Maya Wiedmer

Die Schmetterlingsmutter: Rupperswilerin züchtet Schwalbenschwänze auf ihrem Balkon

Weil sie nur noch wenige Schwalbenschwänze sah, beschloss Maya Wiedmer, den Tieren zu helfen. Trotz anfänglichen Schwierigkeiten hält sie an dieser Leidenschaft fest.

«Eigentlich begann alles vor drei Jahren», erzählt Maya Wiedmer. Da habe sie ihre Nachbarin nach Fenchelkraut für Rüebliraupen gefragt, die sie in ihrem Garten gefunden habe. Wiedmer, die einen grossen, reich bepflanzten Garten hat, machte sich selbst auf die Suche nach den Raupen, die sich zu grossen gelben Schmetterlingen entwickeln.

«Mir ist bis dahin gar nicht aufgefallen, wie wenig Schwalbenschwänze es hier in der Nachbarschaft hat», sagt Wiedmer. Sie fand in ihrem Garten neun Raupen und beschloss darum, sie beim Überwintern zu unterstützen. Zu diesem Zeitpunkt wusste die 72-Jährige noch nicht, dass die Unterstützung der Schwalbenschwänze zu ihrer Passion werden würde. Auch heute, drei Jahre später pflegt die Rupperswilerin ihre Schützlinge immer noch mit viel Hingabe und inzwischen auch mit erweitertem Inventar.

Wird es zu kalt, überwintern die Raupen

Auf dem Balkon von Maya Wiedmer reihen sich diverse Kästen aneinander, in denen Raupen in verschiedenen Stadien sind. Bis die Raupe, die anfänglich kaum grösser ist als ein Stecknadelkopf, sich zum grossen gelben Schmetterling entwickelt hat, geht es rund sechs Wochen. «Dabei kommt es natürlich immer auf die Temperaturverhältnisse an», erklärt Maya Wiedmer. Länger dauert der Prozess, wenn die verpuppten Raupen bei Wiedmer überwintern. «Sobald es nicht mehr genug warm ist, warten sie mit dem Ausfliegen bis zum nächsten Frühling. Die Tiere spüren genau, wann der richtige Zeitpunkt zum Schlüpfen ist», sagt die Rupperswilerin.

Jeden Morgen um sechs Uhr steht Wiedmer vor den Kästen ihrer Schützlinge und mistet aus. «In ihren ersten zwei Lebenswochen sind die Raupen sehr pflegeleicht, aber danach wird es schon intensiv», sagt sie.

Im vergangenen Jahr überwinterte Wiedmer 500 Raupen, bis zu 2000 Schmetterlinge wird sie in dieser Saison in die Freiheit entlassen. Ihr Bedarf an Fenchelkraut ist dementsprechend hoch, gar so hoch, dass das Fenchelkraut aus ihrem eigenen Garten nicht mehr reichte. «Obwohl ich immer mehr Fenchel angepflanzt hatte, kam ich nicht hinterher», sagt sie.

Futter bereitete schlaflose Nächte

Die Gäste auf ihrem Balkon vertilgen mehrere Kilogramm Kraut pro Tag. «Ich hatte schlaflose Nächte, weil ich nicht wusste, woher ich das Futter für die Raupen nehmen sollte», erzählt die Pensionärin. Hilfe erhielt sie aus Suhr: «Nach einem Tipp habe ich bei Herrn Fischer nachgefragt, ob ich von ihm Fenchelkraut beziehen könnte.» Der Gemüsebauer willigte ein. «Während der Saison nehmen sie nun jeden Morgen frisches Fenchelkraut vom Feld für mich mit und halten es kühl, bis ich es abhole», sagt Wiedmer. Für die Hilfe ist die 72-Jährige sehr dankbar: «Alleine könnte ich das alles gar nicht realisieren, miteinander ist es einfacher und man erreicht mehr.» Auch die Kästen, in denen die Raupen sind, haben ihre Schwester und ihr Schwager für sie gebaut.

Die Schmetterlinge möchte Maya Wiedmer noch lange unterstützen: «Es ist eine schöne Aufgabe. Dadurch habe ich jeden morgen Freude aufzustehen.» Die Faszination für die Schmetterlinge halte dabei immer noch an. «Man stolpert von einem Wunder ins andere.»

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