aus: «Hier spielt man die Trümpfe gekonnt aus, weiss aber auch, dass man sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen darf.»

Massnahmen der Politik

Der grösste Trumpf von Lenzburg ist die gute Anbindung an die nationale Hauptachse. «Wir wollen und müssen unseren Qualitäten Sorge tragen», warnte Mosimann und wies damit auf das Damoklesschwert eines Verkehrskollapses hin. Diesen will man mit verschiedenen Massnahmen – Ausbau des A1-Zubringers Neuhof und der etwas längerfristigen Netzstrategie Unteres Seetal – verhindern.

Als weitere Bereiche, in denen die Politik die Rahmenbedingungen der örtlichen Wirtschaft aufbessern kann, nannte Mosimann Kinderbetreuungsstätten und die Bildung. Unternehmer Ueli Ziegler, CEO der Egliswiler Rollstar AG, hakte beim letzten Punkt ein: «Wir brauchen Fachkräfte. Dank der guten Lebensqualität in der Region finden wir sie noch.»

Ziegler, dessen Firma Planetengetriebe und Hydromotoren zu 90 Prozent für den Export produziert, meint damit Mitarbeiter mit einem praktischen Hintergrund. Er warnte vor einer noch weiteren Akademisierung der Bildung. Die «vielen Akademiker müssten ja alle noch beschäftigt werden», liess er eine Prise Zynismus durchschimmern. Dass er der Publikumsmehrheit aus dem Herzen sprach, zeigte der spontane Applaus. «Unternehmer brauchen Leidenschaft.» Dies ist für Ziegler die wichtigste Erfolgsvoraussetzung.

Die Politik schafft dazu Rahmenbedingungen. In Lenzburg ist man damit weitgehend zufrieden, doch eine Ressource ist endlich. «Viel Land hat es hier nicht mehr», räumte Mosimann ein. Man könnte vielleicht «das Wachstumspotenzial in der dritten Dimension» nützen, erwähnte Rühl die Möglichkeit, in der künftigen Bauordnung mehr Hochhäuser zuzulassen.

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