Seengen
Die Reben brauchten diese Saison besonders viel Betreuung

Mehltau und schlechtes Wetter machte den Trauben diese Saison zu schaffen. Diese Woche konnten sie geerntet werden. So auch hoch über dem Hallwilsersee in Seengen bei der Weinbau-Familie Wehrli.

Dominic Kobelt
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Die Helferinnen und Helfer arbeiten unter strahlend blauem Himmel
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Weinlese über dem Hallwilersee in Seengen bei der Familie Wehrli
Die Trauben sind reif Die Trauben sind reif, das Wetter für die Lese stimmt.
Romina Schlittler ist geübt im Traubenlesen
Weinlese am Hallwilersee Ramona Schlittler im Weinberg der Familie Würth.
Weinlese am Hallwilersee Das Gut der Familie Würth liegt idyllisch über dem Hallwilersee in Seengen.
Weinlese am Hallwilersee Weinbau-Betrieb der Familie Würth in Seengen.
Der Ertrag: etwa sechs Tonnen Trauben Der Ertrag: Etwa sechs Tonnen Trauben.

Die Helferinnen und Helfer arbeiten unter strahlend blauem Himmel

Dominic Kobelt

Wie ein blaues Spinnennetz spannt sich der Vogelschutz über die Reben - darunter herrscht emsiges Treiben. Mit geschickten Fingern und der Schere werden die guten Trauben von den schlechten getrennt und die verbleibenden nach Qualität sortiert. Rund 35 Helferinnen und Helfer schneiden in Seengen die reifen Früchte ab. Der Blick über den Hallwilersee und die frische Luft scheint ihnen Ansporn für die Arbeit zu geben - sie plaudern und lachen und trotzdem sind die gelben Plastikkisten zu ihren Füssen im Handumdrehen voll.

Es sind hauptsächlich Pensionierte, die seit Jahren bei der Wümmet helfen, so auch Jacqueline Blanc: «Ich versuche mir immer den Termin frei zu halten. Es ist eine schöne Arbeit und das Klima ist sehr familiär.» Zu der guten Stimmung tragen sicherlich auch das gemeinsame Zvieri und Nachtessen bei.mo

Und natürlich sei man auch ein bisschen stolz, einen Beitrag am Wein geleistet zu haben: «Es wird immer alles gut erklärt und wir erfahren auch, wie viele Kilo und wie viele Öchsli der Tag gebracht hat», sagt Jacqueline Blanc. Und Romina Schlittler, die während des ganzen Jahres bei der der Betreuung mithilft, ergänzt: «Man trinkt den Wein anders, wenn man weiss, wie viel Handarbeit in dem Produkt steckt.»

Alte Reben geben besseren Wein

Die Reben sind rund 30 Jahre alt. «Ältere Reben geben weniger Ertrag, die Trauben sind aber intensiver und geben somit besseren Wein», sagt Winzerin Susanne Wehrli. In diesem Jahr forderten die Pflanzen besonders viel Pflege: «Es war eines der schwierigsten Jahre, seit ich mich erinnern kann, zumindest für die blauen Trauben.» Die Blüte sei unregelmässig gewesen, was zur Folge habe, dass einige Beeren schon reif seien, andere noch nicht.

«Ausserdem hatten wir mit Mehltau zu kämpfen und mussten deshalb regelmässig spritzen.» Trotzdem: Dank der intensiven Arbeit konnten die Erntehelfer am Dienstag auf der Parzelle rund sechs Tonnen Pinot-Noir-Trauben ablesen - das ergibt rund 3000 Liter Wein. Auch wenn die Trauben noch ein paar schöne Herbsttage hätten vertragen können, wenigstens bei der Traubenlese herrschten ideale Wetterbedingungen.

Wann die weissen Trauben abgelesen werden, weiss Wehrli noch nicht: «Im Moment ist der Wetterbericht für die ganze Woche gut, aber es ist schwierig abzuschätzen, wie viel ein paar Sonnentage bringen.» Um den richtigen Moment zu erwischen, brauche es Erfahrung - «und es ist auch ein Pokerspiel», sagt Wehrli. Für den Weisswein war es bis jetzt ein gutes Jahr: «Die etwas kühleren Jahre geben besseren Weisswein», so die Winzerin.