Aargauer Berufsschau
Die Qual der Wahl: Welcher Beruf darfs denn sein?

An der Eröffnungsfeier der Aargauer Berufsschau in Lenzburg sprach Regierungsrat Alex Hürzeler – ein ehemaliger KV-Stift.

Aline wüst
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Manon Meier, Lernende, präsentiert den Beruf der Floristin – Besuch erhält sie von Kurt Schmid, Präsident des Aargauer Gewerbeverbands. WUA

Manon Meier, Lernende, präsentiert den Beruf der Floristin – Besuch erhält sie von Kurt Schmid, Präsident des Aargauer Gewerbeverbands. WUA

Aline Wüst

Manon Meier hat ihren Beruf bereits gefunden. An der Aargauer Berufsschau in Lenzburg zeigt sie den jungen Besuchern, was eine Floristin tut.

Auch Kurt Schmid, Präsident des Aargauer Gewerbeverbands, interessierte das. Obwohl: Einen Beruf sucht Schmid nicht.

An der offiziellen Eröffnung der Berufsschau sagte Schmid in seiner kurzen Ansprache, wie attraktiv die Berufsausbildung sei. Und er bedankte sich bei all den Menschen, die Perspektiven schaffen für junge Leute.

Durchhaltewillen zahlt sich aus

Beim Apéro erzählte Schmid dann, dass er seine KV-Lehre auf der Bank am liebsten abgebrochen hätte. «Das war nicht ganz mein Metier», sagt er heute. Nur weil er damals erfuhr, dass er nachher noch an die Fachhochschule könne, biss er durch.

Nun ist er froh darüber, und dank ebendiesem Studium glücklicher Treuhänder. Das KV übrigens würde er wieder machen, nur nicht mehr auf der Bank.

Als KV-Stift hat auch bei Regierungsrat Alex Hürzeler alles angefangen. «Ich wollte arbeiten nach der Schule und nicht an die Kanti.» Seine Berufswahl hat Hürzeler nie angezweifelt. In seiner kurzen Ansprache rühmte der Bildungsdirektor die attraktive Berufsausbildung in der Schweiz. Er betonte auch, dass das wichtigste Ziel von Bildung sei, auf die Arbeitswelt vorzubereiten.

Beim Apéro erzählte er dann, dass ihm die heutige Situation auf dem Arbeitsmarkt auch Sorgen mache. «Der Erfolgsdruck ist gross, die Gesellschaft erwartet von den jungen Menschen, dass sie alle Roger Federers sind.» Sorgen macht Hürzeler auch, dass gewisse Branchen keinen Berufsnachwuchs mehr finden.

35'000 Besucher erwartet

Am anschliessenden Rundgang durch die Berufsschau schüttelte Hürzeler viele Hände: Hände von Gipsern, Floristen, Polybauern und Milchtechnologen beispielsweise. Insgesamt werden an der Lenzburger Berufsschau 200 Lehrberufe vorgestellt. 35 000 Besucher werden erwartet.

Offen ist sie noch bis Sonntag. Bei einem Glas Orangensaft erzählte SVP-Nationalrätin Sylvia Flückiger, dass auch sie das KV gemacht habe. «Meine Kolleginnen haben alle Verkäuferin gelernt – ich war schon damals ehrgeizig.» Heute ist Flückiger Unternehmerin, eine glückliche Unternehmerin, wie sie betont.

Nach einem weiteren Schluck Orangensaft verriet sie dann noch, was sie heute für einen Beruf wählen würde: Keine Berufslehre, sondern Musik studieren und Harfe spielen.

Zweieinhalb bis drei Stunden bleibe jeder Jugendliche an der Berufsschau, sagte OK-Präsident Peter Fröhlich. Im Shuttlebus zurück an den Bahnhof zeigte sich, was diese drei Stunden bewirken: «Ich will Architektin, Informatikerin oder Gärtnerin werden», sagt eine Achtklässlerin. Das ist doch ein guter Anfang.