Seetal
Die Ranger vom Hallwilersee haben ihre Augen überall

Seit sechs Jahren stehen die Ranger regelmässig im Einsatz. Sie sind für die Hausordnung am Hallwilersee verantwortlich. Dabei haben sie auch schon mal ein Liebespaar im Schilf aufgescheucht.

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Der Feldstecher ist ihr wichtigstes Arbeitswerkzeug: Chefranger Bruno Fürst (Zweiter von links) mit Ranger Jörg Hiltbrunner und Mark Eberling von der Regionalpolizei aargauSüd bei ihrer Patrouille an der Schiffanlegestelle Seengen.

Der Feldstecher ist ihr wichtigstes Arbeitswerkzeug: Chefranger Bruno Fürst (Zweiter von links) mit Ranger Jörg Hiltbrunner und Mark Eberling von der Regionalpolizei aargauSüd bei ihrer Patrouille an der Schiffanlegestelle Seengen.

AZ

Bei brütender Hitze laufen Ranger Bruno Fürst und Jörg Hiltbrunner mit Mark Eberling von der Regionalpolizei aargauSüd dem Ufer des Hallwilersees entlang. Unzählige Boote gleiten auf dem Wasser dahin, am Ufer vergnügen sich Badegäste.

Eine Frau biegt mit ihrem Fahrrad vom Uferweg auf die Strasse Richtung Seengen ab. Wären Ranger und Polizei nicht so weit entfernt, würden sie die Velofahrerin anhalten und mit 30 Franken büssen.

Denn das Velofahren auf dem Seeweg ist verboten. Ein Pärchen unweit davon hat hingegen weniger Glück: Es steht bei der Schiffanlegestelle Seengen und angelt. Weil die beiden keinen Sachkundenachweis und keine Freianglerkarte vorweisen können und erst noch mit einem Widerhaken fischen, erhalten sie eine Anzeige.

Seit fünf Jahren sind die Ranger für die Hausordnung am Hallwilersee verantwortlich. Sie sorgen dafür, dass die Seegäste das Velofahrverbot auf dem Uferweg einhalten, Hunde an der Leine führen und sonst nichts Verbotenes tun. Sie informieren aber auch über die Landschaft, die Tier- und Pflanzenwelt und bieten Führungen oder Exkursionen den See entlang an.

Rangertag

Am Sonntag, 26. Juli, stellen die Hallwiler See-Ranger zwischen 9 und 16 Uhr ihre Arbeit an einem Stand beim Meisterschwander «Zopf» (beim «Delphin») vor.

Chefranger Bruno Fürst hat in den letzten fünf Jahren schon einiges erlebt: Einmal wies er einen Österreicher darauf hin, dass er sich nicht mitten im Boniswiler Ried, auf dem Betretungsverbot herrscht, sonnen dürfe. Worauf der Österreicher unwirsch reagierte. Doch das ist sich der Chefranger gewohnt: Insbesondere am Anfang der Rangertätigkeit hätten die Leute mürrisch reagiert, wenn ein Ranger auftrat und sie ermahnte. «Viele zeigen jedoch Verständnis für unsere Arbeit», sagt Fürst.

Das grösste Kompliment erhielt er von einem auswärtigen Gast, der ihn wegen der Ordnung am Hallwilersee lobte. «Je weniger herumliegt, desto weniger getrauen sich die Leute, etwas fortzuwerfen», ist er überzeugt. Dennoch müssen die Ranger und die Bauamt-Mitarbeiter regelmässig Abfall wegräumen.

In flagranti erwischt

Am meisten sind die Ranger mit Kontrollgängen beschäftigt. «Hier lernten wir in den letzten fünf Jahren hinzu», sagt der Chefranger. «Früher liefen wir mehrere Stunden dem See entlang. Das war nicht besonders effektiv, weil wir zwar Leute ermahnen, aber sie danach nicht mehr kontrollieren konnten. Heute haben wir unsere Hotspots, die wir regelmässig besuchen.»

Auch steigt das Team auf Anhöhen, um mit Feldstechern die Gegenden und Schutzgebiete abzusuchen. Einmal sah Ranger Jörg Hiltbrunner im Schilf rotes Haar. Er ging hin und entdeckte ein Liebespaar. Peinlich berührt, machte er die beiden darauf aufmerksam, dass ein Aufenthalt im Schilf für Menschen eigentlich nicht erlaubt sei.

Die Ranger erleben weitere amüsante Geschichten: Einmal ermahnten sie einen Hundebesitzer, weil er seinen Hund frei herumlaufen liess. «Sehen Sie die unsichtbare Hundeleine denn nicht?», fragte der Halter allen Ernstes.

Ein anderes Mal meinten Passanten, einen Panther im Schilf gesehen zu haben. Dabei stellten die Ranger fest, dass es sich bloss um eine schwarze Katze gehandelt hatte, erinnert sich Bruno Fürst lachend.

Ranger dürfen nur ermahnen

Seit drei Jahren kooperieren die Hallwilersee-Ranger mit der Regionalpolizei aargauSüd, der Regionalpolizei Lenzburg und der Luzerner Polizei. Immer wieder kam es zu Diskussionen, ob die Ranger Bussen austeilen dürfen. Diese Ausweitung der Kompetenzen ist gesetzlich aber nicht möglich, deshalb kam es zur Zusammenarbeit mit der Polizei.

Stattdessen können die Ranger Leute, die etwas Falsches getan haben, mit Argumenten belehren oder ihre Namen an die Behörden weiterleiten. Doch das wars dann auch schon. «Wir predigen, die Polizei macht Nägel mit Köpfen», sagt Bruno Fürst.

Seit die Polizei mit auf Patrouille komme, würden die Ranger besser respektiert. Polizist Mark Eberling wiederum sagt, ohne die Ranger würde die Gegend um den Hallwilersee verwildern.

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